Ben Folds / Nick Hornby - Lonely avenue

Ben Folds / Nick Hornby- Lonely avenue

Nonesuch / Warner
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das wahre Leben

Das ist mutig. Der Mann, der das Stöbern in Plattenläden zur Lebensaufgabe stilisierte, der schlechte Platten von geliebten Künstlern als persönliche Beleidigung empfand und der das chronologisch geordnete Tonträger-Regal zum besten Freund erkor, mischt nun mit im Geschäft. Nick Hornby, der das popmusikalische Nerdtum gesellschaftsfähig machte, hat mit Kumpel Ben Folds ein Album aufgenommen, das "Lonley avenue" heißt. Das Vorhaben ist natürlich riskant, denn hier stehen mehr als nur Namen auf dem Spiel: Eine ganze Generation könnte den Mann, der für ihre gesellschaftliche Stellung focht, als bedeutungslosen Wichtigtuer identifizieren.

Eine weiche Landung wäre aber vorprogrammiert, schließlich spannte Ben Folds den Fallschirm. Hornby, zuständig für Texte und Arrangement-Hilfestellungen konnte sich zurücklehnen und abwarten. Und ab und an motivieren: "A 'Suspicious minds' for the wireless generation!" Die lyrischen Vorlagen verwandelte Folds in ein beschwingtes, gutgelauntes und sehr leichtes Popalbum. Man hört die Beatles heraus, die Pflichtkür für Folds und Hornby. Man hört eine Menge Soul, viele Instrumente und eine grandios eingespielte Band. "Lonely avenue" ist sehr charmant, zitierfreudig und sitzt wie ein nettes Lächeln.

Am schönsten ist das Album am Schluss, in "Belinda", wenn sich Folds die "Abbey Road" vorknöpft und den Basslauf von "Something" entführt. Verdient ist dieser verschmitzte Abgang allemal, obwohl man die Platte wenige Minuten zuvor wegen des aufgeladenen und überdrehten "Saskia Hamilton" gerne aus dem Fenster geschmissen hätte. Ein Song, der sich in seinem Rocky-Horror-Picture-Sumpf verliert. Zart und einfühlsam geht aber auch: Das schwelgende, schwere "Picture window", getragen von Piano und Phil-Spector-Streichern ist genau der Song, den der trauernde Hugh Grant hört, während seine Filmpartnerin (aufgrund seiner mangelnden Kommunikationskompetenz) bei einem anderen Filmpartner einzieht.

Und die Texte? Beziehungen gehen in die Brüche, die Kinder haben Pech im Leben, einem One-Hit-Wonder gelingt kein guter Song. Die Themen kennt man aus "High fidelity", aus "About a boy", aus "A long way down", und sie sind dennoch so charmant, nett und witzig, dass man immer wieder gerne zuhört. Folds, der sich so sehr in die Texte einfühlt, wie sonst nur, ja, Hugh Grant, nimmt man den ironischen Blick aufs gemarterte Seelenleben ab. Und mit etwas Phantasie kann man sich sogar vorstellen, wie ein gesamter Plattenladen bei den ersten Takten von "Levi Johnston's blues" verstummt. Rob, Dick und Berry würden anerkennend nicken und die CD sogar verkaufen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Picture window
  • Levi Johnston's blues
  • Claire's ninth
  • Belinda

Tracklist

  1. A working day
  2. Picture window
  3. Levi Johnston's blues
  4. Doc Pomus
  5. Your dogs
  6. Practical Amanda
  7. Claire's ninth
  8. Password
  9. From above
  10. Saskia Hamilton
  11. Belinda

Gesamtspielzeit: 45:33 min.

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