Stars - The five ghosts

Stars- The five ghosts

Soft Revolution / Vagrant / Al!ve
VÖ: 25.06.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

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Na wunderbar! Erst lassen uns die großen Drei des kanadischen Indierocks gefühlte Ewigkeiten auf neues Material warten, um dann - binnen weniger Monate - allesamt ein neues Album in den luftleeren Raum zu schmeißen. Broken Social Scene benötigten dabei am meisten Zeit für eine neue, reine Bandplatte: Zwischen ihrem dritten Album und "Forgiveness rock record" lagen unbescheidene viereinhalb Jahre. Auch Arcade Fire geizten zuletzt mit kreativem Output, denn seit der Veröffentlichung ihres zweiten Werks "Neon bible" sind gute drei Jahre verstrichen. Stars, die - mit einer Wartezeit von "nur" knappen drei Jahren - in diesem Sinne ja regelrecht flink sind, bringen nun also ihr fünftes Album "The five ghosts" raus. Und auch wenn man diese drei Gruppen nur schwer miteinander vergleichen kann, ohne sich in eine arge Steillage zu begeben, lässt sich festhalten: Von allen drei Gruppen erwartet man - erfahrungsgemäß - nichts anderes als Wundertaten. Einige zeigten sich jedoch nach dem letzten Album "In our bedroom after the war", dem Nachfolger zum Meilenstein "Set yourself on fire", gar enttäuscht.

Höchste Erwartungen werden indes auch an "The five ghosts" herangetragen, und diese werden mit der ersten Single "Fixed" zunächst übertroffen. Amy Millan schwärmt mit ihrer traumhaften Stimme über einen typischen Stars-Beat: Das ist pure Schönheit, formvollendeter Wohlklang, die größte anzunehmende Grazie. "We don't want your body" fußt auf tanzbarer Elektronik, die in Ohr, Bein und Synapsen geht. Stars verbinden auf "The five ghosts" Pop, Indierock und elektronische Sperenzchen zu einem nur scheinbar zerbrechlichen Konstrukt, das bei jeder falschen Bewegung einzufallen droht wie Jenga-Türme an beschwipsten Spieleabenden. Dabei schießen die Stars nie übers Ziel hinaus: Sachte wird ausprobiert, konstruiert und verworfen, Skizzen flattern durch die Nacht wie Fledermäuse und finden letzten Endes immer das Ziel: den perfekten Song. Die Qualität, intensive Stücke zu komponieren und dazu emotionale Geschichten mit bitterem Herzen und sarkastischem Lachen zu schreiben, haben sie nicht verloren, nein, sie treiben diese Fähigkeit mit "I died so I could haunt you" ein weiteres Mal auf die Spitze.

Amy Millan und Torquil Campbell verstehen ihren Gesang weniger als herkömmliches Mittel zum Zweck, vielmehr führen sie in den gemeinsamen Liedern Dialoge, strecken sich gegenseitig mit Fallstricken nieder und stechen aufeinander ein: Wörter, so scharf wie Rasierklingen, so verletzend und wahr, rostig und rosig. Vom Leben und vom Leiden mit der Liebe gegerbte Seelen tanzen in "The five ghosts" auf den Gräbern ihrer eigenen verbuddelten Körper. Die erwähnenswerteste Neuerung ist der Einsatz grenzenloser Electronics: Es darf knarzen, fiepen, dröhnen und rauschen, und trotz alledem klingt das selten verkehrt und trifft meist den richtigen Nerv. Chöre werden additiv hinzugefügt und thronen gegen Ende des zurückgelehnten "He dreams he's awake" in majestätischer Art und Weise über dem Song. "The passenger" berichtet von nächtlichen Zugfahrten und den gegengeschlechtlichen Beobachtungen, natürlich in dialogischer Ausführung. So entsteht eine Art Unmittelbarkeit, eine Direktheit, die man als Hörer selten so intensiv erlebt.

"The five ghosts" ist eine Kampfansage: All diejenigen, die "In our bedroom after the war" sträflich unterschätzten, bekommen mit dem fünften Album den endgültigen Laufpass. Es gibt kein Zurück mehr, so viel steht fest. Treibend türmen sich Gitarren und Beats auf, umgarnen sich die Stimmen der beiden Sänger und packen dabei alles in Watte. Bittersüß schmecken diese Pillen, bleiben im Hals stecken und wirken trotzdem so bewusstseinsverändernd wie Rauschgift. Unter diesen Umständen lässt sich verkraften, dass die zweite Albumhälfte leicht nachlässt. Und vor allem auch, dass ein hoher Konkurrenzkampf auf den Plattentellern angesagt sein wird. Denn: Keiner schreibt so schaurig-schöne Elogen auf das tückische Leben wie Stars.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Wasted daylight
  • I died so I could haunt you
  • Fixed
  • We don't want your body

Tracklist

  1. Dead hearts
  2. Wasted daylight
  3. I died so I could haunt you
  4. Fixed
  5. We don't want your body
  6. He dreams he's awake
  7. Changes
  8. The passenger
  9. The last song ever written
  10. How much more
  11. Winter bones

Gesamtspielzeit: 38:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
pfpvuvru
2012-05-10 21:24:47 Uhr
2lHD6w lxlblrbmmnzy
Manami
2012-05-10 13:17:44 Uhr
Hi Teppi,ein Hoch auf das Fahrrad! Diese nette Annehmlichkeit von einem Autofahrer gewalzt zu wreedn, ist auch hierzulande weit verbreitet. Ich wurde sogar vor ein paar Wochen angefahren , bin kurz vorm Aufprall doch leicht beherzt vom Fahrrad gehfcpft. Dem Fahrrad ist zum Glfcck nicht viel passiert. Ich hoffe, du le4sst dich nicht von so einem verwirrtem Kiwi naschen!Ich bin auf weitere Geschichten gespannt.Grudfdiebtk
fakeboy
2010-09-09 17:17:32 Uhr
"Außerdem sind mir Amy Millan und der Campbell (so als Cindy & Bert des Indiepops) auch ziemlich auf den Sack gegangen"

ging mir mit der ganzen band so als ich sie vor ca. 3 jahren zum ersten (und sicher auch letzten) mal gesehen habe... peinlicher haufen der gerne interessanter wäre als er ist, dazu äusserst schlechtes zusammenspiel (v.a. der drummer war grottig). nein danke.
Ballion
2010-09-09 16:59:46 Uhr
@revilo:
Hab sie zur Veröffentlichung von 'In Our Bedroom After the War' in der Glocke/Hannover gesehen und fand's einigermaßen öde - wohl hauptsächlich deswegen, weil ich mit dem Album nicht viel anfangen kann. Außerdem sind mir Amy Millan und der Campbell (so als Cindy & Bert des Indiepops) auch ziemlich auf den Sack gegangen. Aber vielleicht hatte ich auch nur schlechte Laune, keine Ahnung.
Biba Butzemann
2010-09-09 11:53:29 Uhr
Irgendwie ist vor allem die 2. Hälfte doch echt langweilig und spröder Standard.
Aber auch insgesamt weit entfernt von In our Bedroom...

Wird wohl wieder rausgehauen aus der Diskografie.
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