Junip - Fields

Junip- Fields

City Slang / Universal
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Längst überfällig

Zwölf Jahre Schwangerschaft, wer will das schon? Junip anscheinend. Denn so lange hat es letztendlich bis zur Entbindung vom liebgewonnenen Kleinen namens "Fields" gedauert. Zugegeben nicht ganz freiwillig. Zwischendurch schwang sich Frontmann José González kurzerhand mit zwei Soloalben und der hinreißend intimen Coverversion von The Knifes "Heartbeat" zu Weltruhm auf. Junip existiert also bereits seit 1998, aber erst heute im Jahr 2010 ist es den drei Herren aus Schweden endlich gelungen, die Zeit zu finden, um die vielen Ideen, Schnipsel und Skizzen in Form und auf Platte zu bringen. "Fields" ist ein prächtiges, aber mitunter ganz schön renitentes Bürschchen geworden.

Solo ist José González ja eher für das Herz und weniger für den Kopf zuständig. Bei Junip verhält es sich genau andersherum. Denn anstatt González' Erfolg als Singer/Songwriter zur Grundlage zu nehmen und auszuquetschen, gehen die Schweden lieber den beschwerlichen Weg. González' Stimme zielt natürlich immer noch auf Mark und Bein, wie das wunderschön warme "Don't let it pass" belegt. Durch die Kopplung an den verkopften und schweren Sound wird aber auch die Stimme auf eine andere Ebene gehoben, die eben nicht immer so leicht zu verdauen ist. Junips Erstling ist nämlich überwiegend experimenteller Space-Folk mit einer gehörigen Portion Krautrock sowie einem Schuss Electro. Und der Folk ist dabei selten einfach zu finden.

Die geradlinigeren Stücke wie "Off point", das verspielte "It's alright" oder der Opener "In every direction", die fast schon so etwas wie Pop sind und am ehesten an González' Soloalben erinnern, lockern die schwermütige Stimmung zum richtigen Zeitpunkt auf und schmeißen einen Teil des Ballasts einfach über Bord. Aber keine Angst, so etwas wie exzessive Lebensfreude mag trotz allem nicht aufkommen. Dafür ist die Trübsal und Schwere der düsteren Stücke "Without you" oder "To the grain" einfach zu mächtig. Trotz dieser Tristesse, die Junips Songs so oft umflattert, gewinnt am Ende nichtsdestotrotz immer die Zuversicht, dass alles auch wieder ins Lot kommen kann.

Junips Klangkosmos, der sich zwar klein anhört, dabei aber ungemein weit ausholt, verstrickt sich zur Mitte von "Fields" ein kleines bisschen in seiner eigenen Homogenität. Auch wenn die Songs nicht allzu lang sind, wirken sie trotzdem beizeiten so, als würden sie einfach nicht zum Ende kommen. Die repetitiven Melodien kreisen und kreisen und scheinen manchmal gar nicht zu wissen, warum sie dies eigentlich tun, und wohin das Ganze führen soll. "Fields" wirkt dann zwar herrlich entspannt und veträumt, an wenigen Stellen aber auch etwas langatmig. Und bis "Tide" das Album ganz am Ende doch noch einmal zu Höherem aufschwingen lässt und so etwas wie einen Gewaltausbruch provoziert, ist eine ganz schöne Portion Geduld gefragt. Für die zwölf Jahre Schwangerschaft belohnen sich Junip trotz allem nicht nur selbst, sondern auch den Hörer. Also ein Hoch auf den Kleinen. Er ist zwar nur selten knuddelig süß. Dafür aber umso gehaltvoller.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • In every direction
  • Don't let it pass
  • Off point
  • Tide

Tracklist

  1. In every direction
  2. Always
  3. Rope & summit
  4. Without you
  5. It's alright
  6. Howl
  7. Sweet & bitter
  8. Don't let it pass
  9. Off point
  10. To the grain
  11. Tide

Gesamtspielzeit: 46:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gorenje
2011-03-24 20:57:19 Uhr
Schönet Ding. "In every direction" hat sich zu einer Art Ohrwurm entwickelt.
Travis Schmitt
2011-01-16 16:39:53 Uhr
noch mehr Hörer hier außer mir?
Snipje
2010-12-15 21:57:14 Uhr
Ja, sehr schön. Sehr schönes Album. Macht richtig Spaß. Habe die Deluxe Version. Die ist wohl noch ein wenig länger.
e. coli
2010-11-29 19:38:14 Uhr
"Rope & Summit" sowie "Far Away" sind wundervoll ...
Heulender Vogel
2010-11-03 20:34:09 Uhr
eher mittelmäßig.

schade, ich mag josés stimme ja eigentlich sehr gerne.
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