Ocean Colour Scene - Songs for the front row - The best of

Ocean Colour Scene- Songs for the front row - The best of

Mercury / Universal
VÖ: 12.11.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Don't look back in anger

Warum macht es nicht jede Band dem Rezensenten so einfach? Ocean Colour Scene veröffentlichen ein Best Of und verraten mit der Tracklist bereits, was sie von ihren einzelnen Schaffensphasen halten: Das selbstbetitelte, völlig unbekannte Debütalbum bleibt außen vor, dafür trägt "Moseley shoals", das für die Band den Durchbruch bedeutete und Oasis (zumindest kurzzeitig) den Brit-Pop-Thron streitig machte, fünf Songs für die erste Reihe bei, dazu kommen zwei Stücke aus dem B-Seiten-Fundus "Seasides & freerides" jener glorreichen Tage. "Marchin already" - nicht weniger erfolgreich - präsentiert sich viermal. "One from the modern", die Nummer drei im Plattenbunde machte deutlich, daß die Band künstlerisch in der Sackgasse gelandet war, und entsendet folgerichtig nur noch drei Stücke. Den Abschluß bildet das im Frühjahr veröffentliche "Mechanical wonder", bei dem es schwer gefallen sein dürfte, jene zwei Songs zu finden, die im Vergleich mit Vergangenem nicht völlig untergehen.

Dabei hatte alles so hoffnungsfroh begonnen: "The riverboat song" und "The day we caught the train" (bezeichnenderweise stand bei beiden Altmeister Paul Weller Pate) zählen zum Besten, was im britischen Königreich in den neunziger Jahren für Aufsehen sorgte. Herzlicher Folk-Pop wurde das Markenzeichen: nie taufrisch, aber immer von edlem Gemüt. Lagerfeuer und Wollkragenpullover als naheliegende Assoziationen und alles so wunderschön verpackt, daß Frauenscharen die Vier zu Ikonen erhoben und auch das männliche Geschlecht sich nicht schämte, auf Konzerten aus vollem Halse mitzusingen. Ausgerechnet "One from the modern" bedeutete den Umbruch, weil klar wurde, daß die Band eben nicht mehr modern war und jenes Konzept, daß zwei Alben lang so fasziniert hatte, durch den Raubbau der Brit-Pop-Welle endgültig ausgelaugt war. Und während alles um sie herum weiterzog und sich neuen Ideen zuwandte, wurde die Ocean Colour Scene zum einsamen Verfechter, der die immer gleichen Songs in immer glatteren Produktionen zu Tode ritt. "Crazy lowdown ways", als neue Single Kaufanreiz für alle, die bereits die Alben der Band im Plattenschrank haben, kommt - wie so oft - stark beatlesk angehaucht daher und macht mit gepflegter Langeweile einmal mehr auf das Dilemma der Band aufmerksam: "La la la / La la la / La la la".

Warum also überhaupt eine Best Of? Ein Blick auf das Thermometer verrät die Nähe zu Weihnachten und die Tracklist, die lieblos alle Hits chronologisch runterspult und (bis auf eine Live-Version von "Robin Hood") nichts bietet, was man als Fan nicht bereits im Schrank hätte, läßt auf den sanften Druck der Plattenfirma als Übeltäter schließen. Wenn die Retrospektive aber schon einmal da ist, sollte sich auch die Band die Chance nehmen, den Entwicklungsprozeß der letzten Jahre zu analysieren und nicht nur im biederen Booklet zu jedem Song einen Zweizeiler verzapfen. Ob aber auch eine intensivere Auseinadersetzung mit der eigenen Vergangenheit ein Umdenken bei einer Band ermöglicht, die Zeit ihres Bestehens in Zitaten schwelgte, scheint zweifelhaft. So erscheint "Songs for the front row" als denkbarer Abschiedsgruß mit jenen Songs der ersten Garde, die immer noch ihre seltsam melancholische Magie versprühen und auf so wundersame Weise Aufstieg und Fall der britischen Musikszene in der Mitte der Neunziger illustrieren.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • The day we caught the train
  • One for the road

Tracklist

  1. The riverboat song
  2. The day we caught the train
  3. One for the road
  4. The circle
  5. You've got it bad
  6. Hundred mile high
  7. Better day
  8. Traveller tune
  9. Get blown away
  10. Profit in peace
  11. So low
  12. July
  13. Up on the downside
  14. Mechanical wonder
  15. Huckelberry groove
  16. Robin Hood (live)
  17. Crazy lowdown ways

Gesamtspielzeit: 66:50 min.

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