Disturbed - Asylum

Disturbed- Asylum

Reprise / Warner
VÖ: 27.08.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Hamsterrad

Ein Jubiläum! Zehn Jahre nach ihrem Studio-Debüt "The sickness" melden sich Disturbed zurück, liefern ihren mittlerweile fünften Streich ab und katapultieren sich erwartungsgemäß gleich mal an die Spitze der iTunes-Charts. Wer die Band seit ihren Anfängen begleitet und weiß, wie viel Begeisterung ihr seit vielen Jahren entgegenschlägt, kann sich über solche Verkaufserfolge wahrlich nicht wundern. Dass Disturbed aber noch nie zu den unumstrittenen Lieblingen der gesamten Szene gehörten, kann und darf nicht verschwiegen werden – und "Asylum" liefert beiden Seiten des Meinungsspektrums ausreichend Munition, um sich gegenseitig zu befeuern.

Handwerklich ist das, was auf 52:57 Minuten Gesamtlänge passiert, grundsolide. Eine stimmige Produktion, bei der Dan Donegan Regie führte, streicht die Vorzüge der Band aus Chicago heraus, die sich erneut auf ihre zentralen Trademarks konzentriert. Die Stakkato-Elemente von Sänger David Draiman munden dabei nach wie vor besser als die melodischen Ausflüge, wenngleich seine Entwicklung durchaus fortschrittlich zu nennen ist. Genau das gilt für das Album an sich leider nicht. Dem Intro "Remnants", an dessen Ende auch James Hetfield übernehmen könnte, folgt mit "Asylum" zwar ein erster Höhepunkt, und eben solche gibt es später mit "Warrior", "Never again" und "Crucified" sporadisch erneut. Doch – und da liegt das große Problem – eben auch zahlreiche Füller.

Im lyrischen Bereich kann Draiman und seinen Kollegen mithin kein festgelegtes Schema vorgeworfen werden, denn neben der Werwolf-Nummer "The animal" widmet sich der Sänger zum Beispiel im Titelstück gescheiterten Beziehungen, später der fortschreitenden Umweltzerstörung in "Another way to die" und schließlich sogar dem Holocaust, der in "Never again" thematisiert wird und ein furchtbares Kapitel von Draimans Familiengeschichte aufarbeitet. Versteckt rundet übrigens noch ein eher überflüssiges Cover von U2s "I still haven´t found what i´m looking for" die Scheibe ab.

Disturbed haben sich offensichtlich ein Leben im musikalischen Hamsterrad auferlegt. Dort ist es warm und trocken, genug Futter gibt es inzwischen wohl auch, und alle zwei Jahre liefert die Band brav ein neues Album ab. Das trifft auf anhaltend viel Gegenliebe, kein Anhänger wird mit etwaigen Veränderungen verschreckt und auf einer weiteren, gut besuchten Tour funktionieren auch die neuen Sachen mit Sicherheit verlässlich. Dass irgendwo außerhalb des Käfigs noch einige Freiheiten locken, tangiert das Quartett gar nicht. Und strampelt munter weiter. Somit ist "Asylum" ein Album nicht nur mit bekannter und willkommener Zerstörungswut, sondern auch eines mit eingebauter Selbstzerstörung.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Asylum
  • Never again

Tracklist

  1. Remnants
  2. Asylum
  3. The infection
  4. Warrior
  5. Another way to die
  6. Never again
  7. The animal
  8. Crucified
  9. Serpentine
  10. My child
  11. Sacrifice
  12. Innocence
  13. ISHFWILF

Gesamtspielzeit: 52:57 min.

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