Love Amongst Ruin - Love Amongst Ruin

Love Amongst Ruin- Love Amongst Ruin

Ancient B / EMI
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ex-Drummer

Dave Grohl dürfte für jeden ambitionierten und unausgelasteten Drummer ein Idol darstellen: Er ist aus dem Schatten seines Drumkits gestiegen, ging eine Affäre mit der Gitarre ein und gründete bis heute mehrere Bands, denen er seine kraftvolle Stimme leiht. Ab und an lässt er bei so bescheidenen Nebenprojekten wie Them Crooked Vultures den Knüppel wieder aus dem Sack und trommelt sich wie ein Berserker die Seele aus dem Leib. Aus dem Vorzeigeschlagzeuger ist ein charismatischer Frontmann geworden. Eine ähnliche Transformation plant nun auch Steve Hewitt, ehemaliger Prügelknabe bei Placebo, der sich mit Love Amongst Ruin von seiner Ex-Band emanzipiert.

Love Amongst Ruin machen es sich dabei mit ihrem Debüt zwischen den Stühlen bequem: Das Album kann sich nicht so recht entscheiden, ob es nun zupackender Alternative-Rock mit Grunge-Einschlag oder doch lieber atmosphärisch schleichender Dunkelpop mit handfester Prog-Note sein möchte. Man kann diese Vielfalt als Ausdruck künstlerischer Freiheit begreifen - oder aber man sieht in diesen zehn Songs den richtungslosen Versuchsaufbau eines übermotivierten Ex-Drummers, der in seiner früheren Band wenig bis gar nichts zu melden hatte. Und darum brummt, knallt und radaut es so sehr auf diesem ziemlich brodelnden, aggressiven Album, das in einigen Momenten wie ein angeschossener Hund wirkt: Hier werden die Zähne nicht nur der Show wegen gefletscht, zur Not kommen die Beißerchen auch zum Einsatz. Willkommen zur Wutprobe.

Hewitt gibt auf "Love Amongst Ruin" den Hansdampf in allen Gassen: Mal gibt er wie im eklektisch-pumpenden "Running" den düsteren, gehetzten Schwarzseher, dann wiederum versucht er sich als kitschverliebter Schmusebarde. Der Rausschmeißer dagegen, in einem Anflug besonderer Kreativität "Love song" betitelt, ist ein käsiges und arg plumpes Abziehbild einer Rockballade. Am besten sind Love Amongst Ruin dann, wenn sie Aggression und Schöngeist in einem Song bündeln: Die Single "So sad (Fade)" ist in den Strophen ein breitbeiniges Riff-Ungeheuer, bevor im Refrain die fragile Melodie die Oberhand gewinnt. Auch wenn man sich kurzzeitig fragt, ob Chris Martin bei Alice In Chains eingestiegen ist.

Bisweilen wirkt "Love Amongst Ruin" jedoch etwas aufdringlich: Hewitt trägt immer eine Idee zuviel Pathos in der Stimme, die Gitarren braten die entscheidende Spur zu testosterongeladen durch den Nebel, die Lyrics kommen oft nicht über Stereotypen hinaus. Nichtsdestotrotz gelingt es Love Amongst Ruin, in Stücken wie "Alone" mit angenehmem Mainstream-Rock fürs Alternative-Radio zuweilen eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Innovation hört sich zwar anders an, und dieses Debüt hat einige Schönheitsfehler, doch es blitzen immer wieder interessante Spannungsbögen und dunkle Stimmungen auf. Damit wird Hewitt zwar kein neuer Dave Grohl, aber solange sich kein "Against all odds" abzeichnet, ist alles in Ordnung. Zumindest vorläufig.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • So sad (Fade)
  • Alone
  • Truth

Tracklist

  1. So sad (Fade)
  2. Alone
  3. Running
  4. Heaven & hell
  5. Come on say it
  6. Away from me
  7. Blood & earth
  8. Truth
  9. Home
  10. Love song

Gesamtspielzeit: 41:24 min.

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