Hurts - Happiness

Hurts- Happiness

RCA / Sony
VÖ: 27.08.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Neue Romantik

Es wurde viel geschrieben über das Recycling der achtziger Jahre. Käsige Sounds, unterkühlte Stimmen und grellbunte Klamotten dienten mehr als einmal als halbherziger Vorwand für Querverweise zu Synthpop und New Wave. Allzu leicht überhörte man dabei, dass zu Beginn jenes Jahrzehnts neue Klänge nicht nur Mittel zum Zweck, sondern vor allem auch Ausdruck einer Geisteshaltung waren. "New Romantics" war das Stichwort, das die schick gekleideten Herren mit Dackelblick und umgehängten Keyboards verband. In späteren Jahren war derart überzogene Stilistik jedoch schnell der Lächerlichkeit preisgegeben.

Doch genau hier setzten Hurts aus Manchester ein: Nur wer sich mit aller Ernsthaftigkeit selbst seinen banalsten Gefühlen aussetzt, kann sie zu großer Kunst transformieren. Natürlich ist das Kitsch, aber das ist nicht das Thema. Die größte Geste ist schließlich gerade einmal gut genug, um von Liebe und Verzweiflung zu singen. Kaum einem Song gelang dies in den letzten Jahren vortrefflicher als "Wonderful life". Weiches Moll suppt aus dem Synthesizer, der matte Beat symbolisiert den Trübsinn, und Theo Hutchcraft scheitert glamourös daran, Fassung zu bewahren. "Don't let go / Never give up, it's such a wonderful life." Falls man dieser Melodie immer noch nicht verfallen ist, gibt einem das Saxophon den Rest. Und schon hyperventiliert die Blogsphäre.

Hurts verbinden auf ihrem Albumerstling allgemeine Tristesse mit überbordender Dramatik. Bombast ist da nur ein gelassenes Wort. Jede andere Band hätte man schon für die erste EP wegen Pathos und Prätention hingerichtet. Bei den Mancunians jedoch wirkt nicht nur der schmierige Bläserklang absolut angemessen. Auf "Happiness" warten elf gloriose Schmachtfetzen, die nach Videos von Anton Corbijn schreien. Schon das eröffnende "Silver lining" deutet erst kühles Puckern an, um dann mit Glockenklängen gen Himmel zu fahren. "Blood, tears & gold" übt sich in jener Disziplin, die in den Achtzigern zur großen Melancholie-Kunst wurde: dem Hadern. "I never thought I could forget you / I never thought I'd be the man I am now / Just 20 seconds since I left you." Warum warten, wenn man auch spontane Gefühle gigantisch aufblasen kann?

Hurts wissen, dass Melancholie im langsamen Tempobereich am Besten zur Geltung kommt. Zwei Drittel von "Happiness" lassen den Kopf im Takt nach unten hängen. Der Regen, das Unglück, die Tränen - wie passend! Es geht aber auch anders: "Sunday" pirscht verwegen in Richtung Italo-Disco, und "Better than love" erlaubt sich mit wuchtigen Blitzlichtern und Bollerbass gar beinahe so viel Schwung, dass das maßgeschneiderte Hemd Schweißflecken bekommt. Doch auch wenn die Beats sich mal ein Herz fassen, denkt man bei all der schwermütigen Stilsicherheit kaum an Hedonismus, sondern eher an Operetten. Und dann singt bei "Devotion" ausgerechnet Kylie Minogue mit. Einmal mehr geht es um Unglück, Zerbrechlichkeit und Verlust. Hurts brauchen keine Anleitung zum Unglücklichsein, sie beherrschen sie perfekt. Und doch könnte kaum ein Albumtitel treffender sein als "Happiness". Denn der wahre Romantiker findet sein Glück im Leiden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Silver lining
  • Wonderful life
  • Evelyn
  • Unspoken

Tracklist

  1. Silver lining
  2. Wonderful life
  3. Blood, tears & gold
  4. Sunday
  5. Stay
  6. Illuminated
  7. Evelyn
  8. Better than love
  9. Devotion
  10. Unspoken
  11. The water

Gesamtspielzeit: 47:54 min.

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User Beitrag
ein Mädchen
2011-07-05 18:11:04 Uhr
@RaR
Wenn das stimmt, dass du dich nur deshalb vor ihre Bühne gestellt hast, um sie auszubuhen, finde ich das witzig.
Dass du's dann nicht gemacht hast...naja...
PQ
2011-07-05 18:09:02 Uhr
Hurts waren bei ROCK AM RING ??????

War der beste Auftritt nicht der von System Of A Down?
Ich hab's nur im Fernsehen gesehen, daher meine Frage.
RaR
2011-07-05 16:01:50 Uhr
Definitiv der beste Auftritt beim diesjährigen Rock am Ring. Habe mich eigentlich an ihre Bühne gestellt um sie danach auszubuhen, aber ich konnte einfach nicht... so ungern ich es auch zugebe.
igitt feat.. kingbritt
2011-04-05 17:42:06 Uhr
. . . na dann, weiterhin viel Spaß unter der Dusche!

der völkische beobachter
2011-04-05 17:38:19 Uhr
ha ha... das war lustig! :)
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