Brandon Flowers - Flamingo

Brandon Flowers- Flamingo

Island / Universal
VÖ: 03.09.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Killers-Gen

Die Nachricht, Brandon Flowers veröffentliche ein Solo-Album, sorgte zunächst für großen Zweifel. Als dann auch noch der Albumtitel und die Tracklist publik gemacht wurden, war klar: Nichts anderes als größenwahnsinniger, grell-leuchtender Glampop kann sich hinter Titeln wie "Welcome to fabulous Las Vegas" oder "Jilted lovers & broken hearts" verbergen. Sämtliche Geschmacksdetektoren leuchteten auf und fiepten hektisch, in Erinnerung an das letzte, völlig fehlgeleitete The-Killers-Album "Day & age". Ein Album, dass nicht einmal mehr groß spaltete, selbst wenn die Soft-Porno-Ästhetik einiger Stücke - wie beispielsweise "Joy ride" - schon fast wieder bemerkenswert war. Nun kommt also mit "Flamingo" das Solo-Debüt des Mannes, der ein Faible für große Gesten, altmodische Bärte und skurille Outfits hat. Schneller bewegte sich selten eine Hand in Richtung der eingestaubten 2/10-Schublade.

Aber: Die befürchtete Katastrophe wurde "Flamingo" nicht, obwohl es ohne Frage eher eine zehnstöckige Sahnetorte als ein Butterbrot mit Schnittlauch ist. Doch auf kaum einem Album bislang wurde man so freundlich empfangen: Der Opener umarmt zärtlich, und "Only the young" trägt sich in die lange Liste Ohrschmeichler ein. Eines konnte Flowers schon immer: hittige Popnummern, mit großer Geste vorgetragen, humorlos, theatralisch, markerschütternd. Das bißchen Kitsch war dem Hochgefühl nur zuträglich. Die Konstruktion opulenter Hymnen kennt im Kosmos von Brandon Flowers bekanntlich nur zwei Resultate: die souveränen Großtaten wie vor allem auf dem Killers-Debüt "Hot fuss" und die schmalzigen Schlagermomente, die auf dem letzten Album nervten. Wie auf "Sam's town" halten sich auf "Flamingo" Genie und Wahnsinn die Waage. Der Vogel soll fliegen.

Die erste Single "Crossfire" ist ein harmloser Indie-Pop mit tanzbarem Beat und leidlich eingestreuten religiösen Metaphern. Die gerieten weniger aufdringlich als das überkäsige "Was it something I said?", das bei aller Penetranz immerhin nett schunkelt und flott über das Erinnerungs-Parkett der 80er tanzt. Einige Songs hingegen übertreten die Demarkationslinie des guten Geschmacks und tapsen in alle bereitstehenden Fettnäpfchen: "Magdalena" und "Jilted lovers & broken hearts" sind kaum mehr als vertonte Schmalzkringel. Viel zu fettig, viel zu süß. Das kann Flowers besser. "Swallow it" ist eine überaus fantastische Pop-Komposition, die in einem himmelsstürmenden Refrain aufgeht, der betrunken macht, bevor ein Männerchor einstimmt und Flowers' Pop-Revue gebührend beendet.

"Flamingo" ist ein äußerst farbenfrohes, schwüles Las-Vegas-Album. Es ist Musik für die große Bühne, die Vermählung von Grandezza und Kitsch. Blinkende Lichter und andere Offenbarungen formuliert in zehn Songs, von denen mindestens die Hälfte wirklich gelungen ist. Das macht Mut für ein neues Killers-Album. In einem Interview vermutete Flowers gar, dass "Flamingo" auch seiner Hauptband auf die Sprünge helfen könne. Thematisch handelt "Flamingo" natürlich von nichts anderem als den ganz großen Gefühlen: Vergebung, Reue, Liebe und Leiden. Ganz so, als würde Flowers um Verzeihung für vergangene Fehltritte bitten, wähnt er sich im Kreuzfeuer und sucht nach Schutz. Dabei offenbart er in Ansätzen, dass er durchaus das Zeug zu hat, sich zu einer 2.0er-Version von Glam-Pionieren wie Freddie Mercury oder David Bowie zu entwickeln. Immerhin: Auch die haben keineswegs nur Meisterwerke veröffentlicht.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Only the young
  • Swallow it

Tracklist

  1. Welcome to fabulous Las Vegas
  2. Only the young
  3. Hard enough (feat. Jenny Lewis)
  4. Jilted lovers & broken hearts
  5. Playing with fire
  6. Was it something I said?
  7. Magdalena
  8. Crossfire
  9. On the floor
  10. Swallow it

Gesamtspielzeit: 40:56 min.

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User Beitrag
Ich finde
2011-02-18 21:31:52 Uhr
@Fedor-Charlie-v.Suchard

Danke!Es gibt also do noch Leute die ein Ohr für gute Musik haben.
Erasure kommen übrigens wieder nach Deutschland im Sommer,um noch etwas Schleichwebung am Rande unterzubringen!
Ich finde
2011-02-18 21:24:20 Uhr
"Only the young" hört sich ziemlich nach einer Mischung aus Erasure "In my arms" und ihrem Acoustic Album an.
Holden Caulfield
2010-10-24 09:59:24 Uhr
Den einzigen, den Flowers beerben kann, das ist Malte Müller, unser damaliger Klassenclown.
Gordon Cole
2010-10-24 01:39:44 Uhr
Gerade das Video zu Only The Young gesehen. Mein lieber Schwan, der Mann hat einen Größenwahn. Oder schlimme Drogen. Wahrscheinlich beides. Aber sehenswert allemal.
pawibe
2010-09-21 12:49:07 Uhr
Ich kenne nur die Single "Crossfire". Die finde ich eigentlich ganz nett. Gehört eindeutig zum besseren, von dem, was im Radio gespielt wird.
Nur die ganz fatale Bridge ("Tell the devil that he can go back from where he came") vermasselt den ganzen Song.
Besser als das letzte Killers-Album wird das Neue von Flowers bestimmt sein, obwohl ich - wie gesagt - keinen anderen Song kenne, kann man das bestimmt sagen.
Man kann wohl auch sagen, dass Flowers sich sehr an Prince, Mercury und Bowie orientiert, aber dass er einen von diesen "beerben" kann, nun das ... Wir wollen es nett ausdrücken: das steht in den Sternen.
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