Negative - Neon

Negative- Neon

Warner
VÖ: 23.07.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Whole lotto love

Erst mal ein kleines Spielchen, um reinzukommen. Den Promostream aufrufen, auf Play drücken, und das Fenster schnell minimieren. Sogleich Textfetzen und mögliche Versatzstücke von Songtiteln aus dem Hirn wringen und rasch notieren. Dann das Teil einmal durchlaufen lassen, die ersten Phrasen abhaken und schließlich den Player aus dem Taskleistenschlaf holen. Dann wollen wir mal: Irgendwas mit "blood"? Check. Irgendwas mit "love" und "lost"? Check. "Rain", "sky", "gone", "save me", gar "end of the line". Check, verdammt noch eins! Merken: Vaterschaftstest für Paul, das Okrakel, beantragen. Und nächste Woche unbedingt Lotto spielen.

Nun gut, es gibt sicherlich größere Herausforderungen, als Jonne Aaron seine Textbausteine vorzuhalten. "Neon" etwa, das mittlerweile fünfte Album seiner Band Negative. Denn das ist ein mindestens ebenso hinterfotziger Koloss wie seine vier Vorgänger. Jedes Mal, wenn der Hörer gewillt ist, aufgrund von extremer Nickelback- und Bon-Jovi-Haftigkeit gleich mehrere Songs auf einmal vom Platz zu stellen, verabschieden sich die Arrangements in fetzigen Druck, kreischende Soli oder Thrash-Metal-Riffs. Und jedes Mal, wenn selbst das Über-Ich kurz vorm Mitnicken ist, kommt auch schon die nächste Portion Nickelback, Bon Jovi oder HIM um die Ecke gepoltert. Insgesamt stimmt dann der alte ran-Datenbank-Spruch: "Mehrere kleine Arschkarten ergeben noch lange kleine große."

Allerdings fast. Da weht ein frischer, beinahe poppunkiger Wind durch die Leadgitarren von "Blood on blood" und "Days I'm living for", wird aber eingebettet in die typische Bollerrhythmik, glitschige Keyboardflächen und von Aarons Stimme zartfühlend eingehauchte Piano-Noten. Da prahlt die Mitte von "Celestial summer" mit donnernden Bassvertiefungen, rutscht aber sogleich wieder in einen Bryan-Adams-Refrain mit dicker Spandex-Hose. Da schafft es "Since you've been gone" für eine durchaus erkleckliche Zeit, genau der Haudraufikus zu sein, als der er eingeplant wurde - inklusive poliertem Sepultura-Riffing, Guns-N'-Roses-Solo und ... nun gut ... einem weiteren Bon-Jovi-Refrain. Oder war es doch der andere?

Sprich: Singen kann der Aaron. Spielen können Negative. Und selbst bei Schunkelballaden wie "Believe" und "Jealous sky" schunkelt es sich - wenn man drei Zimmer weiter gerade irgendetwas anderes zu tun hat - erstaunlich gut mit. All das trifft immer noch zu. Leider aber auch die Penetranz, mit der Negative all die Formeln abspulen, ihre Stärken zwar in Stellung bringen, dann aber doch in 08/15-Formation ins eigene Messer marschieren. All das könnte richtig verärgern, Perlen vor die Säue sein, hätte man drei Zimmer weiter nicht anderes zu tun: Lottoscheine bekreuzigen sich schließlich nicht von allein.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Jealous sky
  • Since you've been gone

Tracklist

  1. No one can save me tonight
  2. End of the line
  3. Love that I lost
  4. Blood on blood
  5. Believe
  6. Celestial summer
  7. Jealous sky
  8. Days I'm living for
  9. Since you've been gone
  10. Kiss of hope
  11. Fucking worthless
  12. Neon rain

Gesamtspielzeit: 52:07 min.

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