Crippled Black Phoenix - I, vigilante

Crippled Black Phoenix- I, vigilante

Invada / Cargo
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ihre zehn Minuten

Man kann sagen, was man will, aber Crippled Black Phoenix sind eine Band, wie es sie heutzutage nur allzu selten noch gibt. Die vielleicht alles verlangt, in jedem Fall aber alles gibt. Jedes tosende Gefühl, jede noch so tiefe Verzweiflung, jeden Horror, jede Niedergeschlagenheit. Eine Band, die erst aufhört, wenn sie sich in den bodenlosesten Abgründen der menschlichen Psyche ordentlich wundgesuhlt hat. Und auch dann etwa nicht, weil sie sich nun endlich zufrieden zurücklehnen könnte, sondern weil sie einfach nicht mehr weiter weiß. Und kann.

Eben dieser Umstand machte die ganze Sache seit dem Debüt "A love of shared disasters" vielleicht nicht schwierig, aber doch ungemein kräftezehrend. Da versteckten sich wahre Monstren an Sorge und Beklemmung. Starrten den Hörer einfach andauernd, unnachgiebig und beharrlich nieder, bis er sich verhext fühlte und sie nur noch fortwünschen konnte. In solch einem ungebändigten Kosmos führt die Ankündigung einer EP mit gerade einmal fünf Stücken postwendend zu einem erleichterten Aufatmen. Dass "I, vigilante" aber ebenso seine Dreiviertelstunde bekommen würde, wie die Songs - in jeglichem Sinne - ihre zehn Minuten haben, war dann trotzdem von vornherein klar. Selbst schuld, wenn man so etwas glaubt.

Und so erzeugen auch Lieder wie "Bastogne blues" immer noch den erwähnten psychischen Strom. Trotz der eigentlich so klaren Klavier- und Streicherarrangements, trotz der irgendwann aufziehenden dröhnenden Western-Gitarren, trotz der maritimen Schunkeligkeit im Rhythmus bauen Crippled Black Phoenix vor allem aus dem Abgrund selbst ihre Musik. Sie kennt eigentlich keine Existenz außerhalb ihrer Entschlossenheit, bindet aber dennoch klare Gesten mit ein - mal als Postrock, mal als Slow-Core und Prog-Rock, immer aber als eine Art Teufels-Soul dechiffrierbar. Das ist die melodiöse, rhythmische und harmonische Seite, die sich jedoch ebenfalls durch ihre eigene Endzeit rollen muss. Auch hierbei bleiben Crippled Black Phoenix kompromisslos. Und konsequent.

So erinnern die Slidegitarren und das Uptempo, mit dem der Zwischenpart des hervorragenden "Troublemaker" davonzieht, durchaus an die Anfangstage einer Alternative-Blues-Institution wie Come. Und schaffen es zudem, ein ebenso drückendes Gefühl in der Magengrube zurückzulassen. Auch "We forgotten who we are" schraubt sich nach seinem Klavierintro mit einem derart unbändigen, doch verdrängten und tiefsitzenden Zorn nach oben, dass man den Song mit wütendem Tritt den Laufstall der eigenen Verzweiflung abschreiten hört - bis Morricone-Frauenchoräle das Ende herbeiwimmern, und es selbst Sänger Joe Volk die Sprache verschlägt.

Wobei auch "I, vigilante" und dem Hörer zum Ende hin die Spucke wegbleiben: Mit dem Cover von Journeys "Of a lifetime" und mit Daisy Chapman als beinahe beängstigend versierter Sängerin vergehen sich Crippled Black Phoenix nicht nur am Classic Rock, sondern bleiben dabei sogar 10 Sekunden unter (ja: unter!) der Laufzeit des Originals. Und der Hidden track "Burning bridges" planscht noch nicht einmal 3 Minuten lang im ABBA-Musical-Pool herum. Falls das - was gut möglich ist - Humor sein soll, so ist auch der weniger doppelbödig als vielmehr eine Falltür direkt ins Universum von Crippled Black Phoenix. Um ihnen dabei bis in die letzten Winkel zu folgen, braucht es schon besondere Gemüter. Denn diese Band ist unnachgiebig in jeglicher Faser ihres Verlangens. Sie braucht, sucht und findet besondere Rezeptionsweisen. Und bleibt auch in puncto Kompromisslosigkeit mit "I, vigilante" sehr kostbar und besonders.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Troublemaker
  • We forgotten who we are

Tracklist

  1. Troublemaker
  2. We forgotten who we are
  3. Fantastic justice
  4. Bastogne blues
  5. Of a lifetime
  6. Burning bridges (Hidden track)

Gesamtspielzeit: 48:28 min.

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User Beitrag
Großes Video
2012-09-18 13:39:34 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=mQXIf_Si9p0
@Raewor
2011-11-30 19:48:59 Uhr
Du warst zu unaufmerksam. Die sind schon relativ bekannt.
Raewor
2011-11-30 19:37:44 Uhr
Ich bin vorgestern auf das ALBUM gestoßen. :) Und höre nix mehr anderes derzeit. Echt verdammt gut.

War ich mal wieder viel zu unaufmerksam oder sind die so unbekannt? Kann ich mir bei der Besetzung und der Qualität gar nicht vorstellen bzw. erklären, wenn es denn so ist.
Greylight
2011-11-30 16:59:02 Uhr
Der böse Schlangengott soll dich holen und dein Herz fressen! Ssssssssssss!
Nur Zur lnfo
2011-11-30 16:53:47 Uhr
1. Troublemaker enthält keinerlei Stonerrock.
2. Das ist eine EP, kein Album.
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