Eels - Tomorrow morning

Eels- Tomorrow morning

E Works / Cooperative
VÖ: 20.08.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das gute Leben

Wenn Mark Oliver Everett jemand wäre, der erleichtert aufseufzt, hätte er es jüngst bestimmt getan. Wieder einmal hat sich der Künstler mit dem bewegten Leben mit seiner Musik selbst aus einem Tief herausgestemmt: Gerade 15 Monate brauchte E für seine kathartische Alben-Trilogie rund um eine gescheiterte Beziehung, vom erotischen Zündfunken des Verlangens auf "Hombre lobo. 12 songs about desire" über die lebensmüden Selbstzweifel von "End times" bis hin zum finalen "Tomorrow morning" - auf dem das Leben dem gebeutelten Großkauz zum vielleicht ersten Mal wirklich so etwas wie Glück und Zuversicht gewährt.

Schon die Tracklist liest sich wie ein einziges Aufatmen, und der parabelhafte Gedanke vom Wert eines neu anbrechenden Tages aus dem Albumtitel findet sich neben dem zarten Instrumental-Opener (circa die Eels-Variante von Edvard Griegs "Morgenstimmung") auch in "The morning" wieder: "Why wouldn't you want to make / The most of it?" In dem programmatischen "I'm a hummingbird" schlägt E sogar den Bogen zurück zu der Schönheit und Freiheit, die auf "The beginning" vom Vorgänger noch trügerisch blieb, nun aber - nach all den Tagen, Monaten und Jahren voll erduldeter Schicksalsschläge - vorbehaltlos gilt: "It was all worth it / To be here now / I'm a hummingbird / Beautiful and free."

Die Musik dazu klingt, als hätte "Daisies of the galaxy" seinen Sarkasmus abgelegt und das von Krebs und Tod zerfressene "Electro-shock blues" zu einem wahrhaftigen Dauerlächeln bewegt. Oft klackern Drumcomputer, pluckern synthetische Keyboards über warme Elektro-Orgeln und schmiegen sich einsame Glockenspiele und windschiefe Streicher an Loops. So wird aus "Baby loves me" ein ebenso lässiger wie bissiger Elektro-Groover, quasi ein skelettierter Nintendo-Souljacker. "This is where it gets good" gönnt sich dann nicht nur einen aufdringlichen TripHop-Breakbeat, sondern hängt an den Zwei-Minuten-Song nochmal vier Minuten instrumentales Outro an - eine geniale Frechheit.

Kälte schleicht sich dabei jedoch nie ein. Wer könnte der überbordenden Herzenswärme von "Oh so lovely" auch schon etwas entgegensetzen, wenn sich der elektrifizierte Cembalo-Walzer zum Refrain hin in die Zirkusmanege dreht und E anhebt: "Now how can I tell you how grateful I am?" Ähnlich viele Details zum Entdecken hält das abschließende "Mystery of life" bereit, das nach Kopfstimmen-Vocals und spacig verziertem Abwärts-Groove erst im Refrain mit weiblichem "Lalala" die Tore zum episch verschrobenen Prunk-Pop weit aufstößt. In diesem Moment klingt das Album so groß und weit, wie sich E mutmaßlich fühlen muss.

Man könnte noch viel von "Tomorrow morning" erzählen. Von "I like the way this is going", bei dem E so großartig liebesbesoffen den banalen Alltag einer Beziehung zum Himmel auf Erden verklärt, wie es nur Verliebte können. Von "Looking up", dem haarsträubend selbstironischen Gospel-Gottesdienst eines Erlösten. Von einer simplen Gitarren-Kontaktanzeige wie "What I have to offer", die sich mit disharmonischen Geigen vor der Verkitschung rettet. Wichtig bleibt: "Tomorrow morning" ist für ein auf so direkte und aufrichtige Art glückliches Album äußerst vielschichtig und spannend geworden. Da wünscht man E dann erst recht alles erdenklich Gute.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • I'm a hummingbird
  • Oh so lovely
  • Looking up
  • I like the way this is going

Tracklist

  1. In gratitude for this magnificent day
  2. I'm a hummingbird
  3. The morning
  4. Baby loves me
  5. Spectacular girl
  6. What I have to offer
  7. This is where it gets good
  8. After the earthquake
  9. Oh so lovely
  10. The man
  11. Looking up
  12. That's not her way
  13. I like the way this is going
  14. Mystery of life

Gesamtspielzeit: 46:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Wolffather
2010-12-01 22:34:03 Uhr
mittlerweile finde ich die Hombre Lobo ziemlich gut, die hat durchaus ihre Daseins-Berechtigung... End Times und Tomorrow Morning finde ich ganz nett, aber im Endeffekt sind auf beiden zu viele Füller und Selbstzitate drauf, aber auch einige gute Songs...

@Walt und Konsum

also zumindest die Electro-Shock Blues und die Souljacker finde ich unverzichtbar
Walt
2010-12-01 22:27:04 Uhr
Eigentlich ist alles nach "Beautiful Freak" überflüssig. Und nein, das sage ich nicht nur, um zu provozieren.

Find ich eigentlich auch, auch wenn der ein oder andere gute Song schon entstanden ist.
Konsum
2010-12-01 22:24:11 Uhr
afromme
...
Bin aber weiterhin der Meinung, dass alles nach der Souljacker eigentlich überflüssig ist und vor sich hinplätschernd im Selbstzitat ohne große Entwicklung hängen bleibt.



Eigentlich ist alles nach "Beautiful Freak" überflüssig. Und nein, das sage ich nicht nur, um zu provozieren.
diggo
2010-12-01 22:09:02 Uhr
hab mir gerade die bonus-cd wiedermal angehört. kann mir mal jemand erklären, warum die besten songs nur auf dieser erhältlich sind?? zum glück hab ich mir diese version zugelegt :-)
OD
2010-11-25 15:49:33 Uhr
Hombre Lobo 8/10
End Times 6/10
Tomorrow Morning 6/10
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