The Magic Numbers - The runaway

The Magic Numbers- The runaway

Cooperative / Universal
VÖ: 23.07.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eine schrecklich nette Familie

Es war also so, dass die Magic Numbers eine Auszeit brauchten. Romeo reiste mit Kumpel Damon Albarn nach Lagos, Michele gebar eine Tochter namens Maisie, Angela brachte die Band The Boxer Rebellion in Stellung, und was Drummer Sean in der Zwischenzeit trieb, weiß keiner so genau. Doch was eine echte familiäre Kommune sein will, die fällt immer wieder in die vertrauten Arme. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die beiden Geschwisterpaare erneut im Proberaum vereinten, frische Songs schrieben und nebenbei ein eigenes Studio aus dem Boden stampften. Von wegen "Forever lost".

"The runaway", der Titel des dritten Albums der Engländer, ist doppel-, dreifach, vierfach deutig. Klar - die Entfremdung. Und die Erfahrungen fernab von Musik und Geschäft. Hat "The runaway" erst einmal Fahrt aufgenommen, leuchtet der Sinn des Titels jedoch wie ein heller Stern über diesen verschrobenen, ergreifenden Songs. "The runaway" ist die Geschichte einer Band, die aus zwei Bruder-Schwester-Paaren besteht, die sich seit circa immer kennen und längst in einem eigenen Kosmos kommunizieren, für den der Rest der Menschheit niemals Zugang erhalten wird. Höchstens eingeschränkten, passiven.

Denn wie ein Strudel reißt die Atmosphäre der Platte den Hörer tief in das Innere dieser Welt der Magic Numbers. Diese fantastische Zartheit im zerbrechlichen "Only seventeen" zeugt von solcher Intimität und gegenseitiger Vertrautheit der Musiker, dass kein Haar mehr dazwischen passt. Dieser unterschwellige Soul, der in den Stimmen von Romeo, Michele und Angela steckt, explodiert beinahe vor Liebe. Die Gitarren stecken voller Glück, das Schlagzeug voller Hoffnung und die unzähligen genutzten weiteren Instrumente voller Feinfühligkeit und Inspiration.

Es ist hier ein bisschen so, als ob Marvin Gaye mit den Bee Gees musizieren würde, nachdem sie zusammen die Beatles-Platte "Let it be" neu eingespielt hätten. Der Gewinner dieses großen Guss ist kein einzelner Song. Es ist die Familie dieser Songs. Die Verwandtschaft reicht vom tanzbaren Disco-Zwielicht "Throwing my heart away" über den Streicherwahn im schwelgenden "The song that no one knows" bis hin zur dramatischen Explosion von "I'm sorry". Nichts deutet hier darauf hin, dass dieses Album von einer Platin-Band eingespielt wurde. Es ist ein Album sensibler Künstlerseelen, die Musik als Elixier begreifen. Mit der Bitte um Verständnis.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Throwing my heart away
  • Only seventeen

Tracklist

  1. The pulse
  2. Hurt so good
  3. Why did you call?
  4. Once I had
  5. A start with no ending
  6. Throwing my heart away
  7. Restless river
  8. Only seventeen
  9. Sound of something
  10. The song that no one knows
  11. Dreams of a revelation
  12. I'm sorry

Gesamtspielzeit: 54:43 min.

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