The Masons vs. Smallstone - Rare live loud plus Tracks from Smallstone

The Masons vs. Smallstone- Rare live loud plus Tracks from Smallstone

Middle Class Pig / Cargo
VÖ: 14.05.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Rumpelstilz

Garagen sind eine faszinierende Erfindung. Phantasielosen Gerüchten zufolge dienen sie dazu, Personenkraftwagen darin abzustellen. Welch oberflächliche Verwendung! Denn hinter den verschlossenen Türen verstecken sich bisweilen weitaus spannendere Dinge: Klebrige Pornosammlungen. Brennende Autoreifen. Ungewaschene Musiker. Nur in diesem Universum verwegen gestapelter Nutzgegenstände, schimmeliger Pappkartons und rostigen Altmetalls konnte der Garage Rock entstehen. Jenes nachlässige Getrümmer also, das Generationen von Rock'n'Roll-Anhängern als ihre eigene Version des ungepflegten Lärms verkaufen.

Ziemlich munteren Lärm dieser Sorte präsentierten zu Beginn des neuen Jahrtausends The Masons aus Kansas City. Mit Hilfe von rudimentärem Americana-Wissen und süffigem Getöse hob sich der Vierer um Tom Frank auf "The Masons" vom damals allgegenwärtigen The-Band-Einerlei ab. 2005 ging die Band zuletzt mit lautem Onetwothreefour auf Tour, danach war vor allem Schweigen. Das lag jedoch keinesfalls an terminalem Tinnitus. Frank huldigte zwischenzeitlich mit anderen Kollegen den gleichen drei Akkorden. Und weil das Fiepen in den Ohren übertönt werden will, gibt es jetzt den Twofer "Rare live loud plus Tracks from Smallstone". No bullshit: Es handelt sich um neun Masons-Livetracks von der '05er-Tour und fünf Smallstone-Songs. Mit Fantasie konnten Rednecks noch nie etwas anfangen.

Dafür umso mehr mit krachenden Verstärkern und durchgetretenen Pedalen. Schon für das eröffnende "Midnight hour" legt sich Frank wieder in seine schmierigste Glenn-Danzig-Pose. Der geographische Dreier aus "Oklahoma", "Think I'm in Texas" und "There's a werewolf in Kansas City" dekliniert den amerikanischen Süden auf Horrorpunk durch. Mittendrin zerlegen die Masons mal wieder Merle Haggards "Mama tried". Feinheiten braucht man erst gar nicht zu suchen, weil hier sowieso alle Regler auf elf stehen. Wäre Billy Childish nicht alles Amerikanische fremd, müsste er den Masons sein legendäres "Thee" vermachen. Das ist Musik für die Freaks unter den Freaks.

Wer erwartet hätte, dass Frank mit Smallstone ein wenig Ruhe gefunden habe, findet sich genüsslich enttäuscht. Denn auch wenn die fünf neuen Tracks ohne den abgewetzten Livesound auskommen müssen, ist Filigranität auch für Smallstone ein Fremdwort. Dafür drängelt sich hier deutlich mehr schmachtender Blues durch Franks Zahnlücken. Reichlich Zwölftakter, hier und da ein süffiger Chorgesang und Gitarren aus allen Richtungen. Wenn in "Bucket" Rumpelgroove und Zerrgesang an den Nerven rütteln, geht es um nichts weniger als das Überleben des Rock'n'Roll. The Masons und Smallstone sind Brüder in Blut, Schweiß und Kotze.

Bitte warten: Entgegen erster Ankündigungen erscheint das Album doch vermutlich erst am 24.09.2010.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Midnight hour
  • Oklahoma
  • Momma tried
  • Railroad man

Tracklist

  1. Midnight hour
  2. Oklahoma
  3. Anita girl
  4. Think I'm in Texas
  5. Momma tried
  6. Railroad man
  7. I wanna be good
  8. Dyin' with a broken heart
  9. There's a werewolf in Kansas City
  10. Muscle
  11. Borstal boys
  12. Colored girls
  13. Baby bones
  14. Bucket

Gesamtspielzeit: 40:40 min.

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