Mark Ronson & The Business Intl. - Record collection

Mark Ronson & The Business Intl.- Record collection

Columbia / Sony
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Leben im Archiv

Mark Ronson musste die Assoziationskette einfach zerreißen. Er verzichtet auf Bläser und 60s-Soul. Das ist zwar so, als bestünde keine Verbindung mehr zwischen Reinhold Messner und Yeti oder Robert Smith und Friseur, aber es war für den Produzenten der einzig sinnige Schritt. Die englische Presse vernichtete Ronson mit jeder neuen Veröffentlichung, was ihm merklich an die Nieren ging, zumal die Kritik oft persönlicher Natur war. Dabei bot er außer seinem andauernden Erfolg - man denke nur an das von ihm weitestgehend produzierte "Back to black" von Amy Winehouse - und seiner eben doch quantitativ hohen Anzahl an Bläsern wenig Angriffsfläche. So dürfte es lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen sein, der ihn anstachelte, mit seinem Markenzeichen zu brechen.

Nach den langwierigen Aufnahmen mit Duran Duran zu deren neuer Platte fand Ronson gefallen an Synthesizern und Keyboards - und ersteigerte sich bei einem großen Auktionshaus gleich einen ganzen Sack voll. Ronson verzog sich in sein Aufnahmestudio und streckt mit "Record collection" allen Zweiflern die Zunge weiter raus, als Gene Simmons in fast 40 Jahren Bandgeschichte. Letztes Überbleibsel aus alten Zeiten ist "Lose it (in the end)". Der Song plustert sich zwar noch mit Soul auf, lässt sich aber aber bereitwillig von Ghostface Killah berappen und von Alex Greenwald (Phantom Planet) übersingen. Die Gästeliste zu vervollständigen würde den hier vorhandenen Platz sprengen. Ronson wird aber nicht müde zu betonen, niemanden ins Studio zu zitieren oder zu zwingen, sondern lediglich mit Freunden und Bekannten zu arbeiten. Mit Menschen, die er einfach so trifft. Bei seiner Vita glaubt man ihm das ungeprüft, auch wenn die Frage erlaubt sein darf, woher dann The London Gay Men's Choir in "Introducing the business" kommt.

Ohnehin geraten die Kollaborationen und Kompositionen skurril. In "Somebody to love me" findet sich Boy George wieder, untröstlich singend zu kindlichen Keyboard-Sounds, während drumherum ein dicker Beat wummert und Andrew Wyatt von Miike Snow trällert. Das kann man sich auf dem Papier nur schwer ausdenken, es ensteht einfach - und funktioniert. Genauso wie die potenzielle Gorillaz-Nummer "Bang Bang Bang" mit Q-Tip und MNDR oder Rose Elinor Dougall, die sich mit Wyatt zu "You gave me nothing" rührt. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen mit D'Angelo, der gemorpht wie Cee Lo Green auf Halluzinogenen klingt oder mit Kyle Falconer (The View), der gemeinsam mit Spank Rock in "The bike song" zu Nebenbuhlern einer Fahrradklingel wird.

Die Samples sind passé. Ronson bastelt Songs aus 80s-Pop und HipHop, hantiert problemlos mit gealterten Keyboards und liefert indikatorisch vier ganz und gar instrumentale Stücke, wie den Western-Soundtrack "The colour of Cumar". Aber es reicht ihm nicht, er packt noch mehr oben drauf, noch mehr Gäste, noch mehr Ideen in einen Song - und erschafft sich Stolperfallen, die es nicht gebraucht hätte: Ronson singt! Für den Titeltrack holt er sich ausgerechnet den müde wirkenden Simon LeBon und referiert mit ihm ähnlich kraftlos gemeinsam über die Glanz- und Kehrseiten des Erfolgs: "I only want to be in your record collection / And I'll do anything it takes just to get there." Der ironische Unterton bleibt nicht verborgen, der Kern dürfte aber gar nicht so surreal sein. Der Weg weg vom Diss-Radar der Kritiker hin zur musikalischen Respektsperson mit Platz im Plattenregal führt ihn zunächst durch ambitionierten Aktionismus. Übereifrig, aber immerhin nicht blind.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Bang bang bang
  • Somebody to love me

Tracklist

  1. Bang bang bang
  2. Lose it (in the end)
  3. The bike song
  4. Somebody to love me
  5. You gave me nothing
  6. The colour of Crumar
  7. Glass mountain trust
  8. Circuit breaker
  9. Introducing the business
  10. Record collection
  11. Selector
  12. Hey boy
  13. Missing words
  14. The night last night

Gesamtspielzeit: 47:30 min.

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