Desert Sessions - Vol. 7 & 8

Desert Sessions- Vol. 7 & 8

Rekords / Southern / EFA
VÖ: 19.10.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Wüste lebt!

Was dieser Josh Homme auch anpackt, überrascht immer wieder aufs neue. Nun präsentiert der Klampfer der Queens Of The Stone Age unter der Mithilfe einer illustren Schar von Musikern als erste Veröffentlichung auf seinem eigenen Label die Teile sieben und acht der legendären Desert Sessions. Dazu gab sich im Tonstudio eine ganze Legion von Hochkarätern die Klinke in die Hand: Mit Mark Lanegan (Ex-Screaming Trees), Alain Johannes und Natasha Schneider (Eleven), Samantha Maloney (Hole), Fred Drake (Earthlings?) und Chris Goss (Masters Of Reality) sind längst nicht alle genannt. Diesem bunt gemischten Kreis merkt man schnell an, daß sich seine musikalischen Vorlieben auf mehrere unterschiedliche Ebenen erstrecken. Die Experimentier- und Spielfreude der Akteure ist förmlich zu spüren. Durch seine ausgefeilten Songstrukturen und die hervorragend instrumentierten Sets erfahren die Wüstensessions eine besondere Note.

Natürlich wird das mitunter konfus wirkende Gebastel und Gejamme ein Mainstream-Publikum eher verschrecken, doch wer die mal schrägen, mal verspielten, mal durchaus geradlinigen Töne liebt, wird sich hier das ein oder andere Juwel genußvoll um die Ohren jagen lassen. Kein Song gleicht dem nächsten. Orientalische Klänge wechseln sich mit Brüllattacken und heißblütig vorgetragenen Riffmonstern ab. Die Handschrift der Beteiligten trägt zu dieser Palette an Unregelmäßigkeiten ohne Frage bei. Dem Schubladendenken wird von vorneweg gleich mal der Riegel vorgeschoben.

Vermutet man am Anfang noch, daß die "Vol. 7 & 8" der Desert Sessions bewußt in fremde Klangsphären eintauchen wollen, wird mit schon mit "Hanging tree" ein anderes Geschütz aufgefahren. In psychedelischer Queens-Tradition wummert der Sound durch die Boxen und macht Lust auf mehr. Bald tritt unweigerlich der ureigene Instinkt des Luftgitarristen in Erscheinung. Augen zu, Matte geschüttelt und und schon fühlt dich der Headbanger völlig in seinem Element. Kurz innehalten - denn auch eine Hommage an alte Led Zeppelin-Stampfer im Stile von "Kashmir" steht auf dem Plan. "Nenada" wird mit einem russischen Refrain abgeschmeckt. Freejazz mit wirrem Saxophon trifft auf eine durchgeknallte Lesung mit Kinderchor und Opernsänger ("Interpretive reading"). Plötzlich werden Fetzen von lockerem Soul aus den Siebzigern verbreitet ("Courvoisier").

Hört sich verrückt an? Ist es auch! Wo nimmt die wilde Truppe nur die Courage, den Enthusiasmus, diese Ideen her? War da gar was anderes als Alkohol im Spiel? Daß aber der musikalische Kosmos hier kaum Grenzen zu kennen scheint, kann einem dann doch zuviel werden. Im Strudel der Eindrücke wird manchem gelegentlich gar schwindelig, daß man sich nach etwas Erholung sehnt. Die aber haben "Vol. 7 & 8" nicht zu bieten. Routine ist schließlich etwas für Schattenparker, nicht aber für Wüstenrocker.

(Martin Nock)

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Highlights

  • Hanging tree
  • Polly wants a crack rock
  • Making a cross

Tracklist

  1. Don't drunk poison
  2. Hanging tree
  3. Winners
  4. Polly wants a crack rock
  5. Up in hell
  6. Nenada
  7. The idiots guide
  8. Interpretive reading
  9. Courvoisier
  10. Cold sore superstar
  11. Making a cross
  12. Ending
  13. Piano bench breaks

Gesamtspielzeit: 39:33 min.

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