Les Savy Fav - Root for ruin

Les Savy Fav- Root for ruin

Wichita / Cooperative / Universal
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Blitzblank

Sie sind schon eine besondere Gattung: die Freizügler und Blankzieher. Die nackten Hintern und SchwingDeinDings. Aus Explicit Lyrics und Freikörperkultur machen Rampensäue wie Tim Harrington oder The Jesus Lizards David Yow keinen Körperkult, kein Hochglanz-Muskelspiel oder Icons der Pop(p)-Kultur. Keinen Chili-Peppers-Ganzkörper-Glitter, um es zusammenzufassen. Stattdessen ist hier Schweiß zugegen. Sowie Schmerbauch, wirr abstehendes Seitenhaar und vielleicht sogar der ein oder andere Pullerfleck. "Show us your teeth / And show us your tits / And show us your scars from the shit that you did", skandieren Les Savy Fav dabei durch den Opener ihres fünften Albums "Root for ruin". Und stellen gleich darauf klar: "We still got our appetite." Vollkommen unnötig, denn wer "Root for ruin" hört, der hegt daran ohnehin keinen Zweifel.

Der punkig klickende Bass, die kurzen Noise-Takte, die klirrenden Riffs und natürlich Harringtons Organ, das sich zwischen Gesang und Kommentar dazwischenstreckt: "Root for ruin" hat in Sachen Postcore und Indierock nach wie vor alles zu bieten, was Les Savy Fav seit ihrer Gründung auszeichnet. Jedoch: Wie zuletzt vielleicht tatsächlich bei The Jesus Lizard ergeben sich Songs wie "Dirty knails" dem ehrlichen Spaß am Wahnsinn. Am weniger bollernden, vielmehr züngelnden Krach. An den Gang-Shouts im Zwischenspiel und den Chorälen im Refrain. An den ganz weit hinten in Tappings durchdrehenden, an der Oberfläche aber in vollmundigen Riffs durchstartenden Gitarren. Und nicht zuletzt den simplen, erhebenden Melodien, die viel lieber zünftig gebrüllt als lieblich gesungen werden.

Die spielen denn auch bei den melancholischen Untertönen von "Sleepless in Silvertown", "Dear crutches" und "Let's get out of here" ebenso ihre Rolle wie beim schlichten, doch auch kaum zu bändigenden Punk von "Lips n' stuff" oder "Calm down". Dabei präsentieren Les Savy Fav ihren Stil mit einer derartigen Selbstverständlichkeit und Trockenheit, dass all das gegengetaktete Gitarrenspiel, all das Poltern im unglaublich vollen Rhythmus und der Hinkefuß von Onkel Bass nur selten als solches auffallen. Die Art und Weise, wie "Root for ruin" sein inwendiges Chaos kontrolliert, ja sublimiert steht im direkten Zusammenhang zur Körperlichkeit, die mit aller Macht nach außen dringt.

Womit sich wieder die Frage nach Freikörper vs. Glitter stellt: Was diese Band fordert, ist das Mitmachen, nicht die Bewunderung. Würden Bands wie Shellac, Girls Against Boys oder Valina öfter einmal ihren Allerwertesten hochkriegen, so hätte man eine ansehnliche Armada zusammen, die die Punkbühne nach wie vor ordentlich aufpushen und auseinandernehmen könnte. So aber bleiben Les Savy Fav ein seltenes Gut, das umso willkommener geheißen werden will. Kein Problem, denn blankgezogen hat man nach "Root for ruin" ohnehin schon.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Appetites
  • Sleepless in Silverlake
  • High and unhinged
  • Clear spirits

Tracklist

  1. Appetites
  2. Dirty knails
  3. Sleepless in Silverlake
  4. Let's get out of here
  5. Lips n' stuff
  6. Poltergeist
  7. High and unhinged
  8. Excess energies
  9. Dear crutches
  10. Calm down
  11. Clear spirits

Gesamtspielzeit: 39:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
dmtrphqdxr
2011-05-24 14:02:18 Uhr
zrqSGK cxvgfaqxrunc
Janaye
2011-05-24 02:45:10 Uhr
AKAIK you've got the awsner in one!
Guardi
2010-09-17 11:06:41 Uhr

Die neue Platte ist wirklich genau 7/10. Das ist zwar alles grundsolide mit ein paar sehr guten Songs aber mir fehlen dieses Mal die Überraschungen komplett und somit leidet die Varianz. In der Hinsicht bot die Lets Stay Friends mehr.
C.T.
2010-08-26 16:17:04 Uhr
bleibt mal alle ganz locker, ich find alles tool - les savy, japandroids, arcade fire, gunsn roses - jippie
MausHausKlaus
2010-08-11 23:29:16 Uhr
Wieso darf ich nicht Les Savy Fav mit Arcade Fire vergleichen? Völligen Quatsch, den du da von dir gibst, @virginia. Ich kann auch Cats On Fire mir Belle & Sebastian vergleichen, das kann ich sogar locker machen.
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