Dan Sartain - Lives

Dan Sartain- Lives

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 04.06.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wolf im Wolfspelz

Wer hat Angst vorm bösen Wolf oder dem bösen Dan Sartain? Niemand? Muss man auch nicht. Denn der aus Birmingham, Alabama stammende Musiker bevorzugt nicht die Überholspur, sondern den Mittelstreifen einer achtspurigen Autobahn: verspult und rücksichtslos im positiven Sinne, wobei sich Gegenwind und Gegenverkehr flugs in Wohlgefallen auflösen. Jeder Anflug von Proletenhaftigkeit oder, eleganter ausgedrückt, jede provinzielle Idiotie ist ihm dabei jedoch fremd. Auch auf seinem dritten Album, das die beiden Vorgänger miteinander kurzschließt und mit "Walk among the cobras IV" sogar ans Debüt "Dan Sartain vs. The Serpientes" anknüpft, auf dem die ersten drei Teile des Songs zu finden waren. Es poltert lässig, aber mit Karacho, der Beat ist höchst eingängig, und alles zusammen macht glatt den Libertines Konkurrenz. Dazu fahren die Gitarren empor, und am Ende heißt es "Go! Go! Go!" Doch keine Bange: Hier wird niemand gefressen.

Sartain kann nämlich auch einen Gang herunterschalten wie im bitterbösen, bluesigen "Atheist funeral". Ob das zynisch, sarkastisch oder ernst gemeint ist, bleibt unklar, ist aber herzlich egal, wenn die Faust bei aller Sachtheit auch einmal auf den Tisch haut. Kein Wunder, dass Jack White zu den Fans des Amerikaners gehört, denn bei dieser Coolness und diesem lockeren Getrommel sind die White Stripes nicht weit. Auch sonst ist Abwechslung Trumpf und Voranschreiten Pflicht: Mit "Ruby Carol" halten etwas beschwingtere Momente Einzug in "Lives", bei "Bad things will happen" wird es gar träumerisch balladesk. Das Tempo wird gedrosselt, und der Protagonist erscheint auf einmal wie der Wolf im Schafspelz oder wenigstens in Menschengestalt, bis "Whatcha gonna do?" nach und nach ordentlich Orgeln auffährt und zwischen Punk und Rockabilly schwankt.

Und nach einer halben Stunde ist "Lives" auch schon wieder zu Ende. Es muss wohl doch eine Autobahn in Luxemburg oder auf Rhode Island gewesen sein. Keiner der 13 Songs überschreitet die Drei-Minuten-Marke, obwohl einigen von ihnen eine längere Spielzeit gut zu Gesicht gestanden hätte, um sich ins Innenohr zu bohren und im Gehirn festzusetzen. Doch Kompromisse kommen bei Sartain nicht in die Tüte, auch wenn man sich nach jedem Durchlauf wundert, dass dieses Album schon wieder vorbei ist und nicht noch mehr Kurzepen wie "Yes men" auf einen warten: dreckig, schön und mit Schlagseite düstere The Coral oder The Monochrome Set. Also nichts wie Sonnenbrillen raus und lautstark das Motto des letzten Albums wiederholt: "Join Dan Sartain".

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Those thoughts
  • Walk among the cobras IV
  • Atheist funeral
  • Yes men

Tracklist

  1. Those thoughts
  2. Doin' anything I say
  3. Bohemian grove
  4. Prayin' for a miracle
  5. Walk among the cobras IV
  6. Atheist funeral
  7. Ruby Carol
  8. Bad things will happen
  9. Voo doo
  10. Whatcha gonna do?
  11. I don't wanna go to the party
  12. Yes men
  13. Touch me

Gesamtspielzeit: 30:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Wolffather
2010-08-12 13:10:05 Uhr
das Album ist fantastisch
Rick
2010-08-12 07:37:48 Uhr
Wow, die Rezi ist ja richtig euphorisch...
kingsuede
2010-08-07 00:11:47 Uhr
Rezension folgt auch noch verspätet.
Wolffather
2010-07-18 17:08:59 Uhr
fantastisches Album, gefällt mir fast besser als die Vorgänger... irgendwie ausgereifter und abwechslungsreicher
Rick
2010-06-25 08:13:01 Uhr
@virginia: Das Album lebt halt auch vom Reiz des Neuen und dem Charme der Lo-Fi-Produktion...das neue Album finde ich bisher echt gut...die ewigen Vergleiche in die Richtung eines Quentin Tarrantino-Sountracks mag ich aber nicht so richtig verstehen...naja die Scheibe macht Spaß...im Herbst wird sie mir aber wahrscheinlich noch besser gefallen...so stimmungsmäßig...
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