The Sword - Warp riders

The Sword- Warp riders

Kemado / Rough Trade
VÖ: 27.08.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Alarm im Weltall

Verdaut hatte er es sicher schwer. Aber als Matt Bayles, der Produzent und Grenzsportler, der schon The Blood Brothers gezähmt hat, letztens The Sword zum Ausgang seines Red-Room-Recording-Studios geleitet hatte, hat er sein Trinkgeld wahrscheinlich nicht in Dollar erhalten. Sondern in Astro-Credits oder Wookie-Pfund. Überrascht hat Bayles das weniger. Schon vorher half er The Sword dabei, ein paar Matten aus dem Gesicht zu kämmen, ein paar Porno-Balken flachzulegen und eine Platte namens "Warp riders" unfallfrei einzuspielen. Noch viel wichtiger: Er half The Sword, danach wieder heil runterzukommen. Wie im Gore-Verbinski-Clip zu Monster Magnets "Negasonic teenage warhead" entschwebten The Sword für ihre "Warp riders"-Platte in selbst herbeigerauchte Galaxien. Dort bügeln sie über 40 Jahre Hardrock- und Heavy-Metal-Geschichte, als sei das kaum mehr als eine Bügelfalte, der schon lange keiner mehr Dampf gemacht hat.

So richtig koscher ist an diesem Album hier: gar nix. Schon sein Artwork ist Warnung und Bedienungsanleitung zugleich. Ein Cover-Motiv haben sich The Sword ausgesucht, das seit 30 Jahren im Archiv eines Verlags von Science-Fiction-Groschenheften und B-Filmen verstaubt sein muss. Ähnlich aus der Zeit geplumpst ist die Musik, mit der sich "Warp riders" bedröhnt. Kein Gitarren-Solo ist zu weit weg, als dass es nicht noch abgeholt werden könnte, kein Doom-Riff heavy genug, um einfach so an ihm vorbeizufliegen. Heavy Metal, wie er bis auf Retro-Gimmicks kaum mehr in die Klassik-Ecke des Metal-Hammers passt: ungeschminkt, trendresistent und gelenk wie die Flitzefinger von Toni Iommi.

"Astraea's dream" nennen The Sword ein reines Instrumentalstück auf "Warp riders" und föhnen einem darin nach einem kurzen Abstecher in Psychedelik-Träume dermaßen die Haare auf halb sechs. Man kann sie nur bemitleiden, diese Leute, deren Kopfhaut längst die Geheimratsecken regieren. Auch sonst passiert das Aufregendste auf dieser Platte an den Instrumenten: In "Night city" schalten The Sword ihren Sänger J. D. Cronise, sonst zuhause in Nähe der Koordinaten Osbourne:Homme, für über eine Minute stumm und fahren sich ein paar amtliche Licks und Tricks rein, die sich noch nie im Leben gewaschen haben. Das muss eine Wunschfantasie sein, die The Sword antreibt: Momente zu entfesseln, die sie gerne selbst in ihrer Heavy-Metal-Plattensammlung haben würden.

Für all diesen Tumult brauchen The Sword gar nicht viel Anlaufzeit, keinen Choke-Hebel und keine Tasse Space-Kaffee: Schon das vermeintliche Intro dieser Platte rockt mehr als auf manch anderer Platte das bejubelte Highlight. Was daran liegen könnte, dass The Sword mit einem Plan gestartet sind. Ein Seitenblick auf die Trackliste verrät: In zwei Teile haben The Sword "Warp riders" gespalten, als wollten sie einen Zweiteiler fürs Sparten-Programm drehen statt ihren Hörern mit diesen Songs hier an die Nackenwirbel zu gehen. Ja, tatsächlich, "Warp riders" hat ein erzählerisches Element. Spinnerter Kokolores, den noch nicht einmal Coheed-&-Cambria-Fans ernst nähmen. Eine Geschichte rund um Weltraum-Piraten wie aus einem 80er-Manga, um Prophezeiungen, Hexen und Quatsch-mit-Soße im Raum-Zeit-Kontinuum. Der übliche Metal-Scheiß eben. Auch das ist gute Tradition. Und die Abschlussprüfung für Matt Bayles: den kann jetzt gar nichts mehr schocken. Ganz egal, ob das mit den Wookie-Pfunden tatsächlich passiert ist oder nicht.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Arrows in the dark
  • Lawless lands
  • Night city
  • (The night the sky cried) Tears of fire

Tracklist

  1. Part I: The archer & the orb: Acheron/Unearthing the orb
  2. Tres brujas
  3. Arrows in the dark
  4. The Chronomancer I: Hubris
  5. Lawless lands
  6. Part II: The android & the sword: Astraea's dream
  7. The warp riders
  8. Night city
  9. The Chronomancer II: Nemesis
  10. (The night the sky cried) Tears of fire

Gesamtspielzeit: 48:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
lonesome
2011-01-30 16:08:13 Uhr
"Lawless Lands" ist einfach ein geiler Song.

http://www.youtube.com/watch?v=2pxicylHN9o
logan
2010-12-28 02:57:56 Uhr
Zum Beispiel?
blaspheme
2010-12-24 12:17:19 Uhr
nichts gegen dio, aber das was die eigentlichen black sabbath ausmachte war das zusammenspiel osbourne/iommi auf den ersten sechs alben.
Diese "Phase" hat auch maßgeblichen Einfluss auf heutige Psychedelicrock/Metal-Bands und all ihre Spielarten.
Das Ganze erlebt derzeit einen dermaßenen Boom, vorallem 2010 wollte die Flut an Black-Sabbath-beeinflussten Retrozeugs ja gar nicht mehr abebben.
lakulla
2010-12-24 11:44:33 Uhr
Du hast Recht...total paradox ;)
Third Eye Surfer
2010-12-24 11:39:01 Uhr
Die Ozzy Phase. Die Dio Alben mag ich. Die danach kenn ich nicht.

Wobei ich die Ozzy Phase mit anderem Sänger wohl auch mögen würde.
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