1000 Robota - Ufo

1000 Robota- Ufo

Buback / Indigo
VÖ: 03.09.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Böse Buben

Bandkriege galten bis dato als britisches Phänomen: Oasis wünschen Damon Albarn Krankheiten an den Hals, Mogwai stänkern ebenso gegen Blur, und hinter der Bühne kommt es schon einmal zum Wortgefecht zwischen Starsailor und Oasis' ehemaliger Frontnase Liam Gallagher. Da war eine ganze Zeit mächtig was los im Vereinigten Königreich. In Deutschland hingegen wurden kleinere Zimperlichkeiten zwischen den Ärzten und den Toten Hosen hochstilisiert, entpuppten sich jedoch als leeres Gewäsch, an dem nicht viel wahr war. Bezogen auf Bandstreitereien war eine ganze Zeit recht wenig los im Land der Dichter und Denker. Zum Glück ist diese Phase vorbei, denn 1000 Robota lassen kein gutes Haar am befindlichkeitsfixierten Indie-Rock und wettern vehement gegen Tomte, Kettcar oder Herrenmagazin. Klar, dass Obersympath Thees Uhlmann derlei Anfeindungen nicht unkommentiert im Raum stehen lassen kann, meinte er doch, er könne das Geld der Robota-Eltern bis auf die Bühne riechen. Auf ihrem neuen Album - und das ist eigentlich schon das Bemerkenswerteste an "Ufo" - schlagen 1000 Robota zurück.

Im wütenden Hidden Track wirft Anton Spielmann, notorisches Großmaul britischer Prägung, Uhlmann einige unschöne Dinge an den Kopf: Er sei ein Lügner und falscher Freund, ein kleines fettes Schwein sowie ein ignoranter Idiot. Mit dem Mofa nach England? Pah, Spielmann und Co. lassen sich doch keinen Bären aufbinden! Am liebsten würde sie Uhlmanns Kinder adoptieren, "damit sie noch gute Menschen werden." Ja, 1000 Robota sind die Eko Freshs des deutschen Indie-Rock. So viel Biss und Frechheit wie bei den drei juvenilen Burschen gibt es selten, wobei man durch solche Verbalattacken natürlich auch auf dem Markt interessant bleibt. Das ist wichtig, insbesondere, wenn das Album wenig Grund zu euphorischen Beifallsbekundungen liefert.

"Ufo" ist ein sehr verspieltes, dissonantes Album, vom zackigen Post-Punk der Marke Gang Of Four sind hier allenfalls Rudimente übrig. Vielmehr öffnen 1000 Robota ihren Sound, lassen Krautrock und Noiserock Einzug halten und beweisen damit großen Wagemut: Kommerziell ist mit dieser Platte definitiv nichts zu gewinnen. Die elf Songs köcheln auf unkontrollierbarer Hitze, stehen unter Spannung, immer kurz vor der alles vernichtenden Implosion. Doch man würde sich stets wünschen, dass - bei aller wahrhaftigen, instrumentalen Großartigkeit - die Lyrics von etwas mehr Cleverness beseelt wären. Die Texte sind stark fragmentarisch, wirken meist sehr bemüht. Schade, dass die lyrische Ebene dem oft spannenden Bastard aus Rock, Punk, Wave und Noise nicht gerecht werden kann.

Besonders gelungen sind hingegen das eröffnende "Du gewinnst", das die frühen Tocotronic ins Gedächtnis ruft, oder das wunderbar flirrende "Fahr weg", das einen schönen Spannungsbogen und einen abwechslungsreichen Sound aufzieht. In einigen der anderen Stücke wirken 1000 Robota etwas rat- und ideenlos. Dann grummeln die tiefgestimmten Saiten durch den Raum, und Spielmann ruft sinnentleerte Paarreime dazwischen. Nicht immer gelingt ihnen das Kunststück, kantige, brodelnde Stücke zu schreiben, die sowohl Sonic Youth als auch Neu! Respekt zollen. Aber Respekt dürfte im 1000-Robota-Kosmos per se ein Fremdwort sein, anders ist die eingangs erwähnte Angriffslust nicht zu erklären. Doch so ein bißchen Bandkrieg hat noch niemandem geschadet.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Du gewinnst
  • Fahr weg

Tracklist

  1. Du gewinnst
  2. Wir reissen uns zusammen
  3. Glück
  4. Wirst du interessant
  5. Geh nicht zuweit
  6. Er sagt
  7. Fahr weg
  8. Held und Macher
  9. Nicht so und nicht so
  10. Alter Mann

Gesamtspielzeit: 50:13 min.

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  • 1000 Robota (198 Beiträge / Letzter am 22.07.2014 - 16:22 Uhr)