Lost In The Trees - All alone in an empty house

Lost In The Trees- All alone in an empty house

Anti / Indigo
VÖ: 06.08.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fracksausewind

Der Holzdielenboden knarzt. Bei jedem noch so behäbigen und vorsichtigen Schritt quietschen die Poren des Alters. Ein ehrwürdiges Haus mit Tradition lädt ein. In "All alone in an empty house" biedert und bietet sich diese Atmosphäre an, liefert die lautmalerische Ergänzung des Song- und Albumtitels - und drückt doch so viel mehr aus. Es ist, musikalisch gesehen, der gangbare Weg in die Lo-Fi-Welt, vor allen Dingen aber der Ausdruck der Unperfektion eines Häuschens am Waldesrand, das sich vor den Augen des Hörers zusammenbaut. Hinter der Eingangstür keifen sich die Eltern an: "What do you want from me? / I've buried my own babies / And I live all alone in this empty house." Sänger Ari Picker ist der stille Beobachter eines Duells aus Vorwürfen, von Hass ist die Rede, aber eben auch von der Angst, vom Partner verlassen zu werden: "We've got a hole in our heart / No one is perfect."

Picker ist Kopf des Kollektivs Lost In The Trees aus Chapel Hill. Sein musikalisches Schaffen orientiert sich an den großen Namen; die gewählten Songlängen schütteln sich das Strophe-Refrain-Prinzip vom Pelz, wenn ihnen danach ist, und folgen einfach den Geschichten. Picker verarbeitet und leidet, und er sucht sein Heil in der Liebe: "I never heard someone say love was not enough", singt er in "Love on my side", während er die Aussage in "Song for the painter" davonschwimmen sieht: "And If I ever find my heart, darling / I promise to come home again."

Singer-Songwriter-Elemente sitzen im Schaukelstuhl des alten Hauses, den Folk auf dem Arm und mit einer warmen Decke klassischer Anreicherungen unter dem Hinterteil. Möglicherweise hat Picker in seiner Kindheit auch mal die Akustikgitarre unter das Kinn gehalten und versucht, darauf den Geigenbogen wandern zu lassen. Es fidelt durch die elf Songs, so weit, dass sich Arcade Fire in "Funeral"-Zeiten zurückversetzt fühlen müssen, wenn sie "Fireplace" hören. Noch weiter wagen sich die ganz und gar instrumentalen sowie orchestral arrangierten Stücke "Mvt. I sketch" und "Mvt. II sketch". Das ist, als würde Max Richter als Hobo-Dirigent den chilenischen Panflötenspielern in der Fußgängerzone die letzten Cent vor der Nase wegspielen. Das ist ebenso mutig wie irritierend.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • All alone in an empty house
  • Walk around the lake
  • Fireplace
  • We burn the leaves

Tracklist

  1. All alone in an empty house
  2. Walk around the lake
  3. Mvt. I sketch
  4. Song for the painter
  5. Fireplace
  6. Love on my side
  7. Wooden walls of this forest church
  8. A room where your paintings hang
  9. We burn the leaves
  10. Mvt. II sketch
  11. For Leah and Chloe

Gesamtspielzeit: 37:53 min.

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