Roman Fischer - Roman Fischer

Roman Fischer- Roman Fischer

Vertigo / Universal
VÖ: 23.07.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Eine unter vielen

Neulich dürften sämtliche Humangeographen die Rotstifte und Filzmarker gezückt haben: Seit diesem Frühjahr lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Insbesondere auf junge, kreative und gebildete Menschen wirken urbane Lebensräume äußerst anziehend: Die Mannigfaltigkeit an Clubs und Ausgehmöglichkeiten, eine Vielzahl kultureller Einrichtungen, interessantere, weil pluralere Lebensformen. Wer in einer kleineren Stadt wohnt, der folgt auch nicht selten dem Ruf einer größeren. So kommt es, dass auch Roman Fischer seine Zelte in Augsburg abgebrochen hat und dem verlockenden Ruf Berlins gefolgt ist.

Sein drittes Album markiert nun den Neubeginn: Auf den ersten Blick wirkt alles pompöser, größer, extravaganter, vielleicht auch etwas affektierter. Allein wie das Album seine Tore öffnet: "Into the head" könnte auch den neuen Editors geschuldet sein, hätte Fischer doch nur eine Grabesstimme. Generell setzt Fischer vermehrt auf elektronische Flächen, trägt dick auf und macht nicht einmal halt vor Stadionchören: Die Single "Not for everyone", an sich grandios komponiert, kugelt sich beim Armeausbreiten die Schultern aus. Auf textlicher Ebene spielen indes Selbstzweifel, die Angst vor dem Verlust der Jugend und das Großstadtleben eine große Rolle.

Eines ist Roman Fischer hoch anzurechnen: Sein drittes Album wird nie langweilig, die zwölf Stücke beherrschen sowohl Get-Well-Soon-Pomp, als auch aggressiveren Elektro-Punk, wie im auffälligsten Stück der Platte: "All night all day" klingt wie eine Zoot-Woman-Komposition auf gestrecktem Kokain, bis Roman Fischer zur Mitte hin die englischen Worte im Hals stecken bleiben und der Song teilweise ins Deutsche kippt. Eines ist klar: An diesem Album werden sich die Geister scheiden. Doch beweist Fischer ein Händchen für große Pop-Kapriolen, die sich respektvoll vor den 80ern verneigen. Aufgenommen wurden einige dieser Tracks übrigens in einem anderen, europäischen Epizentrum jugendlicher Kreativität: Fischer ging nach Schweden und arbeitete dort mit Patrik Berger zusammen, der auch schon mit Robyn unter einer Decke steckte.

Fischer gelingt ein weiteres intimes Album, nur dass er es - im Gegensatz zu den beiden Vorgängern - mit einer großspurigen Inbrunst vorträgt, die man von ihm so noch nicht kannte. Dieses neue Gewand steht ihm in den meisten Fällen gut. Sein drittes Album ist so tatsächlich ein vibrierendes, atmendes Stadtalbum geworden. Eine Platte, die sich in edlen Stadtlofts genauso wohl fühlt wie in stickigen Clubs. Trotzdem ist Roman Fischer kein schwarz-tragender Stadtaffe, vielmehr wirkt er wie eine deutsche Version eines Brian Molkos, der sich auf die Suche nach seinem eigenen Ich begeben hat. In der großen Stadt. Als ein Individuum unter vielen Menschen. Er wäre zumindest nicht der Erste, der sein kleines Glück im Großen findet.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Not for everyone
  • Lightscapes
  • Some other man

Tracklist

  1. Into your head
  2. We'll never meet again
  3. Not for everyone
  4. Let it go
  5. Lightscapes
  6. Beware
  7. Some other man
  8. Sequels
  9. Out of control
  10. All night all day
  11. Sooner or later
  12. Carpet

Gesamtspielzeit: 36:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Champ
2011-07-09 16:33:34 Uhr
Oh yeah, falbuous stuff there you!
bzrxzvxgd
2011-07-09 09:22:49 Uhr
WoS38t uzichqphqfmf
Trisha
2011-07-08 12:39:25 Uhr
Woah nelly, how about them apleps!
Cassara
2011-07-06 15:30:34 Uhr
Do you have more great atricels like this one?
Blanket_Skies
2011-01-12 16:39:07 Uhr
Live gesehen. Positiv überrascht gewesen. Hey, mal n deutscher talentierter Songwriter. Und dann n paar Songs im Inet angehört. Schrecklich glatt, alles. Schade!
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