Quest - Killer

Quest- Killer

Golden Core / ZYX
VÖ: 29.10.2001

Unsere Bewertung: 1/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Volles Rohr

Die unheilvolle Bekanntschaft mit einer öffentlichen Toilette mußte in einer dringlichen Notsituation wohl jeder von uns schon einmal machen. Manche Dinge passieren eben schneller als man denkt, und dann bleibt eben nur noch die Qual anstatt der Wahl zwischen der Grafitti-Baracke und einem Fünf-Sterne-Thron mit automatischer Desinfektion und Lavendelduft aus Dosen. Immerhin kommt man so jedoch in den seltenen Genuß von allerlei Grenzerfahrungen und Hoffnungen. Die Hoffnung beispielsweise, alle debilen Klosprüche dieser Welt auf einmal gelesen zu haben und damit in Zukunft nichts und niemanden mehr fürchten zu müssen. Die Hoffnung, die merkwürdige Färbung des Toilettenpapiers sei dem Recycling-Gedanken zuzuschreiben. Und nicht zuletzt die Hoffnung, bei der gelblichen Brühe auf dem schimmligen Boden handle es sich um nichts als umgekippte Orangenlimonade in ihrer reinsten Form. Aber es hilft alles nichts, da muß man jetzt durch - oder genauer: drauf.

In etwa derselbe Ekel würde einen unwillkürlich überkommen, wenn man an einen gewöhnlichen Stuhl gefesselt und der Peiniger mit der Quest-CD "Killer" wedeln würde. Ein elektrischer Stuhl wäre dagegen ein Kindergeburtstag. Vier böse dreinblickende Musikanten aus Paderborn dreschen auf weit über einem Dutzend Tracks auf ihre Instrumente ein, während die beiden dunkelhäutigen Rapper Jamal und Shock ihre Raps mit einem Flow herausschütten, die dem einer Wasserflasche mit kaputtem Schraubverschluß gleichkommt. DJ Razor indes sollte die Klinge lieber nutzen, um die Bärte seiner Scratches abzuschneiden. Zu allem übel ist die Authentizität, die die Band dabei an den Tag legt, in etwa mit der der funkelnden Rolex-Uhren vergleichbar, die der freundliche Inder an der Straßenecke in seiner Mantel-Innentasche feilbietet.

Die sieben Fliegenköpfe schaffen es mit ihrem Rap-Kreuzüber doch tatsächlich auf einen Streich, die Schwachköpfe von 4lyn, Limp Bizkit und Dog Eat Dog zu unterbieten. Wenn das mal keine Leistung ist. Dabei gehen Quest mit einem Höchstmaß an Experimentierfreudigkeit vor. Auf "Going down" eruieren sie, wie oft das an sich schon fragwürdige Wort "nigga" in einen einzigen Song paßt. Mit "Wirklich" wird geprüft, wieviele Peitschenhiebe ein Gast wie Xavier Naidoo-Klon Carl Keaton braucht, bis er aus einem grottigen Song einen erträglichen macht. Und auf "Rockcella" wird ausgelotet, wieviel textlicher Dünnpfiff in einen Song muß, damit die die Geschmackspolizei in höchste Alarmstufe versetzt ist und das Tatütata anwirft: "Yo, I got a dog or should I say a brother / Ain't got the same mother but we do for one another". Das tut weh. Siehe Cover.

Womit wir wieder bei der schmerzhaften Ausgangsposition und dem öffentlichen Klohäuschen wären. Denn auch wenn im Falle von Quest mit dem nötigen Druck der entscheidende Aspekt fehlt, hilft auch hier nur der Grundsatz eines jeden Toilettenbesuchers: Entledigen, sofort! Und bitte kräftig spülen!

(Armin Linder)

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Highlights

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Tracklist

  1. Intro
  2. Going down
  3. Holdin it down
  4. Killer
  5. Dough right here
  6. Wirklich
  7. Rockcella
  8. Trax to the max
  9. Get it right
  10. Entry
  11. Lady dady
  12. Crazy
  13. Nasty
  14. Lonely
  15. Crosstown traffix
  16. Mad profs
  17. Love Jones
  18. Killer (Megaherz Remix)
  19. Killer (Peter's Killer Mix)

Gesamtspielzeit: 68:44 min.

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