Zola Jesus - Stridulum II

Zola Jesus- Stridulum II

Souterrain Transmissions / Rough Trade
VÖ: 20.08.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Abrakadabra

Eigentlich sollte Nika Roza Danilova a.k.a. Zola Jesus dankbar sein, dass es Leute wie Heinrich von Nettersheim gab. Menschen, die sich gegen die Verbrennung mutmaßlicher Hexen auflehnten. Denn eines steht fest: Hätte sich diese grausame Praxis in die neueste Neuzeit gerettet, Zola Jesus wäre höchstgefährdet. Jeder, der ihr verstörendes Debüt-Album "Stridulum II" zu Gehör bekommt, das sich aus der EP "Stridulum" und drei neuen Tracks zusammensetzt, wird bestätigen können: Der Tatbestand des schwarzen Zaubers, der düsteren Macht, der Beschwörung wird hier erfüllt.

Das Album wird von "Night" eröffnet, einem unumstößlich-eleganten Electropop-Song, der erst leise Verse flüstet, bevor sich Danilovas Stimme erhebt: "It's getting late / It's getting dark / In the end of the night / I can feel your warmth." Morbide, aber schön. Also ganz so, wie sich das Siouxsie & The Banshees, Fields Of The Nephilim und Co. alles mal beim Gänseblümchenpflücken im Regenbogenland ausgedacht haben. Doch Zola Jesus verharrt nicht in den 80ern, sie gibt den Blick auf ihren Plattenschrank frei und lässt beispielsweise erkennen, dass sie Nine Inch Nails zum Frühstück vernascht. Die seligen Yellow Swans sind ihr wohl auch ein Begriff, und mit Xiu Xiu sitzt sie ab und zu im Sandkasten, um gemeinsam unter dem Namen Former Ghosts mit den lustigen Spritzen zu spielen.

Industrial und Noise schweben um "Stridulum II" wie die Motten um nächtliche Straßenlaternen. Viele Songs wirken wie hagere Skelette, die nur darauf warten, mit Muskeln und Fett behangen zu werden. Doch Zola Jesus verzichtet auf anatomische Korrektheit - zugunsten der Atmosphäre. Immerhin funktioniert das Nervensystem prima: Elektronisch-düstere Flächen, wohin das Ohr auch hört und Danilovas Gesang, der zwischen Sirene und Geisterstundenchöre pendelt, dazu stoisch klappernde Drums, die Zola Jesus in "Sea talk" Geleitschutz geben. Und wenn in "Lightsick" das Piano erklingt, ist die Welt ein Stückchen trauriger. Gelebter, geliebter Zwangspessimismus, vorgetragen mit Kajal und schwarzen Fingernägeln. Ist das schon wieder Goth?

Nö! "Stridulum II" hat dann doch zu wenig mit Kitsch und Schmonz am Hut, bleibt stets geschmackvoll und dezent. Eine verhängnisvolle Version des elektronischen Female-Pops wird hier präsentiert: Zola Jesus ist das Negativbild zu La Roux, Little Boots und all den anderen. Sie verkörpert das Abstoßende mehr als das Attraktive, ist eher übersinnlich als bodenständig. Eine morderne Hexe, gar? Nur gut, dass man 2010 andere Methoden gefunden hat, mit diesen Damen umzugehen. Stichwort: Schokosoße, siehe Cover. Hex, hex.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Night
  • Trust me
  • Sea talk

Tracklist

  1. Night
  2. Trust me
  3. I can't stand
  4. Run me out
  5. Stridulum
  6. Manifest destiny
  7. Tower
  8. Sea talk
  9. Lightsick

Gesamtspielzeit: 34:19 min.

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