Filter - The trouble with angels

Filter- The trouble with angels

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heute hinterm Mond

Wie allgemein bekannt ist, war früher ja alles besser. Da das auch Richard Patrick weiß und er mittlerweile gemerkt hat, dass "Anthems for the damned" nicht grad das Gelbe vom Ei war, will er kurzerhand mit Filters fünftem Studioalbum die guten alten Zeiten heraufbeschwören. Dass das allerdings nicht ganz so einfach ist, wie Patrick sich das gedacht hat, belegt "The trouble with angels" mehr oder weniger eindrucksvoll. Denn die Qualität vieler Songs lässt stellenweise arg zu wünschen übrig, und das Gefälle zwischen ihnen ist mitunter enorm.

Für das Cover von "The trouble with angels" hat sich Patrick beim Design von "Short bus" und "Title of record" bedient, jenen zwei Alben, die Filter zunächst zurecht ganz nach oben katapultierten. Und auch musikalisch springt er zu Beginn zurück in die ersten Jahre. Das Dreierpack aus "The inevitable relapse", "Drug boy" und "Absentee father" bratzt erst einmal alles weg, was Widerworte erheben möchte, ohne dabei allzu plump zu wirken. Genau wie früher, als Patrick es noch schaffte, seine damals im Grunde schon tumben Lyrics so kunstvoll einzutüten, dass man überhaupt nicht merkte, wie fad doch das war, was sich hinter der innovativen Verpackung verbarg. Oder anders ausgedrückt: Die ersten drei Songs sind einfach richtig schöner amerikanischer, breitbeiniger Auf-die-Fresse-Neunziger-Industrial-Rock mit einer Prise Metal und Elektronik. Patrick scheint sich wieder gefunden zu haben.

Denkt man erleichtert, bevor einem dann doch wieder der Muff der letzten zehn Filter-Jahre um die Nase weht und Patrick ganz dringend ungemein bedeutungsschwanger und emotional über Religion und Waffen dahersalbadert. Das rauscht im besten Fall und größtenteils einfach so vorbei, ohne dass die Songs überhaupt auffallen. Wären da nicht einige neue Tiefpunkte der Bandgeschichte, die sogar den schlimmsten Momenten von "Anthems for the damned" Konkurrenz machen: "Down with me" und das an "Take a picture" erinnernde "Fades like a photograph" entpuppen sich als plattester Radio-Mainstream-Rock, der so heftig mit dem Airplay-Fähnchen wedelt, dass es schon fast peinlich ist.

Den Vogel beziehungsweise Engel schießt jedoch der Titelsong ab, der mit Zeilen wie "Did you hear the one about Heaven? / There is a guy running the sky" wirklich alles unterbietet, was Patrick in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat. Es ist nämlich nicht nur unglaublich kritisch, total persönlich und natürlich ungemein wichtig, dass jemand wie er endlich mal sagt, was Sache ist - sondern auch abgrundtief stumpf. Schade, wenn man bedenkt, dass in Patrick anscheinend trotz allem immer noch ein wenig Kreativität brodelt, wie die ersten drei Songs dieses Albums letztendlich überraschend zeigen. Früher war eben tatsächlich alles besser. Vor allem bei Filter.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • The inevitable relapse
  • Drug boy
  • Absentee father

Tracklist

  1. The inevitable relapse
  2. Drug boy
  3. Absentee father
  4. No love
  5. Fades like a photograph (Dead angel)
  6. Down with me
  7. Catch a falling knife
  8. The trouble with angels
  9. Clouds
  10. No re-entry

Gesamtspielzeit: 40:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Vorschlagender
2011-02-08 11:56:05 Uhr

Hör Dir doch mal NO LOVE an gibts unkompliziert bei youtube anzusehen
Musst Dir im Video mal Patricks Gesicht genau angucken :-) ...'kinskiesk'!
The MACHINA of God
2011-02-08 10:05:13 Uhr
Am geilsten sind Filter eh wenn's auf's Maul gibt. Sowas wie "Captain Bligh" oder "So i quit" rockt eninfach alles nieder. Und dann halt so Dampfwalzen wie "Skinny", "Cancer", etc... die letzten beiden hab ich mir aber gar nicht mehr angehört.
sushi Q
2011-02-08 08:21:34 Uhr
heut morgen im Auto hab ich Captain Bligh gehört und danach gleich No Love auf meiner self-compilation *lol*
sooooooo geil als ob keine Zeit dazwischen liegt
Kurt
2011-02-04 13:09:10 Uhr
Was ich nicht schlecht fände, denn die 90er waren einfach geil!
sushi Q
2011-02-04 12:53:11 Uhr
äalo ich find fades like a photograph echt gut toller Song vonwegen Radioairplayanbiederns
die spielen sowas doch sowieso nie.
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