Cypress Hill - Stoned raiders

Cypress Hill- Stoned raiders

Columbia / Sony
VÖ: 03.12.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Because they got high

Bei einem Blick auf die derzeitige Top Ten der Singlecharts muß man sich die Haare raufen. Pop-Sternchen Sarah Connor steht mit ihrem altmodischen Liebesbrief "From Sarah with love" nämlich auf verlorenem Posten. Romantik und Gefühle interessieren heutzutage einfach nicht mehr, es geht nur noch um eines: high werden. Enya ist schon so zugedröhnt, daß sie jegliches Zeitgefühl verloren hat, Latino-Junkie Enrique Iglesias verwechselt "Hero" mit Heroin, Kylie Minogue kriegt das Zeug sowieso nicht mehr aus ihrem Kopf, und Afroman entschuldigt sich für seine schlechte Musik mit "Because I got high". Kult-Blödler Stefan Raab darf da natürlich auch nicht fehlen. "Wir kiffen" heißt das Motto, und man fragt sich, woher diese bedenkliche Entwicklung kommt. Ist vielleicht eine Band namens Cypress Hill schuld daran? Sind Afroman & Co. womöglich Brüder von DJ Muggs, B-Real, Sen Dog und Bobo, die mit ihrer Musik im Zeichen des Joints seit Jahren weltweit Erfolge feiern?

Unter diesen Umständen stehen die Sterne für deren neuesten Output günstig, denn auch auf "Stoned raiders" dreht sich alles ums Weed. Kiffen ist halt immer noch das Lieblingshobby der Jungs, und auch sonst werden sämtliche Gangstarap-Standards von Chicks and Dicks breit getreten. Im vernebelten "L.I.F.E." werden Cypress Hill dann aber auch mal politisch und fordern tabulos - man höre und staune - die Legalisierung von Drogen. Wow! "Legalize it / Cypress Hill would advertise it" heißt der Schlachtruf, der anno 2001 natürlich so revolutiönar klingt wie "Make love, not war". Auch musikalisch bleibt sich die Rap-Crew aus L.A. treu. Dicke Beats und flotte Rhymes gibt's en masse. Spannend ist das trotz hochkarätiger Guest-MCs wie Kurupt oder die Wu-Tang-Member Redman und Method Man aber nur bedingt. Zwischen den verrauschten Tracks findet sich nur selten ein "Highlight". Der satt groovende Opener "Trouble", bei dem Cypress Hill von Fear Factory unterstützt werden ,oder das catchy "Kronologik" sind da echte Ausnahmen.

Anders als beim schwachen Vorgänger "Skulls & bones" setzen DJ Muggs & Co. diesmal nicht auf eine strikte Trennung zwischen Hip Hop und Crossover per Doppel-CD. Stattdessen leben Kreuzüber und Rap in Einklang nebeneinander, als wollten Cypress Hill die zwei Herzen, die in ihrer Brust schlagen, endgültig vereinen. Ein Glück, daß die Hip-Hop-Tracks überwiegen, sonst würde den Jungs Herzinfarkt drohen. Wenn in Songs wie "Amplified" oder "Catastrophe" die Gitarren aufgefahren werden, klingt das nämlich so, als würden Limp Bizkit sich selbst kopieren - und zwar schlecht. Traurig ist das schon, schließlich gaben Cypress Hill mit ihren Beiträgen zum "Judgement night"-Soundtrack anno 1993 die Initialzündung für den Crossover-Siegesmarsch. Aber in den letzten Jahren haben sie wohl zu viel gekifft, sonst hätten sie den Anschluss nicht dermaßen verpaßt.

So ganz mag man den Joint, ääh, den Stab dann aber doch nicht über Cypress Hill brechen. Zu ausgefuchst sind Muggs' Beats und Arrangements, zu lässig flowen B-Real und Sen Dog nach wie vor über die düsteren Sounds. Die Jungs haben ihren unverwechselbaren Style etabliert, und nach 15 Millionen verkaufter CDs besteht an ihren Skills und Hitqualitäten kein Zweifel mehr. Daß routinierte Wertarbeit aber noch lange kein Meisterwerk hervorbringt, zeigt das sechste Studioalbum vom Zypressenhügel nur allzu deutlich. Wer Cypress Hill bisher mochte wird an "Stoned raiders" seine Freude habe. Neue Höhenzüge erklimmen die Jungs allerdings nicht, denn dafür sind sie einfach too stoned to ride.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • Trouble
  • Kronologik
  • L.I.F.E.

Tracklist

  1. Intro
  2. Trouble
  3. Kronologik
  4. Southland killers
  5. Bitter
  6. Amplified
  7. It ain't easy
  8. Memories
  9. Psychodelic vision
  10. Red, meth & b
  11. Lowrider
  12. Catastrophe
  13. L.I.F.E.
  14. Here is something you can't understand

Gesamtspielzeit: 58:18 min.

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