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Pulled Apart By Horses - Pulled Apart By Horses

Pulled Apart By Horses- Pulled Apart By Horses

Transgressive / Cooperative / Universal
VÖ: 30.07.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bis aufs Blut

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Der quengelige Schreihals Ben Kowalewicz und seine drei Billy-Talent-Kompagnons sind in einer dunklen Kammer eingekerkert. Oder - noch besser - einem, dem ersten Teil der doch ziemlich blödsinnigen "Saw"-Reihe nachempfundenen Badezimmer. Überall stehen ziemlich spitze Sachen herum, die pieksen und generell eher Schmerzen bereiten: Morgensterne, eine eiserne Jungfrau, vielleicht sogar zwei, drei Kettensägen. Besitzer der Folterkammer ist Noise-Guru Andy Falkous. Genau, der Andy Falkous, der den leider von uns gegangenen McLusky vorstand. Sein Lieblingshobby: Nun ja, das kann man sich nun denken. Der Soundtrack dazu kommt von Pulled Apart By Horses, einer englischen Band, die zwar mit McLusky nichts direkt zu tun haben, deren Name aber schon eher martialisch daherkommt. Passt also.

Das Quartett aus der Arbeiterstadt Leeds scheut bei aller Brachialität der eigenen Musik jedoch nicht den Kontakt zu den eher Zartbesaiteteren, so spielten sie schon Gigs mit Muse und den Editors. Das Publikum dürfte sichtlich erschüttert gewesen sein, bei all dem Gebrüll und manischen Getue. Nun gut, für tight gespielten Neo-Grunge gäbe es einen großen Absatzmarkt, würde die Genre-Bezeichnung nicht schon so grenzdebil hanebüchen klingen. Leute, die morgens zwei Viertelpfünder essen und anschließend mit Bourbon nachspülen, werden mit dieser Platte mit Sicherheit viel anfangen können. Genauso, wie all diejenigen, die behaupten, ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead seien seit "Worlds apart" nicht mehr ernst zu nehmen. Was ja wiederum ziemlicher Quatsch ist.

Pulled Apart By Horses lassen ihre Gitarren klingen wie Kreissägen, die Shouts und Growls evozieren Bilder von blutspuckenden Zombies. Klar ist, dass man sich wohl nicht oft genug in Situationen befinden kann, in denen man Songs hören möchte, die blutspeiende Monster ins Gedächtnis rufen. Ein großer Pluspunkt dieses Debüts ist der Umstand, dass kaum ein Release 2010 so viel Energie versprühte, die dicken Eier in so enge Leggings packte, klang wie ein wild gewordener Bastard aus noisigem Grunge, Hardcore, Mathrock und einer ordentlichen Portion T-Bone-Steak in Red-Bull-Marinade. Nicht immer ist das gut, aber meistens voll auf die Zwölf.

An manchen Stellen würde es vielleicht nicht schaden, den rasenden Post-Hardcore-Anteil zugunsten des prinzipiell doch sehr schicken Math-Rocks, der hier und da durch die verschorfte Kruste blinzelt, herunterzuschrauben. Musik, die man beim ersten Date nicht unbedingt spielen sollte, außer die Braut ist tatöwiert und öffnet Bierflaschen mit Augenlidern. Pulled Apart By Horses sind eher Handwerker als Feingeister, aber das ist gut und richtig so. Es kann nicht jeder Adorno zitieren oder sich sein Hirn über Descartes zermartern. Wer sollte denn sonst den Folterkammerblues spielen? Eben.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • High five, swan dive, nose dive
  • Yeah buddy

Tracklist

  1. Back to the fuck yeah
  2. The crapsons
  3. High five, swan dive, nose dive
  4. Yeah buddy
  5. I punched a lion in the throat
  6. I've got guestlist to Rory O'Hara's suicide
  7. Get off my ghost train
  8. Meat balloon
  9. Moonlit talons
  10. The lighthouse
  11. Den horn

Gesamtspielzeit: 35:53 min.

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