Hjaltalín - Terminal

Hjaltalín- Terminal

Kimi / Indigo
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wie im Himmel

Einst hing der Himmel in Glücksmomenten voller Geigen, aber diese redensartliche Welt ist den Isländern Hjaltalín nicht genug: Ihr Himmel ist behangen mit Oboen, Klarinetten, Trompeten, Pauken, kurz gesagt mit einem ganzen Orchester. Im Gegensatz zu anderen Bands liefert dieses Orchester keine ergänzende, beiläufige Untermalung ohnehin bestehender Songs - es ist vielmehr existenziell für "Terminal". Das Iceland Symphony Orchestra war zu viel Mensch für zu wenig Studio, und so spielte die ganze Bagage in einem altem Lagerhaus auf - und Hjaltalín gleich mit. Das Ergebnis hinterlässt offene Münder und beweist, dass Schmalhans Küchenmeister einen dicken Bruder hat, der überaus sympathisch sein kann, wenn man ihn richtig füttert.

"Terminal" könnte kaum besser beginnen als mit dem bedrohlichen, schrittweisen Aufbau von "Suitcase man". Die Arrangements sind kunstvoll, die Popmusik orchestral und integriert Folk, Jazz, Rock und im großen Maße auch Soundtrack-Kompositionen, die an Ennio Morricone & Co erinnern - selbst Musical-Elemente fließen wie selbstverständlich ein. Das Zusammenspiel der Stimmen von Högni Egilsson und Sigga Thorlacius in "Montabone" ist ein tänzelndes Szenario mit romantischer Geste und verdient die große Bühne. Andrew Lloyd Webber dürfte im Orchestergraben eine Träne verdrücken - besser hätte auch er diese rabiate, bittersüße Eintracht nicht inszenieren können: "We can get through the valley, get pass the mill, walk through the forest, we've got time time to kill".

Überhaupt profitiert "Terminal" ungemein vom Wechselspiel der beiden Vokalisten: Im hervorragenden "Sweet impressions" schaltet Egilsson nach zweieinhalb Minuten nur begleitet vom Piano auf Falsettgesang um, erst dann setzt sich der Song in Bewegung und tanzt durch den Raum, als habe es "Since I left you" von den Avalanches nie gegeben. Thorlacius steht dem in nichts nach und verausgabt sich im Sixties-beeinflussten "Feels like sugar" völlig, nur um in den letzten Sekunden lautstark ihre Kopfstimme zu präsentieren. In den jazzigen Noten von "Stay by you" treffen beide in leiser Harmonie wieder aufeinander und verlieren sich auch nicht im Disco-Dickicht von "7 years" und "Water poured in wine". Was schert es einen noch, womit der Himmel letztlich vollgehangen ist - das Gefühl zählt. Und im Falle von "Terminal" ist es ein endorphingetränktes Wirrwarr.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Sweet impressions
  • Feels like sugar

Tracklist

  1. Suitcase man
  2. Sweet impressions
  3. Feels like sugar
  4. Song from incidental music
  5. Montabone
  6. Stay by you
  7. Hooked on chili
  8. Sonnet for Matt
  9. 7 years
  10. Water poured in wine
  11. Vanity music

Gesamtspielzeit: 52:45 min.

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