Tricky - Mixed race

Tricky- Mixed race

Domino / GoodToGo
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Flashbackpacker

Alles nur Spielerei und Illusion. Kein Grün, kein Rot, kein Blau. Stattdessen das Deklinieren aller Graustufen. Von dem Wolkenkratzer, der sich in der Regenpfütze im Schlagloch spiegelt, bis zu den Fassaden der Geschäfte, die Dinge verkaufen, die keiner braucht. War das Zwischenspiel von Tricky mit der South Rakkas Crew noch ein schwitzig Klops von Dancehall und seinen Trieben, kommt "Mixed race" direkt aus dem tiefsten Punkt der Stadt, von dort, wo die Straßen keine Namen haben. Tricky blickt nach "Knowle West boy" wieder zurück in seine Vergangenheit und herausgekommen ist eine schwere Platte, deren Tracks kaum die Drei-Minuten-Marke überschreiten mögen. Flashbacks über Erinnerungsarbeit. Das Flackern ätzt sich ins Hirn und bleibt da mit seinen scheintoten Beats hängen.

Der Groove von "Mixed race" ist knöchern und kaum zu beleben. "Every day" kommt als Opener nicht einmal richtig in Tritt, sondern zieht immer neue Gespenster auf. Erst "UK Jamaican" schmeißt sich ins Zeug und holt sich Terry Lynns "Kingston logic", das schon im Original the dark side of Daft Punks Technology mimte. Die Beats pusten den Dreck vom Asphalt auf und lassen diesen durch den Rhythmus taumeln. "Ghetto stars" taumelt durch ein paar Streicher und hat den Abgrund immer im Blick. Neben Tricky haben zu diesem Zeitpunkt sowohl Franky Riley als auch Terry Lynn ihre Töne in die Waagschale geworfen, doch es erzählt nur eine Stimme. Es ist die Stärke von "Mixed race", nie den Faden zu verlieren, aus dem die urbane Atmosphäre entsteht. Tricky hat die Beats simpel gelassen, und doch wiegt deren Tiefe schwer, wenn etwa die Spieluhr in "Murder weapon" vom Pistolenklicken vergessen gemacht wird und der tiefe Bass sich in seine Melodie steigert. Über allem schwebt jener nostalgische Geist, der sich das Pumpen von "Time to dance" gefallen lässt, aber den Zerfall schon in sich trägt. Die Tracks von "Mixed race" sind flüchtig und schmenenhaft, deep und doch verbittert ungeduldig. "I don't feel / No really real."

Auch der verstörende Gastauftritt von Hakim Hamadouche und die Stimme von Primal Scream-Sänger Bobby Gillespie treten nicht hervor aus diesem grauen Loch, das sich Vergangenheit schimpft. Nichts brennt hier, jede Flamme ist längst erloschen unter dem abgefuckten Understatement, mit dem diese Platte rasselt. Es ist kein Blick zurück in Wut, aber auch nicht in Freude. Ein abgeklärtes Absaufen im Strudel der Fetzen. Es gibt nichts, was Tricky hier nicht schultern und in den Kosmos von "Mixed race" einbinden könnte. Doch alles ist fragiler, als es das jemals nach außen hin zugeben würde. Die Flüchtigkeit wird zur eigenen Falle, die manches zu schnell wieder verdrängen mag. Am Ende zerschlägt sich das Luftschloss in nicht einmal dreißig Minuten selbst. Die astreine Illusion, die nie ganz aufgelöst werden kann. Past, Present, Perfect.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • UK Jamaican
  • Ghetto stars
  • Time to dance

Tracklist

  1. Every day
  2. UK Jamaican
  3. Early bird
  4. Ghetto stars
  5. Hakim
  6. Come to me
  7. Murder weapon
  8. Time to dance
  9. Really real
  10. Bristol to London

Gesamtspielzeit: 29:25 min.

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