Ray LaMontagne & The Pariah Dogs - God willin' & the creek don't rise

Ray LaMontagne & The Pariah Dogs- God willin' & the creek don't rise

Sony
VÖ: 13.08.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Rotweinseele

Auch wenn das Album mit diesem Titel und dem Wort "Nein" anfängt: Nein, Ray LaMontagne ist wahrlich kein "Repo man". Also jemand, der sich beruflich damit befasst, sich den unrechtmäßigen Besitz anderer anzueignen, um ihm dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben, ganz unterhaltsam verfilmt etwa in der gleichnamigen Achtziger-Filmkomödie von Alex Cox. Er hat es allenfalls sehr bedingt nötig, sich mit fremden Federn zu schmücken. Zwar kommt man als nordamerikanischer Singer/Songwriter nicht drumherum, sich mit unerreichbaren Größen wie Nick Drake oder Tim Buckley zu beschäftigen, doch LaMontagne weiß ihnen etwas entgegenzusetzen. Zusammen mit den Pariah Dogs gelingt es ihm hier wieder, ein paar Spitzen, Ecken und Kanten einzubauen, die dem Vorgänger "Gossip in the grain" abgesehen vom überwältigenden Auftakt "You are the best thing" noch fehlten.

Doch auch an Melancholie und Romantik geschulte Feingeister und Rotweinseelen kommen auf "God willin' & the creek don't rise" nicht zu kurz. Die Aufnahmen zu LaMontagnes viertem Album fanden im hauseigenen Studio irgendwo im Nirgendwo der Wälder von Massachusetts statt und dauerten zwei Wochen. Die zehn Songs streben zurück zu den Wurzeln klassischer amerikanischer Musik und hinterlassen durchgängig eine leicht aufmüpfige, raue Stimmung. Es knistert und groovt, die Gitarren stehen breitbeinig da, ab und zu klimpert ein Keyboard dazwischen und sorgt für eine unverwechselbare Melodie. Wie etwa in der Single "Beg, steal or borrow" oder dem abschließenden "The devil's in the jukebox", das ein wenig an der Grenze zum countryesken Wüstenkitsch spazierengeht. Um diesen Teufel genießen zu können, muss man zwar ein wenig Mitgefühl aufbringen - gelingt dies aber, wird es fast zum Sterben schön.

LaMontagnes dominante Stimme tut ihr Übriges, damit man dieser Musik allmählich restlos verfällt. Zum Auftakt zu "Repo man" vollführt er beinahe ein Kettensägenmassaker, so brutal treibt er sein Organ nach vorne und die Pariah Dogs zu absoluter Bestform. In einer Ballade wie "Are we really through" hingegen weiß LaMontagne sich dagegen bedächtig zurückzunehmen, und im optimistischen "For the summer" klingt er sogar sanft und zuversichtlich. Immer passend zum jeweiligen Stück, auch wenn das Songwriting mitunter fast zu perfektionistisch anmutet - doch gut, dass die schroffe Produktion dem entgegenwirkt. Schließlich muss man nur noch "Ja" sagen und einen alten, edlen Tropfen aufmachen. Und darauf anstoßen, dass ein alter Bekannter wieder da ist und auch ein bisschen was Neues im Gepäck hat.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Repo man
  • Beg, steal or borrow

Tracklist

  1. Repo man
  2. New York City's killing me
  3. God willin' & the creek don't rise
  4. Beg, steal or borrow
  5. Are we really through
  6. This love is over
  7. Old before your time
  8. For the summer
  9. Like rock & roll radio
  10. The devil's in the jukebox

Gesamtspielzeit: 45:18 min.