Weezer - Hurley

Weezer- Hurley

Epitaph / Indigo
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

4 8 15 16 23 42

Hugo Reyes ist Passagier des Fluges 815 der Oceanic-Maschine von Sydney nach Los Angeles. Das Flugzeug stürzt ab, nur wenige Reisende überleben. Hugo ist glücklicherweise einer von ihnen. Sein ganzes Leben wurde er auf Grund seiner üppigen Statur und seiner Tollpatschigkeit belächelt, bis er eines Tages einen großen Lotto-Jackpot knackte. Doch statt damit glücklich zu werden, verfolgte ihn seither das Unglück. Geliebte Menschen kommen ums Leben, Gebäude werden von Meteoriten zerstört, unschöne Sachen eben: Er scheint verflucht. Glücklicherweise ist Hugo nur ein fiktionaler Charakter der US-Serie "Lost", wird von allen liebevoll "Hurley" genannt und scheint auch auf Rivers Cuomo großen Eindruck hinterlassen zu haben. So ziert er nicht nur das Cover der achten Weezer-Platte, nein, diese trägt nun auch dessen Namen. Nerd und Nerd gesellt sich gern.

Die traurige Nachricht für alle Lost-Anhänger: "Hurley" ist kein Konzept-Album über die geheimnisvolle Insel und die dort erlebbaren Mysterien. Die Platte beginnt viel eher mit einer fragwürdigen Klamauknummer. In "Memories" erzählt Cuomo Zoten aus dem früheren Tourleben mit Weezer: "Pissing in plastic cups, before we went on stage / Playing hacky sack, back when Audioslave were still Rage / Watching all the freaky Dutch kids vomit, then have sex." Das kann man nun entweder lustig, peinlich oder traurig finden, aber solange die Bratgitarre die Ohrmuschel weichmassiert, scheint für Weezer keine lyrische Nichtigkeit zu doof. Auch das folgende "Ruling me" schüttet großzügig Wasser auf die Mühlen derer, für die Weezer nach "Pinkerton" nur noch Quatschrock machten. Bevor man "Hurley" jedoch voreilig neben dem ultrapeinlichen "Raditude", dem dümmlichen "Make believe" oder dem breitbeinigen roten Album in den Giftschrank stellt, sollte man die LP zu Ende hören.

Auf "Hurley" befinden sich nämlich einige der besten Stücke der jüngeren Weezer-Historie: "Unspoken" ist eine sanfte Außenseiterhymne, die sich nach und nach zu einem bratzigen Riffrocker entwickelt. Das konnten Weezer immer schon besonders gut. Auch "Run away" beginnt ruhig, bevor Cuomo die verhängnislose Frage "Is it us, making love in the milky way?" stellt und das so charmant wie nerdig rüberkommt. Weezer retten die Welt - mit phrasenschweinwürdigen Salven. Flucht aus dem Alltag ist erneut ein wichtiges Motiv in Cuomos Songs, wie damals schon bei "Island in the sun". Auch die Bonustracks wissen zu gefallen: "All my friends are insects" besticht in seinen knappen zwei Minuten mit höchst-infantilem Humor, Sixties-Flair und witzigen Einfällen. "Viva la vida" ist hingegen selbstverständlich ein todernstes Coldplay-Cover. Hier zeigt Cuomo parodistisches Talent.

Das achte Weezer-Album weist also einige Ähnlichkeiten zu Hugo Reyes auf: In das ein oder andere Fettnäpfchen - man höre das maximal öde "Brave new world" - wird mit Anlauf gesprungen. Nicht immer läuft alles glatt, doch in vielen Momenten offenbart sich der wahre, gute, schöne Kern, der so liebevoll und schief gewickelt wirkt. Mit "Hurley" knacken Weezer nicht den Jackpot, so viel steht fest. Doch dass so ein Sechser im Lotto nicht immer zu bejubeln ist, davon weiß Hugo Reyes ein Lied zu singen.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Trainwrecks
  • Unspoken
  • Run away

Tracklist

  1. Memories
  2. Ruling me
  3. Trainwrecks
  4. Unspoken
  5. Where's my sex?
  6. Run away
  7. Hang on
  8. Smart girls
  9. Brave new world
  10. Time flies
  11. All my friends are insects
  12. Viva la vida
  13. I want to be something
  14. Represent

Gesamtspielzeit: 47:05 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 9403

Registriert seit 07.06.2013

2018-02-14 15:33:32 Uhr
Nö. Find ich ok. Jetzt mal vom Text abgesehen.

Felix H

Postings: 2709

Registriert seit 26.02.2016

2018-02-14 15:21:45 Uhr
"Where's My Sex" zählt für mich definitiv als Ausfall.

The MACHINA of God

Postings: 9403

Registriert seit 07.06.2013

2018-02-14 14:54:06 Uhr
Kann man eigentlich echt machen. Macht deutlich mehr richtg als der Vorgänger, hat aber kein zweites "If you want me to". Durchweg aber ohne Ausfälle und mit einigen schmissigen Weezer-Hits. Geilste Stelle: Der Ausbruch in "Unspoken". 7,4/10

2010-11-01 20:26:15 Uhr
yeah jackass 3d
alex
2010-10-13 09:00:19 Uhr
Ok, ich werde mich dann wohl mal dransetzen.

danke für den hinweis..:)
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