The Tea Party - The interzone mantras

The Tea Party- The interzone mantras

EMI
VÖ: 26.11.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sieben Tage in Tibet

Einmal mehr bitten Kanadas progressivste Esoteriker zum Tee. Statt Kandis und Keksen reichen The Tea Party aber auch auf ihrem insgesamt siebten Album lieber gesunde Portionen Pathos und Mystik. Exotische Gewürze wie Tablas, Samples und sonstige stilistische Ausritte, die auf früheren Alben den speziellen Reiz des Dreiers ausgemacht hatten, dürfen nur noch im Hintergrund herumduften. Das Klangbild trägt jetzt Lederhosen, die allerdings nicht eng genug sind, um Martins charismatisches Organ in Eunuchen-Höhen zu quetschen. Aber auch Tenöre können bekanntlich Hymnen schmettern.

Eine solche macht auf "The interzone mantras" denn auch schon frühzeitig darauf aufmerksam, daß die Tea Party nicht nur Led Zeppelin, die Doors und einen guten Schwung - selbstverständlich anspruchsvoller - Literatur unter einen Hut bringen kann, sondern auch den einen oder anderen Ohrwurm abwirft. Von Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin" beeinflußt, bei der ein Engel den Himmel verläßt, um Gefühle erleben zu können, fragt sich in "Angels" ein zum Sterblichen gewordener Engel "Where's my angels? / I'm a naked soul". Diese Melodie strebt auch ohne Flügel zum Himmel.

Der Opener "Interzone" wird von nervösen Bläsern angetrieben und wirft nebenbei einen kritischen Blick auf den Zusammenstoß verschiedener Kulturen. Mit Blick auf die Vorgänge in Nahost und Mittelasien bekommen die Zeilen "God is dead / The devil raised us all" einen beklemmenden Charakter. Die Single "Lullaby" wartet mit ähnlich verstörenden Klängen auf. Martin beschwört in diesem abseitigen Schlaflied zu einem düster dräuenden Riff den Gott der Opiate: "Sleeping tonight / Safe in the arms of Morpheus." Ähnlich eindringlich geriet "Soulbreaking", in dem Martin einen Brief einer Sechzehnjährigen verarbeitet, die ihm offenbarte, von ihrem Vater sexuell mißbraucht zu werden. Dennoch flieht sie nicht aus dem heimatlichen Käfig, weil sie darauf vertraut, daß das Schicksal ihr eines Tages die Hand reichen wird.

Was textlich für Gänsehaut sorgt, findet aber leider nicht immer ein angemessenes musikalisches Gegenstück. Obwohl sich Martin alle Mühe gibt, zwischen den düsteren Anfang und die abschließenden tibetanischen Gesänge Botschaften, Gefühle und vor allem jede Menge Eindringlichkeit zu legen, flaut der anfängliche Wind dennoch schnell ab. Die mitunter überladenen Arrangements von "TRIPtych" haben die Kanadier zwar größtenteils hinter sich gelassen, aber dennoch kommt zu selten wirkliche Atmosphäre auf. Da säuselt der Chor, da zwitschert die Sitar, und Martin gibt mittendrin zu: "I'm not that strong / And I'm walking wounded". Doch niemand erbarmt sich, seine Wunden zu lecken. Wem nutzen all die Anspielungen an William S. Burroughs, Michail Afanasiewich Bulgakow, Alistair Crowley und Friedrich Nietzsche, wenn sich die Musik von der lyrischen Verspieltheit die Butter vom Brot nehmen läßt? "I never wanted to be a simple man", bekennt Martin. Das hört man.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Angels

Tracklist

  1. Interzone
  2. Angels
  3. The master & Margarita
  4. Apathy
  5. Soulbreaking
  6. Lullaby
  7. Must must
  8. Walking wounded
  9. White water siren
  10. Cathartik
  11. Dust to gold
  12. Requiem
  13. Mantra

Gesamtspielzeit: 61:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
captain kidd
2004-07-20 21:33:31 Uhr
die haben schon lange nichts mehr zu sagen. die ersten beiden alben waren ganz nett. aber dann...
svenja
2004-07-20 20:19:48 Uhr
+++ Nachdem die Plattenfirmen bereits angekündigt hatten, sich aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage nicht nur von Mitarbeitern, sondern auch von Künstlern trennen zu müssen, hat es nun The Tea Party erwischt, die ihren Vertrag mit 'EMI-Europe' verloren haben. Das bereits fertig produzierte Album "Seven Circles" wird demnach in Europa auf einem anderen Label veröffentlicht werden. Welches das sein wird, ist derzeit noch unklar.

www.visions.de
Informatic
2004-07-20 17:30:27 Uhr
Schöne Scheibe!
Gefällt mir ausgesprochen gut!
Also nach erstmaligen Hören (kenne sonst keine CD's von der Combo) würde ich eine 7/10 geben.

Es ist fast zum Kotzen, da gibt es sehr gute kanadische Rockbands wie zum Beispiel Big Wreck und The Tea Party und hierzulande sind sie mangles Promotion, unzureichenden Vertriebswegen und Desinteresse der großen Musiksender kaum bekannt.

Ist von The Tea Party bald was neues geplant?
k.
2003-01-02 01:56:42 Uhr
in meinen augen ist das album genau der frische wind, den die band nach dem schwächeren "triptych" gebraucht hat. geschmäcker sind verschieden, von daher braucht man auch nicht großartig weiter drüber diskutieren, doch meiner (bescheidenen) meinung nach sind viele deiner äußerungen im zusammenhang mit "the interzone mantras" schlichtweg unangebracht. klar, ein besseres "edges of twilight" hat wohl niemand ernsthaft erwartet, aber "the interzone mantras" bietet mir persönlich als tea party-fan (und da war ich ja nicht der einzige) eigentlich genau das, was ich hören will. aber gut: bei leuten, die "walking wounded" dermaßen kalt lassen, wundert mich nix ;-)
Oliver Ding
2003-01-01 23:05:53 Uhr
Inwiefern ist die Äußerung der durch intensive Außeinanderetzung mit der Scheibe gefaßte Meinung übertrieben? "The interzone mantras" ist leider nur noch ein müder Aufguß. An die einstige Genialität kommen The Tea Party nur noch in seltenen Momenten heran. Das reicht nun wirklich nicht für eine bessere Bewertung.
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