Valient Thorr - Stranger

Valient Thorr- Stranger

Volcom / Warner
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Walhalla für Jeansjacken

Lange Haare, Jeansjacken, nordische Götter im Bandnamen und angeblich von einem anderen Stern - das muss eine abgehalfterte Metalband sein. Was für Typen wären sonst so beratungs-, scham- und gegenwartsresistent, herumzulaufen wie eine Mischung aus Straßenpenner und skandinavischer Rotzrockband? Valient Thorr in eine Schublade zu stecken, ist einfacher, als den Punker am Iro oder den Banker am Euro zu erkennen. Angenehmerweise überrascht die Band allerdings weder damit, dem Klischee auf Gedeih und Verderb zu entsprechen, noch führt sie den nach Soli und Thrash dürstenden Hörer auf eine völlig falsche Fährte.

"Stranger" ist hauptsächlich ein wilder Bastard aus rohem Rock'n'Roll und diversen Anleihen aus den weniger hochnäsigen Subgenres des Metal. Zwischen das abgehackte Trommelgedresche und die abgewürgten Riffs von "Gillionaire" drängt sich Sänger Valient Himself mit gepresstem Sprechgesang und hyperventilierendem Größenwahn und gibt das Motto vor: "With money in the bank and bloodshot eyes / I see no reason to compromise." Rye Coalition und Starvin Hungry sind die Bezugsgrößen, die gleich im Anschluss erst mal wieder über den Haufen geworfen werden. In "Sleeper awakes" packen Valient Thorr die Metalaxt aus, gniedeln sich durch Frickelsoli und legen den besoffenen Bruder eines epischen Refrains vor. Plötzlich schleicht sich so etwas wie Gesang in den Song.

Dass "Disappear" beginnt wie 90er-Crossover und die ersten 30 Sekunden von "Night terrors" eine lahmarschige Powerballade andeuten, sind nur Finten einer Band, die ganz genau weiß, was sie tut. Valient Thorr klingen nicht nach Siff, Bier und Exzess, weil sie so sind, sondern weil sie es können. Sie lassen es nicht raushängen und deuten es nur selten an, aber hinter den zerzausten Bärten und speckigen Jeansjacken der fünf Außerirdischen aus North Carolina verbergen sich famose Musiker.

So findet sich unter der thrashigen Hülle von "Sudden death is nothing" ein wahres Groove-Monster, die überzeugende Verbindung von Hardcore und Doom. Über den bluesigen Shuffle-Rhythmus von "Woman in the woods" legt sich ein Nebel aus Noise-Gitarren. Und "Vision quest" mimt zwei Minuten lang den Punkrocker, um dann im Gitarren-Chaos zu versinken. Trittsicher torkeln Valient Thorr durch alle Genres der gepflegten Krachmusik. Zusammengehalten wird der Vollgas-Trip von der anstrengenden, atemlosen Stimme Valient Himselfs, der sich mit beeindruckender Souveränität durch die irrwitzig schnell dahingerotzten Passagen kämpft und auch sonst die verbale Faust beständig in Richtung Walhalla streckt. Man muss nicht glauben, dass das Musik von einem anderen Stern ist, aber wenn, dann sind dort Jeansjacken, lange Haare und verfilzte Bärte sicher unglaublich cool.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Sleeper awakes
  • Sudden death is nothing
  • Without hope, without fear

Tracklist

  1. Gillionaire
  2. Sleeper awakes
  3. Disappear
  4. Double crossed
  5. Night terrors
  6. Sudden death is nothing
  7. Woman in the woods
  8. Vision quest
  9. Habituary
  10. The recognition
  11. Without hope, without fear
  12. Future humans

Gesamtspielzeit: 41:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
langer Atem
2010-09-23 10:47:45 Uhr
Danke für die gelungene Rezi! Hat mich positiv überrascht, dass das Album hier besprochen wurde.
langer Atem
2010-09-17 12:03:28 Uhr
Keine Meinungen? Hätte eigentlich gedacht, dass die Burschen mittlerweile auch schon in Europa angekommen wären.
langer Atem
2010-09-14 10:09:03 Uhr
So, hier der zweite Versuch zur Erstellung eines vernünftigen Diskussionsthreads über dieses fabulöse Trash-Punk-Rock-Metal-Album.

Nach insgesamt 4 äußerst lauten Hördurchgängen bin ich doch recht begeistert von "Stranger". Wohl das bisher beste Album der bärtigen Männer aus North Carolina.

Als Neuling muss man vielleicht erst mit dem unorthodoxen Songwriting (keine Songstruktur, verschiedenste Melodie- und Rifffetzen in einem Song, schlagartige Tempo- und Rhythmuswechsel, usw.) warm werden. Hat man sich aber daran gewöhnt, empfindet man dieses Merkmal eher als Pluspunkt.

Das Album rockt quasi ohne Verschnaufpause durchwegs nach vorne, wie es nur wenige Bands hinkriegen. Dank der abwechslungsreichen Einzelsongs wird der Trip auch nicht langweilig.

8/10 von mir. The Sword kann da auf jeden Fall einpacken. Ich hoffe auf eine Rezension hier!
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