Sky Larkin - Kaleide

Sky Larkin- Kaleide

Wichita / Cooperative / Universal
VÖ: 06.08.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kaum zu fassen

Was ist das eigentlich für eine Band, die so... und schon fehlt das passende Adjektiv. Aber auf welche Weise auch immer: Sky Larkin, das Trio aus dem englischen Leeds findet statt, das ist nach einigen mit Vorschusslorbeeren bedachten Singles und dem letztjährigen Debüt "The golden spike" nicht zu leugnen. Nur wohin bloß mit dieser Band? Auf und zu zieht man die Schubladen im Geiste: Noiserock? Ist dabei, eine gewisse Fixierung auf die Neunziger Jahre nicht von der Hand zu weisen, aber insgesamt doch zu viel Harmonie im Spiel. Melancholischer Sommermädchen-Fluff? Steckt drin, wird aber immer wieder durch latente Biestigkeiten weggewischt, wenn der Verzerrer doch etwas mehr kratzt, als Pop erlaubt. Elegant dahinsegelnder Indierock? Ist dafür doch zu weit entfernt von den Tanzflächen. Sämtliche Klarheiten beseitigt.

Doch auch wenn man die Band letztlich nie richtig zu fassen bekommt, verfällt man ihr in diffuser Zuneigung. Oder um es mit den Worten von Sängerin Katie Harkin zu sagen: "I know there's potential". Recht hat sie, was insofern erstaunlich ist, da Standardschemen wie Strophe-Refrain-Strophe nicht selten komplett verweigert werden. Auch nach mehreren Durchgängen muss man sich konzentrieren, um wirklich in "Kaleide" eintauchen zu können. Nur dann findet man Ankerpunkte im rumpeligen Mädchen-Noise von "Spooktacular" und in den kruden, lauwarmen Sommerstücken wie "Still windmills" oder "Tiny heist". Und plötzlich registriert man, wie "Coffee drinker" eine Strophe lang mit Radiotauglichkeit flirtet und wie cool die schrägen Handclaps und Chor-Einlagen im Synthie-Indie-Entwurf "Year dot" sind.

Was nicht von einer gewissen Ratlosigkeit entbindet. Die Fragen stellen sich ganz automatisch: In welchem Gemütszustand und mit welcher Motivation entsteht solche Musik, die nicht zwischen den Stühlen sitzt, sondern die Möbel als Sitzkreis anordnet, der aber auch ein Quadrat, Dreieck oder Oktaeder sein könnte? Und: Ist das eigentlich Avantgarde und somit seiner Zeit voraus oder ein gekonnter Rückblick? Jedenfalls kein dankbarer Job für Rezensenten, eher einer für Chemiker, die dieses musikalische Gewebe spektralanalytisch zerlegen, bis keine Frage über die Bestandteile mehr offen ist. Und überhaupt: Was ist das eigentlich für eine Band, die so ... aber lassen wir das vielleicht vorerst einfach. Wer ein Adjektiv findet, kann sich gerne melden.

(Dennis Drögemüller)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Tiny heist
  • Anjelica Huston
  • Smarts (SHH version)

Tracklist

  1. Still windmills
  2. Kaleide
  3. Tiny heist
  4. Landlocked
  5. Anjelica Huston
  6. Spooktacular
  7. Year dot
  8. Coffee drinker
  9. ATM
  10. Shade by shade
  11. Guitar and Antarctica
  12. Smarts (SHH version)

Gesamtspielzeit: 40:47 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum