I Am Kloot - Sky at night

I Am Kloot- Sky at night

Shepherd Moon / PIAS / Rough Trade
VÖ: 16.07.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Am Tresen

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass I Am Kloot auch diesmal scheitern werden. Natürlich nur kommerziell. Lieblinge der Feuilletons und Fachzeitschriften waren die drei Herren aus Manchester um ihren charismatischen Frontmann John Bramwell schon immer. Aber selbst nach über zehn Jahren gemeinsamen Musizierens fristen I Am Kloot immer noch eher ein Dasein als Geheimtipp. Ungerecht, ja, aber vielleicht auch das Beste, was I Am Kloot passieren konnte. Wer weiß, ob ihre Alben immer noch voller Geschichten vom Scheitern wären. Dunkle, romantische Songs, die die Sehnsucht nach der großen Liebe proklamieren, diese aber wieder und wieder nur am hinteren Ende der Theke auf dem Boden eines herrlichen Lagers finden. Womit wir eigentlich auch schon bei ihren Genossen im Geiste wären: Elbow.

Man trifft sich ja hin und wieder mal in Manchester, und dann meistens eben im Pub, wo ja die besten Geschichten ersponnen werden. Diesmal haben sich I Am Kloot erneut dazu überreden lassen, Guy Garveys Zauberhände an eines ihrer Alben zu lassen. Der Sänger von Elbow produzierte bereits deren Debüt "Natural history". Bandinterne Verstärkung durfte Garvey diesmal gleich mitbringen, sodass Kollege Craig Potter "Sky at night" mitproduzierte sowie abmischte. Und tatsächlich, der Einfluss des letzten großen Elbow-Albums "The seldom seen kid" macht sich hier und dort bemerkbar: Garvey konnte seinen Hang zum Orchestralen nicht mehr so ganz übertünchen und plusterte das Album seiner Band an einigen Stellen ganz schön auf. Auch "Sky at night" bekommt gleich zu Beginn eine Portion Violine und Cello aufs Auge gedrückt. "Northern skies" und "To the brink" kämen natürlich auch hervorragend zurecht, ohne dick aufzutragen. Aber so ist es doch viel schöner ummalt, wenn der intellektuelle Feingeist Bramwell in seiner typisch lakonischen Art von den Zerwürfnissen einer Nacht erzählt: "Do you fancy a drink / I know a place called the brink / Do you want to go there / I can buzz off your smile and there may be people you know there." So ganz per Du ist Bramwell mit dieser Welt also immer noch nicht. Er bietet das Du nur einzelnen Vertrauten an.

Die letzte Zuflucht dieses großen Romantikers, der seine Geschichten immer nur im Kleinen erzählt, ist die Zeit, wenn die Sonne lange untergegangen ist. Da verschwindet nämlich so manches Unheil hinter dem Mantel der Dunkelheit. Und so schwelgt Bramwell in "The moon is a blind eye" von den Schönheiten des Mondes und seiner Verschwiegenheit. In "It's just the night" davon, dass es auch irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels geben wird. Denn dies ist nicht das Ende, sondern nur diese wunderbare Nacht. Eine Nacht zum Verlieben. "I would like to stay with you / But I leave alone", melancholisiert Bramwell in "To the brink" in sich hinein. Die Einsamkeit als Schicksal. Aber da hat er ja in Garvey einen ebenbürtigen Mitstreiter gefunden, der das Thema auch gleich musikalisch thematisiert. Denn "Lately", in dem Bramwell einmal mehr tief blicken lässt ("The crazies still come for me in the night"), lehnt sich im Refrain an Cockers "With a little help from my friends" mít einem Schüsschen Beatles an.

Ja, ohne die Hilfe der Freunde wäre "Sky at night" nur ein weiteres hervorragendes Album von I Am Kloot geworden. Denn es hat einfach alles, was diese Band bisher ausgezeichnet hat. Inklusive des einen oder anderen Ausflugs zum französischen Chanson, wie das traurigste Stück dieses Albums "Same shoes" ("Out of booze / The same clowns / The same shoes") mit seinen niedergeschlagenen, betrunkenen Bläsern bezeugt. "Sky at night" ist aber sogar noch einen Tick schöner und romantischer als seine Vorgänger geworden. "When I was a child I looked up at the sky / Thought I saw You and I in the clouds passing by / [...] I still do". Das hat Bramwell geträumt, zu einer einsamen Harfe. Manchmal ist ein Traum eben das schönste, was einem bleibt. Denn da ist alles möglich, auch ein Happy End. So long, an der Bar, ganz hinten.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Northern skies
  • To the brink
  • I still do
  • Same shoes

Tracklist

  1. Northern skies
  2. To the brink
  3. fingerprints
  4. Lately
  5. I still do
  6. The moon is a blind eye
  7. Proof
  8. It's just the night
  9. Radiation
  10. Same shoes

Gesamtspielzeit: 39:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
gekonnt
2012-03-12 14:50:07 Uhr
@Hogi

Überhaupt erstaunlich, dass diese großartige Band nach 1 1/2 Jahrzehnten noch immer sowas wie ein öffentlicher Geheimtipp ist.
Hogi
2011-04-19 07:32:46 Uhr
schon ziemlich krass, das dieses kleine Meisterwerk nur so wenig Einträge hat..
Gestern war Vollmond
2011-04-18 23:29:46 Uhr
Herrliches, melancholisches Album. Ich mag die Tiefe in der Simplizität. Wundervolles Album.
XTRMNTR
2010-11-05 14:44:41 Uhr
Gestern in Frankfurt gesehen War absolut genial und hab danach sogar noch etwas geplaudert mit dem guten John
Magge
2010-10-31 09:19:54 Uhr
am freitag in stgt. live gesehen.zusammen mit agnes obel war einfach genial.
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