Vanden Plas - The seraphic clockwork

Vanden Plas- The seraphic clockwork

Frontiers / Soulfood
VÖ: 04.06.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rock im Spagat

Natürlich sagt jeder Musiker am Anfang seiner Karriere, dass er sich mit seiner Musik selbst verwirklichen möchte. Sich künstlerisch ausdrücken möchte. Dass die Kohle nun mal völlig egal sei. Und natürlich ist das spätestens beim monatlichen Blick auf den Kontoauszug Bullshit, vor allem, wenn es dann mittags auch einmal etwas anderes als Tütensuppe sein darf. So heißt nur allzu oft in letzter Konsequenz: Entweder gehört man zu den handverlesenen Glücklichen, deren Karriere tatsächlich durchstartet, oder der erforderliche Nebenjob ist halbwegs erfüllend.

Vanden Plas haben diese Lücke auf ihre spezielle Weise gefüllt, können sie doch mittlerweile auf eine durchaus respektable - und lukrative - Laufbahn als Musicalautoren und -darsteller zurückgreifen. Dass das auf das Songwriting abfärbt, dürfte einleuchten. Nun sind dankenswerterweise Andrew Lloyd Webber und ähnliche Gestalten weit weg, so dass bereits früh klar wird, dass Kitsch Hausverbot hat. Gut so, denn trotz großer Gestik, Orchester und Chören darf Gitarrist Stephan Lill kräftig in die Vollen gehen.

Das Ausrufezeichen, das die Ouvertüre "Frequency" hier setzt, ist also eher lautstark. Auch deswegen gelingt es den Kaiserslauterern einigermaßen leicht, das spirituell angehauchte Konzept um einen Zeitreisenden aus dem 16. Jahrhundert ins Jerusalem des Jahres 33 so umzusetzen, dass die Songs auch eigenständig funktionieren. Es sind vor allem Lieder wie das erst bedächtige, dann wahnwitzige "Scar of an angel" oder das mitunter heftigst groovende "The final murder", die die durchaus pfiffige Story kongenial untermauern.

Doch eigentlich braucht's dies alles nicht. Denn das die Geschichte abschließende "On my way to Jerusalem" ist für sich genommen die Blaupause der Genre-Nische, in der es sich Vanden Plas bequem gemacht haben - symphonisch, elegisch, aber nicht pathetisch, dennoch respektabel rockend. Theater- und Rockkonzert-Bühne erfordern grundlegend unterschiedliche Herangehensweisen. Dass Vanden Plas dieser Spagat scheinbar mühelos gelingt, wie man am ergreifenden und überragend gesungenen Bonustrack "Eleyson" eindrucksvoll feststellen kann, dafür gebührt den Herren um Andy Kuntz höchster Respekt. Und Vorhang.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Frequency
  • The final murder
  • On my way to Jerusalem

Tracklist

  1. Frequency
  2. Holes in the sky
  3. Scar of an angel
  4. Sound of blood
  5. The final murder
  6. Quicksilver
  7. Rush of silence
  8. On my way to Jerusalem
  9. Eleyson (Bonus)

Gesamtspielzeit: 72:52 min.

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