Robyn - Body talk pt. 2

Robyn- Body talk pt. 2

Konichiwa / Ministry Of Sound / Warner
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Tanzmariechen

Robyn ist bekanntermaßen ein fleißiges Bienchen. Nachdem im Frühjahr bereits der erste Teil ihrer Trilogie erschien, folgt nun der nächste Streich, "Body talk pt. 2". Doch um ehrlich zu sein: Kohärent sind die zwei Werke kaum, die einzige Verknüpfung der beiden Platten ist "Hang with me". Auf dem ersten Teil noch als akustischer Tränenzieher dargeboten, entwickelt der Song mit Beats und Druck sein wahres Gesicht: Drängelnder, zur rhythmischen Bewegung animierender Elektro-Pop, der sich nicht davor scheut, hektargroße Tanzflächen zu füllen. Hier wird gleich eine große Stärke von Robyn erkennbar: Sie bestimmt mit ihrer apodiktischen Stimmführung, wohin der Song gehen soll. Diese Lust zur Variation offenbart ihren unbedingten Willen, nicht in Monotonie zu verfallen, sich neu zu erfinden, stets frisch und fesselnd zu bleiben. Wenn man so möchte, kann man Robyn prima als Madonna des 21. Jahrhunderts charakterisieren. Die Wachablösung auf dem Pop-Thron ist ein schleichender Prozess.

Die acht Stücke auf "Body talk pt. 2" sind deutlich elektronischer und in der Breite auch clubtauglicher, dafür weniger verspielt. Die großen Refrains - die auf "Robyn" und "Body talk pt. 1" noch in Scharen zu finden waren - kommen hier in geringeren Dosen, dafür rückt die rhythmusverliebte Elektronik in den Vordergrund. Der Song wird in den Dienst der Tanzbarkeit gestellt. Im stoisch pumpenden Hypnose-Pop "We dance to the beat" bekommt der Hörer einen minimalistischen Elektrostoß verpasst: Dem einen oder anderen Anhänger der letzten Alben könnte das zu wenig des Guten sein, doch auch hier wird wieder einmal überdeutlich, dass Robyn sich nicht reinreden lässt. Die Bandbreite auf "Body talk pt. 2" reicht demgemäß von klapperndem Minimal über kläffenden Rap bis hin zum klassisch-orchestral ausstaffierten "Indestructible", das die Violinien aus dem Sack lässt. Auf einmal wirkt Robyn nicht mehr wie der männermordende Blondschopf, sondern wie das zerbrechliche, kleine Mädchen, das - trotz aller Toughness - auch mal nur in den Arm genommen werden möchte.

Mittlerweile hat sich Robyn gemausert: Vor vier Jahren kam der ehemalige Teenie-Star mit runderneuertem Sound aus einer langen Kreativpause, jetzt ist sie dort, wo sie Mitte der Neunziger bereits war: an der Spitze der Charts. Anstelle des billigen Plastiksounds von damals tritt verchromter Elektro-Pop mit sämtlichen Superhelden-Gadgets. Davon lässt sich auch ein Haudegen wie Snoop Dogg anlocken, der aktuell - man höre Katy Perrys "California gurls" - alles bespringt, was nicht bei Drei mit dem Pfefferspray fuchtelt. "U should know better" versteht sich als sexy Dialog, verpackt in gefährlich aufmuckenden Beats. So und nicht anders gehen genreübergreifene Duette im Jahr 2010: treibend, spannend, eloquent. Fest steht, dass dies nicht der letzte Clou von Robyn bleibt: Noch dieses Jahr soll "Body talk pt. 3" erscheinen, und man kann erwartungsvoll in die Zukunft blicken, denn Robyn ist eine knallbunte Wundertüte mit Hang zum formvollendeten Popsong. "Body talk pt. 2" wirft schlussendlich noch eine Frage auf: Wer war noch mal diese Madonna?

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Hang with me
  • U should know better (feat. Snoop Dogg)
  • Indestructible (Acoustic)

Tracklist

  1. In my eyes
  2. Include me out
  3. Hang with me
  4. Love kills
  5. We dance to the beat
  6. Criminal intent
  7. U should know better (feat. Snoop Dogg)
  8. Indestructible (Acoustic)

Gesamtspielzeit: 32:58 min.

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