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Juli - In love

Juli- In love

Island / Universal
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein schwerer Schritt

Dunkel ist es geworden. Die Band Juli hat die Vorhänge zugezogen. Pause gamacht. Tief Luft geholt. Und sich dann irgendwann auf leisen Sohlen ins Studio geschlichen. Dabei hatte das hessische Quartett genug von den einfallslosen Silbermond-Vergleichen und nahm sich eine musikalische Neuerfindung vor. Die ersten Fetzen der neuen Songs drangen bald an die Öffentlichkeit, und die Überraschung war groß: Elektronik hielt Einzug, nervöses The-Notwist-Knistern sorgte für helle Aufregung, und die Band sprach von großer Experimentierfreude. "In love" heißt das dritte Album der Platindekorierten. Auch das ist dunkel geworden. Trotz seines Titels.

Es sind keine elektronischen Elemente, die "In love" schmücken. Es handelt sich vielmehr um eine elektronische Platte, die von einer Rockband konzipiert wurde. Die Gitarren sind selten als Gitarren zu erkennen, das Schlagzeug ist eher Beatmaschine, der Bass ein pulsierender Muskel, die Grundstimmung tendiert gegen depressiv bis schwer. Während man noch überlegt, ob sich die Band damit verhebt, zieht einem der Noise-Brocken in "Eisenherz" schon die Schuhe aus. Juli, mit "Perfekte Welle" noch sommerliche Luftikusse, sind endgültig im künstlerischen Bereich angekommen.

Das Problem ist hier die Single: "Elektrisches Gefühl" mag sich so gar nicht in die Platte einfügen. Es ist der optimistische Ausflug, mit einer immer wiederkehrenden Hookline, die sich einbrennt und gehörig nervt. Man weiß zwar, warum dieser Song die Mitte markiert und die Band so etwas wohl oder übel aufs Album packen muss - mit guter Musik aber hat das nichts zu tun. Das gleich darauf folgende "Ich bin in love (Paris)" schon eher - ein ganz wunderbarer, zarter, unkonventioneller Song, den man in dieser Form vielleicht von Naked Lunch erwartet hätte, nicht aber von Juli. Chapeau!

Es ist bemerkenswert, wie sehr die Band an ihrem Sound gedreht hat, wie sehr sie versucht, sich aus der Radiofalle zu hangeln. Es gelingt. Und das nicht nur mit ein, zwei Songs, sondern beinahe mit dem ganzen Album. Das pluckernde, traumatisierende "Seenot" schließt die Platte so düster und gespenstisch ab, dass man die Gänsehaut erst noch vertreiben muss, bevor man realisiert, dass man hier tatsächlich eine vermeintlich festgefahrene, belanglose Radioband gehört hat. Fast alles hier ist schwer, teilweise sogar zentnerschwer. Schwer für Silbermond: Jetzt stehen sie alleine da.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Eisenherz
  • Ich bin in love (Paris)
  • Seenot

Tracklist

  1. Immer wenn es dunkel wird
  2. Süchtig
  3. Eisenherz
  4. Woanders zu Hause
  5. Mit verbundenen Augen
  6. Elektrisches Gefühl
  7. Ich bin in love (Paris)
  8. Du lügst so schön
  9. Maschinen
  10. Jessica
  11. Die Sterne fallen
  12. Seenot

Gesamtspielzeit: 48:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 11333

Registriert seit 26.02.2016

2025-08-18 13:19:59 Uhr
Und auch immer noch gutes Album.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 36703

Registriert seit 07.06.2013

2025-08-18 11:20:01 Uhr
Oh ja. Toller Song.

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 4362

Registriert seit 12.12.2013

2025-08-18 10:49:45 Uhr
"Eisenherz" ragt so heraus. Schade, dass die Band nicht mehr in dem Stil gemacht hat.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 11791

Registriert seit 23.07.2014

2023-06-21 22:50:30 Uhr
Musikalisch gefällt mir das weitestgehend überraschend echt gut. Ich wünschte nur, die Texte wären etwas besser oder zumindest abstrakter.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 36703

Registriert seit 07.06.2013

2014-09-26 19:05:49 Uhr
Bin auch mal auf das neue Album gespannt. Denke allerdings, es wird eher reduzierter im Sound.
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