Chris Shiflett & The Dead Peasants - Chris Shiflett & The Dead Peasants

Chris Shiflett & The Dead Peasants- Chris Shiflett & The Dead Peasants

Le Coq Napoleon / RCA / Sony
VÖ: 09.07.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ganz klarer Fall

Wäre Sherlock Holmes nicht zu fein für das dreckige Musikbusiness, er hätte mit diesem Fall keinerlei Probleme. Er würde einen tiefen Zug aus seiner Pfeife nehmen, kurz überlegen und dann zu Watson sagen: "Notieren Sie: Meiner Vermutung nach befinden sich die Foo Fighters seit etwa zwei Jahren in einer Pause. Dafür sprechen folgende Indizien: Erstens die Best-Of-Compilation, die Ende letzten Jahres erschien. Solche Veröffentlichungen weisen meistens auf das Ende einer Ära hin, der eine Auszeit folgt. Zweitens die Tatsache, dass nach Schlagzeuger Taylor Hawkins nun auch Gitarrist Chris Shiflett ein Album mit einem Soloprojekt vorlegt. Das spricht nicht dafür, dass die Foo Fighters momentan höchste Priorität genießen." Damit hätte der Altmeister wieder einmal alles glasklar durchschaut, auch wenn dieser Fall gewiss nicht zu seinen kniffligsten gezählt hätte.

Nachdem Taylor Hawkins erst vor kurzem samt Coattail Riders mit "Red light fever" einen knackigen Ausflug wagte, wandelt nun also auch Chris Shiflett auf Solopfaden. Doch im Gegensatz zu Dauergrinser Hawkins löst sich der Klampfenmann mit Punkvergangenheit ziemlich stark vom Sound der Hauptband. Auf dem ersten Album mit seinen Dead Peasants vermischen sich nämlich Country und Americana mit dem klassischen Gitarrenrock der Rolling Stones. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Nebenprojekt wurde beim gemeinsamen Jam mit Kumpel Joey Cape geboren, einem weiteren Punkrocker ohne musikalische Berührungsängste. Und so scheut sich Shiflett auch nicht, für die neun kraftvollen Kompositionen des Debütalbums ein paar Rock-untypische Instrumente aufzubieten.

Selbst bei lauteren Stücken wie dem wunderbaren Opener "Helsinki" fiedeln im Hintergrund Mandoline und Violine herum. Zudem erweisen sich in dem kompakten Sounddickicht Steelgitarre und Klavier als ebeno prominent wie Shifletts Akustikklampfe. Ohne die richtigen Songs wäre all die schöne Instrumentierung aber natürlich keinen Pfifferling wert. Erstaunlicherwiese erweist sich Shiflett jedoch nicht nur als guter Sänger, sondern zudem als äußerst kompetenter Songwriter. Das besinnliche "Bandaged" oder das vergleichsweise laute "God damn" etwa sind ebenso simpel wie wunderbar melodiös. In den gelungenen Schunkler "Baby, let it out" schmuggelt Shiflett gar einen Break samt verzerrtem Gniedel-Solo hinein.

Als absolutes Highlight des Albums muss aber "An atheist's play" gelten, das eine ganzen Wagenladung voll Soul im Schlepptau hat und vor Gefühl nur so strotzt. Zwar kann Shiflett diese Top-Qualität am Ende des Albums nicht mehr halten - von "Not going down alone" und "Death march" bleibt nicht viel hängen - aber waschechte Ausfälle sind auch diese beiden Kandidaten nicht. "Chris Shiflett & The Dead Peasants" ist ein farbenfrohes, atmosphärisch dichtes Country-Rockalbum, das nicht vor den großen Gefühlen zurückschreckt. Ganz nüchtern betrachtet handelt es sich hier um einen klaren Fall von gelungenem Debüt. Haben Sie das, Watson?

(Mark Read)

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Highlights

  • Helsinki
  • God damn
  • An atheist's play

Tracklist

  1. Helsinki
  2. Get along
  3. Bandaged
  4. God damn
  5. Burning lights
  6. An atheist's play
  7. Not going down alone
  8. Baby, let it out
  9. Death march

Gesamtspielzeit: 34:45 min.