Black Mountain - Wilderness heart

Black Mountain- Wilderness heart

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Lebende Legenden

Manchmal wünscht man sich als Musikfreund, jemand hätte die 70er Jahre sicher weggesperrt. Led Zeppelin, Deep Purple, Thin Lizzy und all die anderen irgendwo ordentlich verstaut, wo junge Rockbands sie nicht ständig betatschen können. Manchen ging das bei Wolfmother so, und auch Jet oder The Datsuns bereiten dem einen oder anderen Bauchschmerzen. Black Mountain allerdings sind so ziemlich das genaue Gegenteil von falsch verstandener Zuneigung zu den Klassikern: Traditionsbewusster Rock zwischen lärmig und psychedelisch knutscht Folk und Keyboard-Orgeln. Transferleistung statt aufgebürstetem Ripoff, Variation in den Details statt gitarriger Einheitspose.

"Wilderness heart", das dritte Werk des Quintetts aus Vancouver, hebt sich einmal mehr von seinen Vorgängern ab. Wo der Zweitling "In the future" schon mal bis zu 16 Minuten lang Einflüsse und Ideen zu einer Einheit vermengte, lässt sich der traditionsbewusste Rock des Nachfolgers klarer an der Achse sonnig/düster bzw. Heavy Rock/Folk trennen: Man hört, dass spätsommerlich lockere und sonnenbebrillte Rock-Adepten aus Led-Zeppelin-Schule und Beck-Vibe wie "The hair song" oder "The way to gone" im sonnigen Hollywood mit Dave Sardy (u. a. Nine Inch Nails, Oasis, Soulwax) aufgenommen wurden. Dagegen atmen die schwereren Songs sowohl die verregnete Umgebung der London Bridge Studios in Seattle, als auch die Doom-Expertise von Randall Dunn, den man als Produzenten von Sunn O))) und Wolves In The Throne Room kennt.

"Rollercoaster" beispielsweise nimmt sich einen dickschwänzigen John-Paul-Jones-Groove, kreuzt ihn mit den dopen Momenten von Marilyn Manson und setzt den Gesang wie Bergspitzen oberhalb des Soundnebels. "Let spirits ride" knallt dann als Sabbath-Lookalike an deren oberer Geschwindigkeitsgrenze auf dem Weg zur Höllenpforte spätestens im atemlosen Synthie-Solo mit der Peitsche. Gegenüber von solchen Schwergewichten platzieren sich vor allem in der zweiten Albumhälfte andere Töne wie der aus der Zeit gefallene Akustikgitarren-Folk von "Buried by the blues" und das still-dräuende "Radiant hearts", in dem der hypnotische Harmoniegesang von Stephen McBean und Amber Webber nicht zum ersten Mal bedeutungsschwanger Unheil andeutet: "Children play softly around the explosions / Tearing at shrapnel wrapped up in clothing / And I am left waiting for the doctor to serve."

Zwischen diesen beiden Polen entwickeln Black Mountain auf "Wilderness heart" Folk- und Rock-Mantren, verzwirbeln hyperaktiven Progressive Rock mit THC-aktivem Dunst und treten die Beweisführung an, dass spacige Synthies auch eine weit offene Gitarren-Ballade wie "The space of your mind" zieren können. Das kommt oft pathetisch, manchmal etwas zwischen allen Geschmäckern, aber immer frisch und eigen. So rund wie "Sadie" muss ein minimal instrumentierter Aussteiger auch erstmal sein, dass er sich nach Heimkommen, aber nicht altbacken anfühlt. Für diese Band kann man den Legendenschrank auch in Zukunft getrost offen stehen lassen.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Radiant hearts
  • Let spirits ride
  • Wilderness heart

Tracklist

  1. The hair song
  2. Old fangs
  3. Radiant hearts
  4. Rollercoaster
  5. Let spirits ride
  6. Buried by the blues
  7. The way to gone
  8. Wilderness heart
  9. The space of your mind
  10. Sadie

Gesamtspielzeit: 42:49 min.

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