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Interpol - Interpol

Interpol- Interpol

Soft Limit / Cooperative / Universal
VÖ: 03.09.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kennzeichen D.

Da waren es nur noch drei. Groß das Geknirsche, drohend die Befürchtungen, ominös die Unkerei: Carlos "D." Dengler hat nach den Aufnahmen zum vierten Interpol-Album das helle Licht ausgeknipst und die Studiotür hinter sich zugemacht. Wohlgemerkt: danach. Denn obwohl Fachpresse, Fanforen und Berufspessimisten wegen des Ausstiegs eines einzigen Mitglieds den Niedergang der Band hinaufbeschwören - auf "Interpol" ist Dengler noch mit von der Partie, seine Präsenz spürbar und sein akzentuiert brummelndes Bassspiel nicht zu überhören. Wie bereits auf dem lange vor Veröffentlichung lancierten "Lights": Wer seinerzeit "Our love to admire" schon einen hohen Schwierigkeitsgrad bescheinigte, dürfte nun vollends die Ohren angelegt oder vielmehr gespitzt haben.

Und zwar, um ja nichts zu verpassen von "Lights", jenem Song mit einem der irreführendsten Titel der letzten Jahre: ein eiskaltes Liebeslied mitten aus dem Herzen der Finsternis, bei dem nicht nur im Videoclip sämtliche Körpersäfte fließen. Statt die Spannung des emporkriechenden Gitarren-Vibratos als Ausgangspunkt für einen Zusammenprall von Instrumenten oder wenigstens als Startbahn für einen Uptempo-Beat zu nutzen, hält sich "Lights" mit drei Griffen an den letzten ausgefransten Rockzipfeln des Gothic fest, schwillt immer mehr an, tritt auf der Stelle und rennt gleichzeitig pausenlos gegen eine mit Herzchen bekritzelte Wand: "That's why I hold you dear." Zunächst bedrückend, dann beeindruckend und schließlich begeisternd.

Es bleibt eines der besten Stücke eines Albums, auf dem die New Yorker die Funzeln noch ein wenig schummriger gedreht haben als auf dem Vorgänger, der bereits einem Teil früherer Stringenz entsagte. Denn sogleich die ersten drei Songs stellen klar, dass diesmal alles noch eine Spur loser angeordnet ist: Club-Standards wie "The Heinrich maneuver", gemütlich pumpelnde "Rest my chemistry"-Grooves oder das kehlige Rock-Stampfen von "Mammoth" fehlen fast völlig. "Spare me the suspense?" Da kann der Hörer lange bitten.

Stattdessen startet "Success" mit Sollbruchstellen zwischen Daniel Kesslers Riffs, und wälzt sich "Memory serves" in Zeitlupe über einen allmählich hervorsprießenden Shoegaze-Teppich, bis "Summer well" im Zusammenspiel von Piano und Backbeat auf ein leidlich straightes Finale hinausläuft. Doch auch wenn dieses Album an einigen Stellen ähnlich disparat klingt, wie der gesprengte Bandschriftzug auf dem Cover aussieht, kann es immer noch etwas draufpacken und in tiefster Dunkelheit plötzliche Lichtblitze aussenden.

Etwa das wuchtige "Barricade", das sich erst einen "PDA"-Gedächtnisanfang gönnt, dann spitze Riffs mäandern lässt und Paul Banks im Refrain zwischen Verzweiflung und Aggression zeigt: "It starts feeling like a barricade that keeps us away." Weg von konzisen, sofort einleuchtenden Melodien, weg von Erlösung und griffigen Schlusspointen, die Songs wie "Always malaise" (The man I am)" oder "The undoing" in ihren nagenden Selbstzweifeln stets verweigern. Eindrucksvoll, blickdicht, raumgreifend arrangiert - nicht nur Dengler hat hier ganze Arbeit geleistet. Und genau darum bleiben Interpol auch zu dritt voraussichtlich eine hoffnungsfrohe Band.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Memory serves
  • Lights
  • Barricade
  • All of the ways

Tracklist

  1. Success
  2. Memory serves
  3. Summer well
  4. Lights
  5. Barricade
  6. Always malaise (The man I am)
  7. Safe without
  8. Try it on
  9. All of the ways
  10. The undoing

Gesamtspielzeit: 45:21 min.

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User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 11886

Registriert seit 26.02.2016

2026-09-08 13:51:24 Uhr
Success 9
Memory Serves 9
Summer Well 7
Lights 9
Barricade 5
Always Malaise (The Man I Am) 8
Safe Without 6
Try It On 7
All of the Ways 6
The Undoing 9

Unangemeldeter

Postings: 2890

Registriert seit 15.06.2014

2026-09-08 13:48:56 Uhr
Ah, All of the ways sollte eine 8 sein.

Unangemeldeter

Postings: 2890

Registriert seit 15.06.2014

2026-09-08 13:48:10 Uhr
Ich hab's gestern nach längerer Zeit auch mal wieder durchgehört und ich liebe das Ding noch genauso wie früher. Richtig toll dass sie sich da mal wirklich getraut haben, aus ihrem Sound- und Songwriting-Schema auszubrechen. Das Experiment geht für mich voll auf; viel Atmosphäre, viele Klangspielereien, aber auch viele extrem befriedigende Pay-Off-Momente. Die Vocals machen das Album aus, bester Moment der Platte ist und bleibt diese kleine Gesangsmelodie nach 2:15 in Always Malaise. Da sind einfach so viele coole Dinge versteckt, trotzdem läuft das Album wie in einem Guss durch. Safe Without ist der einzige kleine Durchhänger für mich, aber selbst der ist kein Skip-Kandidat wie es sie auf dem Vorgänger noch einige gab.

Success 10
Memory serves 10
Summer well 8,5
Lights 10
Barricade 8,5
Always malaise 9
Safe without 6
Try it on 9
All of the ways 9
The undoing 8

Im Albenranking bei mir wohl nach Antics auf dem zweiten Platz, den dritten belegen je nach Tagesform das Debut oder Our Love to Admire.

Glufke

Postings: 1686

Registriert seit 15.08.2017

2026-09-06 21:13:00 Uhr
Hab es heute mal wieder gehört. Etwas besser als in Erinnerung, aber es überzeugt mich weiterhin nicht völlig. Gerade die zweite Hälfte fällt imo deutlich ab.

Success 10
Memory serves 9
Summer well 8
Lights 9
Barricade 7
Always malaise 6
Safe without 6
Try it on 7
All of the ways 6
The undoing 8

noise

Postings: 1223

Registriert seit 15.06.2013

2026-09-05 22:54:26 Uhr
Finde das Album allgemein ziemlich unterbewertet. Mir gefällt die Atmosphäre ausgesprochen gut. Hat für mich auch so leichte "And Also The Trees" Vibes.
Zum kompletten Thread

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