Constants - If tomorrow the war

Constants- If tomorrow the war

The Mylene Sheath / Make My Day / Al!ve
VÖ: 13.08.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Schallwellenbad

Die Arme pangäaweit von sich gestreckt, auf federleichten Kopfkino-Trips in der Schwerelosigkeit baumelnd - und das trotz einer Gravitation, die mehrere Megatonnen wiegt: Constants sehr eigene Version von Space-Rock wurde bereits 2009 auf "The foundation, the machine, the ascension" zu einem wahrlich stolzgeschwellten Koloss hochproduziert. Und bereits vor einer halben Ewigkeit bewiesen die Gesinnungsgenossen Hum, indem sie für ihr "Downward is heavenward" bis zu 20 Gitarrenspuren übereinanderschichteten, dass das absolut gutgehen kann. Dass sich Constants in dieser Gesellschaft mehr als wohlfühlen, beweist hingegen nicht nur die Entscheidung, ihr Scherflein zum anstehenden Hum-Tribute-Album beizutragen, sondern auch jede elegisch aufgepimpte und dann wieder im Wall of sound niedergelärmte Note von "The foundation, the machine, the ascension". Und letztendlich schaffen es die drei Bostoner auch auf "If tomorrow the war", dem ehemaligen Godflesh-Kopf Justin K. Broadrick mit unbändiger, teigiger Lautstärke ordentlich eins auf die vorwitzig-versierten Produzentenfinger zu geben.

Der Popfähigkeit Hums antworten sie dabei mit weitaus trippiger und fahriger verwickelten Songaufbauten, den Metalheads von Isis bis zum neuesten Broadrick-Projekt Jesu mit den typisch delayten Minimelodien, die sich elegisch über die ohnehin eher schwammig ausformulierte Wucht legen. Shoegaze und Postrock werden hingegen mit immer wieder aus der Mitte der Riffs aufspringenden, vom Schlagzeug eindringlich auf die 1 oder die 3 betonten Kopfnicker-Vertiefungen ausgehebelt. Und das von manchen als durchaus anstrengend und fehl am Platze empfundene Pathos von Dredg geht in einem Klangwall unter, aus dem sich auch Will Benoits Stimme zwar immer wieder dramatisch erhebt, aber nie den Emo-Kasper gibt.

Deshalb funktionieren die alten Weisen von leise bis laut auf "If tomorrow the war" nicht wie ursprünglich gedacht und mittlerweile bis zum Erbrechen durchexerziert. Der Sound von Constants verschmiert die Antagonismen mit breitem Pinselstrich und erschafft so etwas zwar nicht vollkommen Neues, aber doch eher selten Gehörtes. In der Folge sind Songs wie "Your daughter's eyes" oder "Spiders in white" letztlich immer an einem Lautstärkefluss interessiert, niemals an einem Kampf der Titanen oder sonstigen inneren Machtspielchen, Kopfnüssen und Herzklabastern. Diese Herangehensweise lässt sich selbst "The sun, the earth" mit seinen Schreigesängen und spooky gegengetakteten Keyboardmelodien nicht austreiben. Und auch wenn Benoit zum Abschluss von "The three stigmata of Palmer Eldtritch" ebergleich durch den Hintergrund grunzt, so ist der Song vorher durch ein derart wummerndes Schallwellenbad und euphorisch-melancholische Bocksprünge aus Achtel-Geschrubbe gegangen, dass ihm diese klitzekleine Verwerfung in Richtung Metal-Klischee längst nichts mehr anhaben kann.

Dabei wurden die Überlappungen von Sinus und Cosinus im Vergleich zum Vorgänger durchaus begradigt. Trotzdem nehmen Constants noch genug Druckwellen mit auf ihren neuerlichen Himmelstrip. Wie ein Sisyphos im Astronautenmantel schraubt sich "If tomorrow the war" mit exorbitanter Schwerkraft durch die Thermosphäre ihrer Klangwelten. Ihr Eintrittswinkel bleibt halsbrecherisch, der Hitzeschild jedoch ist wohljustiert. Flieg Phoenix, flieg.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Your daughter's eyes
  • Spiders in white
  • The three stigmata of Palmer Eldtritch

Tracklist

  1. Your daughter's eyes
  2. The sun, the earth
  3. Maya ruin
  4. In dreams
  5. A quiet edifice
  6. Spiders in white
  7. Halloween in New Orleans
  8. The three stigmata of Palmer Eldtritch

Gesamtspielzeit: 38:04 min.

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