Devo - Something for everybody

Devo- Something for everybody

Warner
VÖ: 09.07.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gelbe Säcke

Die achtziger Jahre begannen 1973. Mark Mothersbaugh, Bob Casale und Bob Lewis gründeten Devo und propagierten die Zurückentwicklung des Menschen. Darwin hatte ausgedient, die Evolution fuhr rückwärts, und Devo permutierten in der Zwischenzeit. Ein Lewis raus, zwei Geschwister rein. Allerdings sollte es noch Jahre dauern, bis sich ein Publikum auf den subtilen Humor der Brüderpaare Mothersbaugh und Casale einlassen wollte. Seit 1990 hatten Devos Mitglieder den multimedialen Ansatz der Band auf Videoclips, Computerspiele und Kinderlieder ausgedehnt und die Musik Musik sein lassen. Der Devo-Kult wuchs nebenher: Das Internet nährte die Idee des allgemeinen Abstiegs, und mit zunehmender Geekisierung der Zivilisation ist die Welt zwanzig Jahre später bereit für eine Fortsetzung.

Heutzutage kann sich die Menschheit auf YouTube längst in Echtzeit anschauen, dass Devos Botschaften alles waren, nur keine weltfremde Spinnerei. Die gewandelte Infrastruktur verschaffte der Band sogar eine basisdemokratische Grundlage. Im Geiste von Creative Commons beteiligten Devo ihre Fanbase in Sachen Sound, Style und Design. Da muss auch mal Zeit für einen radikalen Remix sein, der das Projekt "Something for everybody" zwei Jahre verzögert. Zum Glück erhielten verwegene Flirts mit Produzenten wie Fatboy Slim und Snoop Dogg in der Zwischenzeit einen angemessenen Platz im Papierkorb.

Apropos Recycling: Mit angemessenem Sägezahn-Bombast sorgt "Fresh" gleich zu Beginn von "Something for everybody" für eine wunderbare Zeitmaschine. "What we do" gibt zu wippenden Silizium-Grooves die künstlerische Devise aus: "What we do is what we do / It's all the same, there's nothing new." Pumpender Synthbass und kantige Gitarrenriffs sorgen für den gewohnt geometrischen Klang. Es quietscht und bollert an allen Ecken und Kanten dermaßen, dass die anorganischen Arrangements vor Schreck schwanger werden und Ohrwürmer gebären. "Mind games", "Don't shoot (I'm a man)" und "Step up" hyperventilieren dazu um die Wette. "Later is now" feiert die Prokrastination mit zwitschernden Synthesizern.

Weil sie von David Bowie und den Pet Shop Boys über Nirvana und Rage Against The Machine bis hin zu Lady Gaga ohnehin die komplette Popkultur beeinflussten, dürfen sich Devo jetzt auch bei HipHop, Industrial und Kirmestechno bedienen. Die Schmerzgrenze oszilliert dazu zwischen Kitsch und Chaos und hinterlässt Melodie-Gemeinheiten von formelhafter Eleganz bis zu penetranter Eingängigkeit. Pop trägt bei Devo nicht nur Hornbrille, sondern auch knallbunte Kunststoff-Anzüge und eckige Plastikhüte, mit deren Hilfe man sowohl das Abfließen von Energie verhindert als auch die eigene Lego-Werdung beschleunigt. Trotzdem erscheint das Album knapp zwei Wochen zu früh: Der jährliche Embrace-your-geekness-day ist erst am 13. Juli.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Fresh
  • What we do
  • Don't shoot (I'm a man)
  • Sumthin'
  • Step up

Tracklist

  1. Fresh
  2. What we do
  3. Please baby please
  4. Don't shoot (I'm a man)
  5. Mind games
  6. Human rocket
  7. Sumthin'
  8. Step up
  9. Cameo
  10. Later is now
  11. No place like home
  12. March on

Gesamtspielzeit: 37:50 min.

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  • Devo (13 Beiträge / Letzter am 05.07.2010 - 17:55 Uhr)

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