Knut - Wonder

Knut- Wonder

Conspiracy / Cargo
VÖ: 06.07.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Muss das sein?

Grundsätzlich ist Narrenfreiheit ja das höchste Gut in der Kunst. Da ist - wie im Krieg und wie in der Liebe - angeblich alles erlaubt, um den Zuhörer, -schauer, -riecher zu begeistern, zu provozieren oder einfach nur zum Stehenbleiben zu bringen. Kein Wunder also, dass in der Musik immer wieder Extreme ausgelotet werden. Bisher hat sich noch immer ein Publikum gefunden. Trotzdem darf die Frage gestellt werden, wie atonal Tonfolgen sein dürfen, um noch als Musik durchgehen zu können. In Sachen Langsamkeit haben Bands wie SunnO))) Maßstäbe gesetzt, in Sachen Lautstärke Manowar, die immerhin als lauteste Band der Welt im Guinness-Buch der Rekorde stehen.

Knut versuchen es mit Sludgemetal und Noiserock und basteln daraus Songs, die so klar strukturiert sind, dass sie Musik sein müssen und so disharmonisch sind, dass sie es nicht sein können. Einfach reinhören kann man in "Wonder" nicht. Man muss ein wenig schmerzresistent sein und Durchhaltevermögen mitbringen. Knut machen es nur insofern leicht, als dass sie zunächst mal ein paar knappe Zweiminüter aus dem Hut zaubern. "Suckers" zum Beispiel ist ein mutierter Punkrocker, dessen Riffs in die Mathcore-Mangel genommen und so lange abgeleitet werden, bis nur noch pure Wut übrigbleibt.

Die Halbwertszeit einzelner Passagen schrauben Knut auf das absolute Minimum herunter. Sich wiederholende oder wiedererkennbare Passagen reduzieren sich auf kurze Fragmente. "Fast forward bastard" ist gar der Geräusch gewordene Nihilismus. Rhythmus und Takt zerfließen zu kaum nachvollziehbaren Tonfolgen jenseits jeglichen Geschwindigkeitsempfindens und formen eine Klangästhetik jenseits von Gut und Böse. Es kostet Überwindung, sich darauf einzulassen. Die Belohnung ist zumindest die Erkenntnis, dass Grenzen in der Musik dazu da sind, um immer weiter geschoben zu werden.

Ganz anders verhält es sich mit den drei instrumentalen Longtracks, die recht konservativ den Hörerwartungen entsprechen. Sie bilden eine Art Basiscamp, zu dem man immer wieder zurückkehren kann, falls man sich in den wahnsinnigen Tonfolgen oder dem berserkerhaften Schreien, das vielleicht in einer anderen Welt als Gesang durchgeht, verirrt hat. Hier wird man daran erinnert, dass Musik manchmal eben doch etwas mit Melodie und Harmonie, mit dem Zusammenspiel und nicht dem destruktiven Zusammenwerfen von Instrumenten zu tun hat. "Wonder" ist ein Spaziergang am gähnenden Abgrund der Hörbarkeit, eine Herausforderung und Irrsinn in Klangkonstrukte gegossen.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Suckers
  • Ultralight backpacking
  • If we can't fly there, we'll take the boat

Tracklist

  1. Leet
  2. Damned extroverts
  3. Suckers
  4. Calamity
  5. Ultralight backpacking
  6. Segue 1
  7. Fast forward bastard
  8. Lemmings
  9. If we can't fly there, we'll take the boat
  10. Segue 2
  11. Wonder / Daily grind

Gesamtspielzeit: 39:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Castorp
2011-11-30 21:18:30 Uhr
So gut: Wenn wir nicht dorthin fliegen können, nehmen wir das verdammte Boot!
pfefferberg
2011-08-11 22:20:31 Uhr
wieder ein gelungenes album.
you fail me
2010-10-10 15:07:53 Uhr
du hast doch keine ahnung, unlustiges menschlein.

http://www.myspace.com/unknut

ab oktober/november sind knut auch auf deutschland-tour!
Eisi Gulp
2010-10-10 14:04:37 Uhr
So peinlich wie dieser lächerliche Eisbär vermarktet wird.
you fail me
2010-10-10 13:37:24 Uhr
unglaublich, wieviel da in den songs passiert ("suckers"), ohne dass der sound überladen wirkt (wie manchmal leider auch bei converge) und das drumming ist auch schön tight.
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