The Hundred In The Hands - The Hundred In The Hands

The Hundred In The Hands- The Hundred In The Hands

Warp / Rough Trade
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Glasklare Schaufenster

Menschen, die sich partout nicht entscheiden können, legen ihr Heil oft in die Hände des Schicksals. Dann werden Münzen geworfen, Streichhölzer gezogen oder ganzen Plantagen unschuldiger Gänseblümchen die Blütenblätter ausgerupft. The Hundred In The Hands sind andere Wege gegangen und haben die große Entscheidungsfrage, welchen Stil sie denn eigentlich machen wollen, leichthin mit "Alle!" beantwortet. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum steht daher knietief im Pop, dekoriert diesen aber mit großer Selbstverständlichkeit in jedem Lied mit anderen Accessoires. Da wollte Warp nicht nachstehen und verpflichtete die Band quasi von der Konzertbühne weg. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass sie sich im Londoner Labelhauptquartier über diesen Coup sehr freuen.

"Dressed in Dresden" heißt der Song, der Eleanore Everdell und Jason Friedman seinerzeit den Plattenvertrag einbrachte. Eine stürmische Post-Punk-Hymne im Stile The Raptures, mit spitzen Gitarren, brummendem Elektrobass, Handclaps und Everdells glockenheller Darling-Stimme, die auch auf dem Album zu den Höhepunkten zählt. Bis dahin haben The Hundred In The Hands allerdings schon einige weitere Schätzchen aufgefahren. Sei es träumerischer Discopop wie auf "Young aren't young", rockigere Töne wie beim mädchenhaft wütenden "Lovesick (once again)" oder leise, die zerbrochene Liebesbeziehung kühl resümierende Minimal-Wave-Prosa wie bei "Killing it". Immer finden Everdell und Friedman eine neue Nuance, mit der sie einen Song lang spielen, um dann wie beim Stadtbummel das nächste Schaufenster anzusteuern.

Nichts wirkt dabei gezwungen oder fehl am Platz. Selbst Led-Zeppelin-Rockriffs in Ultraleichtversion, wie sie "Gold blood" auffährt, fügen sich nahtlos ein. Natürlich ist das alles nicht neu. Stets scheinen die Vorbilder durch, die häufig aus den 80ern stammen, einer in den letzten Jahren allzu oft zitierten Epoche. Aber wer sagt, dass jede Platte die Popmusik neu erfinden muss? The Hundred In The Hands haben starke Melodien en masse, die sich sofort im Ohr festsetzen wie beim glasklaren Synthpop von "Pigeons" oder dem noch stärker Richtung Tanzfläche zielenden "Commotion". Zwar sind gerade diese beiden Stücke schon wieder fast zu glatt. Aber wenn nicht mal die Balearic-Anleihen von "Dead ending" schmierig werden, hat jemand ziemlich viel richtig gemacht. Ist das jetzt Liebe? Zumindest ein heißer Flirt.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Lovesick (once again)
  • Pigeons
  • Dressed in Dresden

Tracklist

  1. Young aren't young
  2. Lovesick (once again)
  3. Killing it
  4. Pigeons
  5. Commotion
  6. This day is made
  7. Dead ending
  8. Gold blood
  9. Dressed in Dresden
  10. Last city
  11. The beach

Gesamtspielzeit: 41:40 min.

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