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Underworld - Barking

Underworld- Barking

Vertigo / Universal
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Fuß im Rave

Zusammen ist man weniger allein. Das weiß jeder, der schon einmal eines der technoid beschallten Events besucht hat, für die sich in den Neunzigern der Begriff "Rave" etablierte. Zuckende Stroboskope, bebende Leiber, ekstatisches Gewusel überall. Fast wie auf dem Cover des sechsten Underworld-Albums, nachdem es schon vor knapp drei Jahren im Artwork von "Oblivion with bells" ziemlich drunter und drüber ging. Statt jedoch Zappelbuden zu frequentieren, haben sich Karl Hyde und Rick Smith für "Barking" Gesellschaft im Kollegenkreis gesucht: Mix-Sozius Darren Price, Trance-Spezialist Paul van Dyk sowie renommierte Namen aus Dubstep und Drum'n'Bass durften an die Konsolen, um den neuen Songs am Zeug zu flicken, auf dass sich nach dem eher behäbigen Vorgänger wieder mehr Menschen zeitgleich unter Laserkaskaden zu ihnen schütteln mögen. Wenn's weiter nichts ist.

Denn von der Neuerfindung von Tauchsieder oder Kuhglocke ist "Barking" glücklicherweise weit entfernt. Und es hat etwas rührend Verlässliches, wenn bei "Bird 1" tiefstes digitales Klopfen verzögert in Fahrt kommt, elektronischer Hochnebel aufzieht und Hyde hypnotisch über das Vögelchen näselt, das sich in sein Wohnzimmer verirrt hat. Die mit sieben Minuten für einen Underworld-Opener recht moderate Spielzeit verkürzt außerdem das Warten auf "Always loved a film", eine Euphorie-Injektion erster Güte, bei der die Filter auf und zu fliegen und über deren Refrain eine mantraartige Neonsonne strahlt. Vermutlich der beste Ohrwurm, den man mit nach Hause nehmen kann, wenn man eigentlich nur ein paar Beats kaufen gehen wollte.

Und da Hyde und Smith wissen, dass so etwas nach spätestens der dritten Variation auch nerven kann, bringen sie danach allmählich ihre Gäste aus den verschiedensten Ecken elektronischer Klangerzeugung ins Spiel, ohne selbst das Zepter zu sehr aus der Hand zu geben. Die entspannte Rhythmusspur, die Drum'n'Bass-Produzent High Contrast dem ausgezeichneten "Scribble" verpasst, konterkarieren sie mit einer zauberhaften kleinen Zwei-Finger-Melodie als springendem Punkt. "Between stars" dagegen stampft unter Mitarbeit von Live-Mitglied Price robust über eine geloopte Fläche und holt sich mit klug gesetzten Breaks genau die richtige Portion Dynamik ab.

Zwar wäre für einen Track wie "Hamburg hotel" keine Dubstep-Koryphäe nötig gewesen - diese bedeutungsschwangere, aber gepflegte Langeweile hätten Underworld auch ohne Appleblim sicher genauso hinbekommen. Gleiches gilt für van Dyks Auftritt bei "Diamond jigsaw": Die Beats pumpen straight, eine Gitarre lärmt ungewohnt vordergründig, und Hyde deklamiert in abgemildertem "Born slippy"-Modus Schlagworte wie "white trash" oder "premium tequila". Ein paar Schlüsselreize für die Lads müssen schließlich sein. Und während "Moon in water" charmant sinnfrei über die Gezeiten grübelt und "Louisiana" zu einem einsamen Piano seufzt, beschleicht einen das Gefühl, gerade eine Veranstaltung zu verlassen, die nicht mehr für die allerjüngsten Hüpfer gedacht ist. Doch alleine war man bestimmt nicht. Und zumindest ein Fuß hat heftig gezuckt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Bird 1
  • Scribble
  • Between stars

Tracklist

  1. Bird 1
  2. Always loved a film
  3. Scribble
  4. Hamburg hotel
  5. Grace
  6. Between stars
  7. Diamond jigsaw
  8. Moon in water
  9. Louisiana

Gesamtspielzeit: 53:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Der bellende Barkönig
2010-09-26 16:46:43 Uhr
Mir ist diese Musik einfach zu verdrogt.
Harald
2010-09-26 16:29:20 Uhr
Au weia, was soll das denn? Ich war ohnehin nie der Riesen-Underworld-Fan. Aber diese Trance-Soße mit umpta-umpta-Beats geht auf meinem Zettel gar nicht.
Ajosha
2010-09-24 13:05:40 Uhr
Ist ja auch dein gutes Recht ;-)

Ich habe auch nichts gegen eingängiges Material, Underworld's "Dubnobusswithmyheadman" war sehr eingängig und trotzdem kratzte es nicht an der "Ministry of sound" Tür. Die Tracks auf Barking gehen teilweise auch ganz gut los, dann driften sie für meinen Geschmack leider viel zu sehr in ein blubberndes, harmonieüberladenes Trancegewabbere ab. Gerade noch auf der Single "Downpipe"mit Ramirez und Knight haben sie alles richtig gemacht, das hier ist für mich einfach alles zu niedlich...
musie
2010-09-24 12:09:11 Uhr
find ich überhaupt nicht. das neue album ist wirkich recht eingängig, aber es müssen ja nicht alle einen auf flying lotus machen. dieses album zu einem sonnenuntergang mit guten kopfhörern ist ein genuss. ich bleib dabei, mein lieblingsalbum von underworld.
Ajosha
2010-09-24 10:44:50 Uhr
Underworld gehörten für mich eigentlich zu jener Bastion, die sich auf dem Gebiet elektronischer Tanzmusik noch nicht nach den Vorgaben der Großraumdisco richteten. An anderer Stelle meinte Karl Hyde zu Barking: “Wir mögen den alten Sound halt nicht mehr so, deshalb mussten wir uns weiterentwickeln”, das finde ich in diesem Zusammenhang schon etwas seltsam. Denn auf Barking hat sich Underworld für meinen Geschmack kein bisschen weiterentwickelt, sondern einfach etwas zusammen gerührt, das sich an dem hitparadentauglichen Einheitsbrei orientiert und zum Teil ja fast schon „David-Guetta-Luft“ atmet. Eigentlich schade, dass eine so innovative Truppe nun auch auf diesen Zug aufspringt und statt elektronischen Sound mit Tiefgang, Musik für den Fahrstuhl produziert. Kohle verdienen machen ist o.k. und verständlich, aber man hätte unter anderem Namen produzieren können, so hat sich für mich Underworld nämlich den eigenen gehörig angepatzt.
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