Fotos - Porzellan

Fotos- Porzellan

Snowhite / Universal
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kalte Platte

In der Beweispflicht ist derjenige, der etwas verändern will. Die Band Fotos zum Beispiel, die einst als Single-Band anfing, mit einem dezenten "britischen" Sound-Einschlag, verwarf das erfolgversprechende Konzept offenbar gelangweilt von der eigenen Eingrenzung schon mit der Veröffentlichung des zweiten Albums "Nach dem Goldrausch". Statt Hit-Giganten zu komponieren, folgte das Quartett nun einem künstlerischen Anspruch: Reduziertheit, Klarheit, Linien. Das war auditives Bauhaus, könnte man sagen, wenn dem Begriff in der populären Musik nicht schon ganz andere Bedeutungen zugeschrieben worden wären.

"Porzellan", das nunmehr dritte Album der Hamburger, setzt gleich wieder dort an: Bauhaus. Bei der Band. Kälte heißt das hier und repetitive Maschinenrhythmik. "Porzellan" ist aber auch eine astreine Shoegaze-Platte. Ähnlich, wie sich My Bloody Valentine ihren Sound vorgestellt hatten. Da kommt die Haarspray-Dose zur Untermalung der Snare-Drum zum Einsatz, Thomas Hesslers Melodien hallen unaufgeregt aus einer anderen Welt, und sowieso erinnert hier alles an die frühen Achtziger: New Wave ist das, Industrial vielleicht. Und immer wieder Shoegaze. Hätte man so nicht erwartet. War sicher auch kein Versehen.

Die Songs heißen auf diesem Album "Rabe", "Angst", "Ritt", "Nacht" oder "Mauer". Und so klingt das auch: düster und beklemmend. Die Eröffnung, "Alles schreit", erlaubt sich ein zweiminütiges Intro, das sich aus einer kalten, synthetischen Soundkulisse schält, bis plötzlich das Schlagzeug losbricht und die übersteuerte Fuzz-Gitarre alles niederwalzt, was sich ihr in den Weg stellt. Dann ist plötzlich Ruhe. Der Hörer blickt noch zurück, während die Fotos derweil zu neuen Ufern aufgebrochen sind. Der Song "Porzellan" macht dann eben dort weiter: in der Ferne, mit brachialem Refrain und grandioser Lautstärke.

Ausgerechnet "Angst", das mit seinem Titel nun vollkommen Tabula Rasa in der Fotos-Welt ankündigt, ist der freundlich gestimmte Gegenpol. Eine einprägende Hookline, kühl und unnahbar, aber anziehend wie eine Kafka-Erzählung. Der Schlussakkord ist so leise, wie es eben nach dem Urknall ist. Und dieses Album scheint genau jener für die Band Fotos zu sein. Der Klang dieser Band sucht mindestens in Deutschland seinesgleichen. Dieses Album klingt groß, majestätisch, gravitätisch. Die Fotos beweisen die Notwendigkeit der Veränderung, des Vorankommens. Und das auch noch großartig.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Porzellan
  • On the run
  • Feuer
  • Raben

Tracklist

  1. Alles schreit
  2. Porzellan
  3. Nacht
  4. Mauer
  5. On the run
  6. Wasted
  7. Feuer
  8. Ritt
  9. Angst
  10. Raben
  11. Wellen

Gesamtspielzeit: 40:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Andi
2011-04-08 11:39:33 Uhr
Wahnsinn, ausgerechnet jetzt zum Frühlingsanfang startet diese doch eher düstere Platte bei mir so richtig durch und läuft nur noch auf Dauerrotation.

Seit Release wurde ich nie so recht mit dem neuen Fotos-Sound warm, obwohl das Potenzial der Platte immer offensichtlich war. Sehr, sehr schön.
du
2010-12-19 00:08:32 Uhr
bist arbeitslos und f**ickst dich nachbarskatze,oder?
Cheops
2010-12-18 19:08:24 Uhr
Es ist ja prinzipiell schon mal ekelhaft, Musik nach ihrer "Authentizität" zu bewerten, was das auch sein mag.
qwertz
2010-11-16 19:40:05 Uhr
Wo hier schon soviel von Abkupferung und Hommagen geredet wurde, nur der Vollständigkeit halber: Das Gezupfe in "Ritt" klingt sehr, sehr stark nach Radioheads "Street Spirit".
Ansonsten ein okayes Album. Besser als die Vorgänger in meinen Ohren.
foto
2010-09-30 13:13:46 Uhr
hurra. noch jemand, der sich zum scheuklappentragen bekennt.
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