Fallulah - The black cat neighbourhood

Fallulah- The black cat neighbourhood

RCA / Sony
VÖ: 20.08.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das dickste Ding

Was wurde nicht schon alles zum Thema Frolleinwunder geschrieben, meist mit einem Hinweis auf Großbritannien? Und tatsächlich: Wie viel gute bis hervorragende Popmusik haben die Frauen von der Insel in Gestalt von Kate Nash, Lily Allen und zuletzt Marina & the Diamonds in den letzten Jahren auf den Weg gebracht! Zumeist etwas schräg, koddrig und oft eben auch stilbildend. Da kann man schon einmal übersehen, dass auch das kleine Dänemark seinen Beitrag geleistet hat. Tina Dico zog mit nettem Singer/Songwriter-Gitarrentum in die Welt, Aura Dione hingegen eroberte mit Chartspop einige europäische Länder. Das neueste dicke Ding aus dem kleinen Land kommt nun in Gestalt der Kopenhagenerin Maria Apetri, die als Fallulah einen Angriff auf Marina Diamandis startet.

Bis auf die Tatsache, dass Fallulah keinen einzigen Hit wie "Hollywood" oder "I am not a robot" im Gepäck hat, gelingt das Unternehmen teilweise hervorragend, vor allem wegen einer stilistischen Bandbreite, die ihresgleichen sucht. Auch wenn der Nerv-Faktor des Openers "Only human" beizeiten enorm sein kann, schafft es Fallulah mit dem darauf folgenden "Hey you" umgehend, die Stimmung zu drehen. Der Song schunkelt sich höher und höher, kommt auf dieser Platte einem Hit am nächsten, und schreddert sich dann am Ende mittels eines aggressiven Gitarrenparts selbst in Grund und Boden. "Use it for good", eines der wenigen ruhigeren Stücke, kommt mit leicht barjazzigem Cabaret-Pop um die Ecke, während "You don't care" größer angelegter Chartspop à la Lily Allen ist, ohne dabei zu verspielt und niedlich zu sein. Höhepunkt der Platte ist aber der Titeltrack, der vor allem aus Percussion und Handclaps besteht und sich mit etwas Voodoo-Anstrich mysteriös um einen Hit herumwindet. Das ist zwar etwas anstrengend, aber auch ziemlich großartig.

Zwar wurde kein einziger Song auf "The black cat neighbourhood" dem Radio zum Fraß vorgeworfen, sprich: Ein gewisses Niveau wird stetig gewahrt. Allerdings gibt es trotzdem zwei, drei Stücke, die den Fluss der Platte stören, und auf die Fallulah gut und gerne hätte verzichten können. "Give us a little love" ist das Paradebeispiel und ein kleiner Gegenentwurf zum Titeltrack. Auch hier bestimmt zwar die Percussion über Wohl und Wehe, diesmal jedoch leider mit dem Ergebnis, dass der Song eher zäh und tendenziell eintönig geraten ist. Je weiter das Album voranschreitet, desto weniger Magie verströmen die Songs und drohen, im Bermuda-Dreieck zwischen Niveau, Pop und Vielfalt baden zu gehen.

Und dann, just wenn der Hörer doch ein bisschen froh ist, dass sich "The black cat neighbourhood" endgültig in das fällige Ende verabschiedet, gibt es noch einmal geradewegs ins Gesicht. Mit dem Abschlusstrack "New York, you're my concrete lover" überrascht die Dänin mit einem funky Uptempo-Rocker, der das Album noch einmal so richtig aus dem Schaukelstuhl reißt. Mit ihrem Debüt beweist Apetri, dass sie die unterschiedlichsten Stile anscheinend mühelos aus dem Ärmel schütteln und in ihr Repertoire einbauen kann. Damit ist Fallulah zeitweise eine künstlerisch anspruchsvollere Variante der UK-Pop-Ladies. Und man kann sich sicher sein, dass sie das nächste große Ding wäre, wenn sie von der Insel käme - und genau danach klingen würde. Beides trifft auf "The black cat neighbourhood" nicht zu. Leider Gott sei Dank.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Hey you
  • The black cat neighbourhood
  • New York, you're my concrete lover

Tracklist

  1. Only human
  2. Hey you
  3. Bridges
  4. Use it for good
  5. You don't care
  6. Work song
  7. I lay my head
  8. The Black cat neighbourhood
  9. Give us a little love
  10. Hold your horses
  11. Back and forth
  12. New York, you're my concrete lover

Gesamtspielzeit: 40:03 min.

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