Manic Street Preachers - Postcards from a young man

Manic Street Preachers- Postcards from a young man

Columbia / Sony
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der menschliche Makel

Im Laufe ihrer über zwanzigjährigen Karriere spielten die Manic Street Preachers schon verdammt viele Rollen. Im Schnelldurchlauf: Am Anfang waren sie die jungen Rebellen, in der "Holy bible"-Ära die leicht verrückten Selbstzerstörer im Militäroutfit und nach Richey Edwards' tragischem Verschwinden plötzlich die Lieblinge der Massen. Nach einem experimentellen und einem leicht missratenen Album zu Beginn des neuen Jahrtausends sah sich das Trio plötzlich zu alternden Rockstars abgestempelt. Doch mit "Send away the tigers" und spätestens dem hervorragenden "Journal for plague lovers" gelang ein fulminantes Comeback, das die Manic Street Preachers gar in die ungewohnte Rolle der Kritikerlieblinge spülte. Die reinste Achterbahnfahrt. Geht es nach James Dean Bradfield und seinen Mitstreitern, soll der Weg nun endgültig in den Pop-Olymp führen.

Als "One last shot at mass communication" kündigten die Waliser ihr zehntes Album vorab ab. Das Selbstvertrauen dieser Aussage drückt auch die Musik auf "Postcards from a young man" offensiv aus. Nachdem dem kratzbürstig und düster zur Sache gehenden Vorgänger gelingt den Walisern auf der neuen Scheibe souverän die Rückkehr zum pompösen, melodielastigen Rocksound der "Everything must go"-Phase. Die Vorabsingle "(It's not war) Just the end of love" braucht gerade einmal ein paar Sekunden, um vom ruhigen Gitarrenintro in mitreissenden Orchester-Rock überzugehen. Spätestens wenn der Ohrwurm-Refrain Bradfields Sologitarre Platz macht, sind sämtliche Zweifel ausgeräumt. Das nachfolgende Titelstück schunkelt zielgenau in "A design for life"-Gewässer. Beim hervorragenden "Some kind of nothingness" schaut dann Ian McCulloch von Echo & The Bunnymen vorbei und wetteifert mit Bradfield und einem Gospelchor darum, wer den meisten Soul in der Stimme hat.

Die Manics mittlerweile an einem Punkt in ihrer Karriere angekommen, an dem sie ihre Songs nicht mehr zwanghaft in ein Albumkonzept pressen müssen. Das verleiht "Postcards from a young man" eine breit gefächerte, bunte Fassade. Dahinter befindet aber wie immer eine Einrichtung der gehobenen Güteklasse. Gekonnt tänzelt beispielsweise "Hazelton Avenue" auf dem schmalen Grat zwischen Melancholie und Kitsch, "Auto-intoxication" und "A billion balconies facing the sun", bei dem mit Ex-Gunner Duff McKagan ein weiterer illustrer Gaststar seine Visitenkarte abgibt, zeigen die Waliser hingegen musikalisch wie auch textlich von ihrer bissigen Seite. Bei "Don't be evil" lässt Bradfield gar seine Gitarre in der ruppigen Manier des Vorgängers bratzen

Die Souveränität, die den Manics mittlerweile aus allen Poren quillt, offenbart sich auch am Ende des Albums, wo Nicky Wire seinen mittlerweile obligatorischen Gesangsauftritt bekommt. Die wie immer leicht schiefe Stimme des Bassisten fügt sich schön in das lässig groovende "The future has been here 4 ever" ein. Dieser Song steht gewissermaßen stellvertretend für das gesamte Album (und eigentlich sogar für die ganze Band): Er ist nicht ganz perfekt, aber trotzdem verdammt gut. Das können die Manic Street Prachers am besten.

(Mark Read)

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Highlights

  • (It's not war) Just the end of love
  • Some kind of nothingness
  • A billion balconies facing the sun
  • The future has been here 4 ever

Tracklist

  1. (It's not war) Just the end of love
  2. Postcards from a young man
  3. Some kind of nothingness
  4. The descent (Pages 1 & 2)
  5. Hazelton Avenue
  6. Auto-intoxication
  7. Golden platitudes
  8. I think I've found it
  9. A billion balconies facing the sun
  10. All we make is entertainment
  11. The future has been here 4 ever
  12. Don't be evil

Gesamtspielzeit: 44:24 min.

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Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2018-04-18 08:46:56 Uhr
Ihr schwächstes ALbum, danach waren sie mMn nie mehr wikrlich gut
Editor
2018-04-18 08:22:48 Uhr
Der ist so perfekt melodiös und hymnenhaft. Strophe und Refrain.

9/10.

nörtz

Postings: 4713

Registriert seit 13.06.2013

2018-04-17 16:52:13 Uhr
Den finde ich absolut langweilig.
Editor
2018-04-17 15:36:46 Uhr
"Some Kind Of Nothingness" gehört doch zu íhren absolut besten Songs.

Hogi

Postings: 260

Registriert seit 17.06.2013

2018-04-17 15:01:55 Uhr
Muss mal ne Lanze für das Album brechen, kommt ja scheinbar retrospektiv bei vielen ziemlich schlecht weg. Bis auf 3-4 überproduzierte Songs im nervigen Orchestergewand eigentlich durchweg gute Musik...reiht sich vielleicht trotzdem eher hinten im Ouptut ein, das aber auf hohem Niveau!
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