Uffie - Sex dreams and denim jeans

Uffie- Sex dreams and denim jeans

Warner
VÖ: 18.06.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

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Alles läuft auf die Frage hinaus: Ist eine junge Amerikanerin, die in Hotpants über Sex, Partys, den Hype und ihr zu großes Ego sprechsingt, der allerheißeste Scheiß oder eine weitere Eintagsfliege im großen Popzirkus? 2006 noch feierten bloggende Zeitgeistler Uffie als die Elektrololita schlechthin. Damals hatte sie mit "Pop the glock" und "Hot chick" zwei Clubhits gelandet, die dem eher brachialen Party-Sound des französischen Labels Ed Banger eine ebenso coole wie laszive weibliche Note hinzufügten. Vier Jahre und ein Baby später erscheint Uffies Debütalbum. Vier Jahre zu spät, um genau zu sein.

Denn die große Elektrowelle um Justice und Konsorten ist zumindest in puncto Kreativität längst abgesurft. Ed Banger langweilt schon seit zwei Jahren mit drögen, uninspirierten HipHop-Verschnitten. Und wenn mit Ke$ha sogar schon die Billiglohnkopie der Majors in die Läden kommt, ist es eigentlich höchste Zeit, die Location zu wechseln. Ausgerechnet in dieser Baisse erscheint "Sex dreams and denim jeans", dessen plakativ-offensiver Titel allenfalls bei deutschen Feuilletonredakteuren noch für erhöhten Pulsschlag sorgen kann. Trotz Feadz, Mirwais, SebastiAn und Mr. Oizo als Produzenten ist hier musikalisch mit Ausnahme des bekannten, leider auch ordentlich gealterten "Pop the glock" größtenteils schon Sommerschlussverkauf.

Wobei Mr. Oizo dank überraschender Samples und manch extravaganter Wendung noch die überzeugendsten Tracks beiträgt. "Art of Uff" wankt in Zeitlupe und untermalt von dramatischen Pianoläufen wie ein Zombie durch den Backstage. Der funkig-bouncende Tanzflächenfüller "MCs can kiss" gipfelt stattdessen in einem schrägen Pseudo-Saxophonsolo. Für "First love" samplet Oizo gar mit feistem Grinsen eine 80er-Schnulze, die auch ohne Uffies Entjungferungstext automatisch an Teeniefilme über erste Küsse denken lässt. Nach diesem Samplevolltreffer knattert der Track aber allzu lange vor sich hin wie eine Silvesterrakete, die mit lautem Pfeifen in den Himmel schießt, aber partout nicht explodieren will.

Der Rest des Albums hebt meist nicht mal ab. "ADD SUV" fährt sich vor lauter autogetunetem Ghetto- und Bling-Bling-Geseier selbst die Bootyhiphop-Füße platt. SebastiAn legt zum x-ten Mal seine einzige verfügbare Beatschablone über "Difficult". "Sex dreams and denim jeans" probiert erfolglos, mit Sixtiespop der Banalität zu entkommen. Nichts fasst das künstlerische Dilemma des Albums allerdings mehr zusammen als die im ausdruckslosen Teeniepopsumpf versinkende Coverversion von Siouxsie & The Banshees' "Hong Kong garden". Uffie kann eigentlich nichts, nicht singen, nicht rappen, nicht tanzen, sie ist nicht überragend hübsch, hat ein dünnes Stimmchen und schreibt belanglose Texte über das Leben im Clubzirkus. Immerhin gesteht Uffie einiges davon im selbstironischen "Our song" unumwunden ein. Dieses Bekenntnis auf Platte zu pressen, wäre freilich nicht nötig gewesen. Es ihrem Anrufbeantworter zu erzählen, hätte auch gereicht.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Pop the glock
  • MCs can kiss

Tracklist

  1. Pop the glock
  2. Art of Uff
  3. ADD SUV feat. Pharrell Williams
  4. Give it away
  5. MCs can kiss
  6. Difficult
  7. First love
  8. Sex dreams and denim jeans
  9. Our song
  10. Illusion of love feat. Mattie Safer
  11. Neuneu
  12. Brand new car
  13. Hong Kong garden
  14. Ricky

Gesamtspielzeit: 41:11 min.

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