Santana - Guitar heaven: the greatest guitar classics of all time

Santana- Guitar heaven: the greatest guitar classics of all time

Arista / Sony
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die Santanischen Verse

Franz Kafka hat eines. Google ebenfalls. Und Carlos Santana hat es sich spätestens jetzt auch verdient: das nach ihm benannte Wort. In seinem Fall wäre es das Verb "santanern", das in erster Linie "harmlose Rockmusik mit pseudo-souligem Latin-Vibe zugniedeln" bedeutet, im größeren Zusammenhang aber generell als eine mit der typischen Hybris einhergehende Gitarristen-Egomanie verstanden werden kann. Damit ist gar nicht in erster Linie der titanische Titel "Guitar heaven: the greatest guitar classics of all time" gemeint, schließlich sind hier tatsächlich nur die Größten der Großen unter den Gitarrenschwingern alter Schule mit einigen ihrer prototypischsten Stücke vertreten. Auch der Gedanke, diese Klassiker würdigen, kompilieren oder covern zu wollen, ist an sich nicht verwerflich.

Santana aber santanert. Schart eine Handvoll williger Gastsänger aus Radiorock und Independent um sich und zettelt mitten im Gitarrenhimmel ein zweites "Supernatural" an. Als hätte ein "Can't you hear me knocking" von den Rolling Stones nur darauf gewartet, drei lange Outro-Minuten von des Meisters Gitarre lateinamerikanisiert zu werden. Denn der spielt über jeden Song seine endlosen Solo-Licks, als gelte es, jede ihrer Poren zu stopfen. Kein bisschen Respekt vor den ausnahmslos tollen Originalen spürt man da und wird stattdessen Zeuge einer rücksichtslosen musikalischen Kolonisierung. Die zwischen bemüht und ahnungslos schwankenden Gesangsbeiträge der Erfüllungsgehilfen und die hochglänzende Pop-Produktion tun ihr übriges, die Stücke in seelenlose Formatradio-Zombies zu verwandeln.

Während Led Zeppelins "Whole lotta love" abseits von Santanas Solo-Eskapaden und trotz fehlender Magie im Schlagzeugsolo mit einem motivierten Chris Cornell am Mikrofon noch einigermaßen gut wegkommt, ergeht es anderen Songs übel: "While my guitar gently weeps" etwa kippt nach dem Intro in einen Schmachtfetzen zwischen Black-Music-Party, Falcos "Jeanny" und einer käsigen Mariah-Carey-Ballade. AC/DCs tödliches Intro-Riff von "Back in black" wird dann schon gar nicht mehr richtig bemüht, bevor Nas zu Bongo-Beat und Zerr-Synthies die kläglich zuckenden Songreste zerrappt und weibliche Backingvocals Brian Johnsons Platz einnehmen. Gegen solche Tiefschläge wirken die öde Popschnulzigkeit von Def Leppards "Photograph" mit Chris Daughtry oder die traditionelle Sologitarren-Startbasis "Smoke on the water" beinahe akzeptabel.

Man könnte noch spekulieren, was den Doors-Organisten Ray Manzarek dazu getrieben haben mag, beim Recycling von "Riders on the storm" selbst in die Tasten zu greifen. Schließlich klingt diese Platte so, als hätte der Latin-Rock-Erfinder ein typisches Ehrerbietungsevent für eine Dinosaurierband gekapert. Nichts gegen den Santana, der einst mit Alben wie "Abraxas" oder "Welcome" einen wichtigen Beitrag zum Erbe der Gitarrenmusik leistete - wenn er sich auf seine Art im Woodstock-Gipfeltreffen "Little wing" mit Joe Cocker am Mikro den Qualitäten seines Kollegen Jimi Hendrix annähert, fühlt man sich sogar zwangsläufig an ihn erinnert. Wer diese Erinnerung so schnell wie möglich tilgen möchte, erwirbt die Limited Edition des Albums: Als ersten Bonustrack verbricht Santana dort mit Hilfe von Scott Stapp eine derart ignorante, selbstzufriedene Version von Creedence Clearwater Revivals "Fortunate son", dass sich einem endgültig die Zehennägel hochrollen. Mit diesem Album erscheinen bisherige Angst-Träume wie "Santana plays Bach" plötzlich bedrohlich real.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Whole lotta love (feat. Chris Cornell)

Tracklist

  1. Whole lotta love (feat. Chris Cornell)
  2. Can't you hear me knocking (feat. Scott Weiland)
  3. Sunshine of your love (feat. Rob Thomas)
  4. While my guitar gently weeps (feat. India.Arie & Yo-Yo Ma)
  5. Photograph (feat. Chris Daughtry)
  6. Back in black (feat. Nas)
  7. Riders on the storm (feat. Chester Bennington & Ray Manzarek)
  8. Smoke on the water (feat. Jacoby Shaddix)
  9. Dance the night away (feat. Pat Monahan)
  10. Bang a gong (feat. Gavin Rossdale)
  11. Little wing (feat. Joe Cocker)
  12. I ain't superstitious (feat. Jonny Lang)

Gesamtspielzeit: 55:00 min.

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